Mutterstadt
Leute im Landkreis: Besuch aus Ruanda bei Zeller Recycling
Vor wenigen Tagen ist Jean Luc Masabo 28 Jahre alt geworden. „Es war mein erster Geburtstag außerhalb Ruandas“, erklärt der junge Mann auf Englisch. Ein recht einsamer noch dazu, denn erst kurz zuvor war er in Ludwigshafen angekommen. Dort hat er gut eine Woche lang gewohnt, um nah an der vorletzten Station seiner Reise zu sein, dem Recyclingbetrieb Zeller in Mutterstadt. Masabo betreibt eine kleine Kompost-Firma in seiner Heimatstadt Kibungo im Südosten des Landes und nutzt den Aufenthalt in Deutschland, um möglichst viel über die hier angewandten Techniken der Abfallaufbereitung zu erfahren.
Ermöglicht wurde die Reise durch ein Entwicklungshilfeprojekt im Rahmen der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Jean Luc Masabo, der seinen Bachelor an der Universität in der Hauptstadt Kigali gemacht hat, ist froh, dass er als einer von sieben Vertretern verschiedener Branchen ausgewählt wurde. Und seit seiner Ankunft im September habe er bereits viele Einblicke in diverse Unternehmen bekommen, berichtet er.
Abwechslungsreiche Reise
So sei er unter anderem bei IMA Sanierungszentren in Germersheim gewesen, habe aber auch in einem Kindergarten erfahren, wie hierzulande Kindern das Thema Mülltrennung nahegebracht wird. Außerdem besuchte Masabo die Hochschulen in Kaiserslautern und Bingen und konnte dabei auch selbst im Labor forschen.
Bei Zeller in Mutterstadt durfte der Gast aus Ruanda alle Bereiche durchlaufen. „Wir versuchen, so etwas öfter zu machen, weil wir denken, dass es wichtig ist“, sagt Geschäftsführer Andreas Zeller. „So ein Programm dient beiden Seiten“, ist er überzeugt. „Es ist zwar ein Mehraufwand, aber es ist auch für die Mitarbeiter interessant.“ Schmunzeln muss er jedoch, als Masabo erzählt, dass er ihn anfangs nicht als Chef erkannt habe, weil er sich unter den Mitarbeitern so normal benommen habe.
Überrascht von Teamarbeit
Generell habe ihn überrascht, welchen Stellenwert Teamarbeit in Deutschland habe und wie flach die Hierarchien seien, sagt der 28-jährige Afrikaner. In seinem Heimatland grenze der Chef sich viel deutlicher von seinen Mitarbeitern ab. Er möchte jedoch künftig den Teamwork-Gedanken verstärkt in der eigenen Firma umsetzen. „Die Menschen hier sind sehr bescheiden“, findet Masabo und weiß das zu schätzen. Ebenso wie die Disziplin, die viele hier an den Tag legten. Eine weitere Anregung, die er mit in sein Heimatland nehmen möchte.
Die Mitarbeiter der Firma Zeller haben sich Mühe gegeben, Masabo so tiefe Einblicke wie möglich zu geben. Oliver Hauck, Bereichsleiter Organisation, gibt zu bedenken, dass eine Woche für die Prozesse jedoch zu kurz sei. Er und seine Kollegen stehen dem jungen Mann aus Ruanda deshalb auch künftig per E-Mail oder Telefon für Fragen zur Verfügung.
Kompost ersetzt in Ruanda den Dünger
Die Art, wie in Ruanda mit Abfall umgegangen wird, ist grundlegend anders als in Deutschland. Mülltrennung, wie wir sie kennen, gibt es dort nicht. Der Kompost, den Masabo für die Landwirtschaft produziert, entsteht deshalb auch nicht aus sortierten Abfällen. „Es ist ein anderer Ansatz für Kompost als bei uns“, erklärt Andreas Zeller. Das Material werde vor allem für die Felder gebraucht – als Alternative zum teuren Mineraldünger. „Rund 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft“, ergänzt Masabo. Entsprechend wichtig sei es, den Boden fruchtbar zu machen.
Zwar kann er sich vorstellen, noch einmal nach Deutschland zu reisen. Doch Ruanda dauerhaft zu verlassen, schließt er aus. Noch hat der 28-Jährige keine Frau oder Kinder, doch seine Mutter und sein Bruder leben dort. Sein Vater und weitere Geschwister sind durch den Völkermord 1994 ums Leben gekommen.
Gerade in schweren Zeiten habe ihm oft die Musik von Ludwig van Beethoven geholfen, sagt er. Sein Lieblingsstück sei „Für Elise“. „Wenn ich die Hoffnung verliere oder nicht weiß, was ich tun soll, spiele ich es“, erzählt der 28-Jährige. Und auch in besonders schönen Momenten. Lächelnd berichtet er, dass er in Speyer ein öffentliches Klavier entdeckt habe. Er habe gar nicht anders gekonnt, als auch dort „Für Elise“ zu spielen.