Otterstadt
Mit Blick ins Jahr 2025: Neuer Bürgermeister Theo Böhm plädiert für Mut
Bei seinem ersten Neujahrsempfang als Chef der Ortsgemeinde Otterstadt war Theo Böhm (CDU) wichtig, dass die Menschen im Remigiushaus miteinander ins Gespräch kommen und die Gemeinschaft im Vordergrund steht. Der 55-Jährige hielt sich deswegen nach Beiträgen des Musikvereins bei seiner knapp 20-minütigen Rede kurz. Er ließ es sich dennoch nicht nehmen, auf vieles im vergangenen Jahr zurückzublicken, worauf die Dorfgemeinschaft stolz sein könne.
Böhm bewegte, dass die Otterstadter ihn am 9. Juni zu ihrem Bürgermeister gewählt und damit entschieden haben, dass er für die nächsten fünf Jahre die Gemeinde lenken soll. Neben den alten und neuen Mitgliedern im Ortsgemeinderat seien die neuen Beigeordneten Lothar Ritthaler (CDU) und Harald Endres (gkL) besonders wichtig. Sie sind mit eigenen Geschäftsbereichen vertraut. „Diese Struktur schafft Klarheit und Verantwortung, was uns in der Zusammenarbeit zugutekommt“, sagte Böhm.
Niederlagen vor Gericht: Bürger stehen im Mittelpunkt
Als wichtigen Punkt, den der Gemeinderat auf den Weg brachte, nannte der Ortschef den ausgeglichenen Haushalt für 2025. Der Ausgleich sei aber nur mit einer deutlichen Erhöhung der Grundsteuer möglich gewesen. Dass Bürger für ihr Eigentum tiefer in die Tasche greifen müssen, sei notwendig, um die Kreditfähigkeit der Gemeinde zu sichern und Investitionen zu ermöglichen.
Beim Blick ins vergangene Jahr ließ Theo Böhm auch „zwei für Otterstadt bedeutsame Gerichtsentscheidungen“ nicht außer Acht. Das Oberverwaltungsgericht wies die Revision der Ortsgemeinde gegen den Hauptbetriebsplan für die Erdöl-Bohrung ab. „Dieses Urteil stellt uns vor die Frage, wie wir uns in dieser Angelegenheit in Zukunft positionieren“, sagte Böhm und versprach: „Wir werden weiterhin daran arbeiten, dass die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger gewahrt bleiben.“
Ebenfalls abgewiesen wurde die Klage von Otterstadter Landwirten gegen die geplante neue Deichtrasse. Sie kann gebaut werden, das Land rechnet mit einem Baustart im Frühjahr/Sommer 2026 und einer Fertigstellung 2028. „Unsere Landwirte sind die Leidtragenden bei dem Deichstreit, und ich finde es bedauerlich, dass kein Kompromiss gefunden wurde“, sagte Böhm.
Dem neuen Ortsbürgermeister liegen auch Veranstaltungen als „feste Bestandteile des kulturellen und gesellschaftlichen Dorflebens“ am Herzen. Er sprach das Karpfenfest an, das 2024 erstmals nach der Pandemie mit einem neuen Konzept von Festwirt Paolo Rappa wiederbelebt wurde. „Ob es eine Wiederholung in diesem Jahr geben wird, ist noch fraglich“, sagte Böhm. Er erinnerte ebenso an den Volkstrauertag, der als zentrale Gedenkveranstaltung des Landes in Otterstadt über die Bühne ging, sowie an den Weihnachtsmarkt und die Kerwe als „Symbol für Zusammengehörigkeit und ein großes Gemeinschaftsprojekt des Ortskartells und der Vereine“. „Ich bin dankbar, dass so viele Menschen in unserer Gemeinde mit Herzblut dabei sind“, sagte Böhm.
Engagement und Herzblut wünscht er sich auch für 2025 und gab einen Überblick über die „zentralen Aufgaben“. Da wären die geplanten Brandschutzsanierungen in der Grundschule und der Kita „Arche Noah“. Damit stelle die Gemeinde sicher, dass diese Einrichtungen modernen Standards entsprechen und sichere Orte des Lernens und der Betreuung bleiben. Denn: „Die Sicherheit unserer Kinder ist nicht verhandelbar“, betonte Böhm.
Ebenso dringend erforderlich sei die Sanierung von Dach und Fassade des Rathauses. Gleichzeitig soll dessen energetische Effizienz verbessert werden. „Damit leisten wir einen Beitrag zum Klimaschutz und erhalten gleichzeitig ein funktionales und repräsentatives Gebäude für unsere Bürgerinnen und Bürger“, sagte der Ortsbürgermeister. Seinen Angaben zufolge will Otterstadt „aktiv zur Energiewende beitragen“ – mit Projekten in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik und Geothermie. Dabei stehen die Stadtwerke Speyer als Partner zur Seite, die sich auch um den Ausbau des Glasfaser-Netzes kümmern wollen. Böhm nannte außerdem den Aufbau des erneuerbaren Energienetz Otterstadt, kurz EENO, mit dem gemeindeeigene Gebäude mit Strom aus PV-Anlagen versorgt werden sollen.
Pionier-Quartier wäre ein Leuchtturm-Projekt
„Enorme Chancen für unsere wirtschaftliche Zukunft“ sieht Böhm in der Entwicklung der Otterstadter Flächen auf dem Gelände der ehemaligen Kurpfalzkaserne. Sie sollen zu einem Gewerbegebiet werden. „Dabei wollen wir nicht nur Flächen schaffen, sondern gezielt innovative und nachhaltige Unternehmen anziehen, sofern es sich für Otterstadt wirtschaftlich lohnt. Vor dem Kauf ist eine ausführliche Prüfung notwendig, die zeigen muss, dass sich diese große Investition wirklich rechnet“, sagte der Ortsbürgermeister. „Das Pionier-Quartier kann ein Leuchtturmprojekt werden, wenn wir es schaffen, Nachhaltigkeit, Wirtschaftskraft und Lebensqualität zu vereinen“, so Böhm.
Zu einer lebenswerten Gemeinde gehören für ihn auch passende Wohn- und Betreuungsangebote für alle Generationen. Der Ortschef nannte den Neubau von barrierefreien Wohnungen und einer Tagespflege in der Speyerer Straße sowie das Neubaugebiet „Westlich der Römerstraße“, für das mit den ersten Schritten zur Erstellung eines Bebauungsplans 2025 begonnen werden soll.
Böhm schloss seine Rede bedacht und zuversichtlich: „Wir müssen mit unseren Ressourcen sorgsam umgehen und Prioritäten setzen. Es geht nicht darum, schnelle oder einfache Lösungen zu finden, sondern die richtigen Entscheidungen zu treffen. Unser Ziel ist es, die Herausforderungen von heute zu meistern und gleichzeitig die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Das bedeutet, langfristig zu denken, mutig zu handeln und Kompromisse dort einzugehen, wo sie notwendig sind.“
Der Ortsbürgermeister ist überzeugt, dass Otterstadt großes Potenzial hat, und warb dafür, „Mut zu haben, neue Wege zu gehen, auch in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben und den Herausforderungen mit Zuversicht und Kreativität zu begegnen“. „Denn jeder kleine Schritt nach vorne ist ein wertvoller Beitrag zu dem, was wir erreichen wollen: ein modernes, zukunftsfähiges Otterstadt für alle“, sagte Böhm.