Waldsee
Leserärger: Hund von Heimbewohner soll plötzlich ausziehen
„Ich habe mein Leben lang Menschen in Not geholfen. Jetzt bin ich in Not und ich brauche dringend Hilfe“, sagt Jürgen Scherrer mit Tränen in den Augen. Der 65-Jährige lebt seit zweieinhalb Jahren mit seinem Münsterländer-Hund Yalk von der Berkelwiese im Rhein-Pfalz-Stift in Waldsee. Nun soll er den Hund abgeben und versteht die Welt nicht mehr. Er fängt an, von den Zeiten zu erzählen, in denen noch alles gut war.
„Ich bin Pilot und war 40 Jahre lang in der Luftfahrtbranche tätig“, erzählt er. Er habe Rettungshubschrauber geflogen und sei Mitglied der Flugbereitschaft gewesen. So habe er viele Prominente geflogen. Seinen treuen Gefährten Yalk hat er als Wasserrettungshund ausgebildet. Der Hund könne aus einem Rettungshubschrauber ins Wasser springen, Menschen finden und an Land ziehen. „Er hat schon drei Menschen aus dem Wasser gerettet“, sagt Scherrer. Auch ihm selbst habe der Hund das Leben gerettet, als er bei einem Tauchgang einen Herzinfarkt erlitten habe. „Wir sind schon ein ganz spezielles Rettungsteam. Er ist Teil meiner Seele.“
Zehn Operationen in drei Jahren
Vor drei Jahren verunglückte Scherrer auf dem Weg zu einem Einsatz mit dem Motorrad. Er sei in Böhl-Iggelheim gewesen, als er um Hilfe gebeten wurde, weil am Marxweiher zwischen Altrip und Waldsee ein Kind vermisst wurde. Auf der Fahrt durch Schifferstadt war die Hauptstraße gesperrt. „Ich bin im Schritttempo auf dem Radweg gefahren und im Matsch ausgerutscht. Die Maschine ist auf meinen Fuß gefallen“, berichtet Scherrer. Trotz großer Schmerzen habe er mit Hilfe von Passanten das Motorrad wieder aufgerichtet und sei zum Einsatzort gefahren. „Wir haben das Kind gefunden, es war gar nicht im Wasser.“ Das war der letzte Einsatz. Der Fuß war so schwer verletzt, dass der Mann in den nächsten drei Jahren zehn Mal operiert werden musste. In seiner Wohnung in Assenheim konnte der ursprünglich aus Karlsruhe stammende Pilot nicht mehr leben, da er die Treppen nicht mehr schaffte. Seinen Campingplatz, auf dem er davor lebte, war im Zuge der Umstrukturierung des Campinggebiets auf der Au gekündigt worden. Er versuchte es auf einem Ersatzplatz, den er zugewiesen bekommen hatte, doch das war wegen der vielen Klinikaufenthalte nicht möglich. Durch Vermittlung einer Ärztin habe er einen Platz im Seniorenheim in Waldsee bekommen, sein Hund durfte mit einziehen.
Seinem Fuß gehe es mittlerweile viel besser, sagt Scherrer und läuft zur Demonstration ein paar Schritte. Dreimal am Tag fährt er mit dem Fahrrad eine Gassirunde mit Yalk, und am Wochenende klettert der Hund in einen Transportkasten, den Scherrer ans Zweirad angebaut hat, und die beiden fahren zu ihrer Lieblingsbank am Flugplatz in Dannstadt.
Hund soll inkontinent sein
Am 20. August wurde ihm in einem Schreiben mitgeteilt, dass Yalk bis zum 31. August ausziehen muss, da der Hund inkontinent sei, die Einrichtung mit Kot und Urin verschmutze und Personal, Bewohner und Besucher anbelle. Scherrer kann das nicht fassen: „Das passiert höchst selten und wenn, dann mach’ ich es selbst weg“, versichert er und zeigt ein Schreiben der Tierärztin, die dem Hund einen guten Gesundheitszustand attestiert. Inzwischen hat Scherrer einen Anwalt eingeschaltet
„Als Betreiber können wir uns zu laufenden offenen – zum Teil rechtlichen – Verfahren aktuell nicht näher äußern“, erklärt Avendi-Pressesprecherin Susanne Frank. Das Unternehmen stehe bereits mit allen Beteiligten im Austausch und setze alles daran, kurzfristig eine für alle Seiten vertretbare Lösung zu finden. „Das geordnete und harmonische Zusammenleben unserer Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Gesundheit und Wohlergehen, ebenso das der Besucherinnen und Besucher sowie unserer Mitarbeitenden, haben für uns dabei höchste Priorität.“
Scherrer hat inzwischen nur noch einen Wunsch: „Ich möchte so gerne eine kleine Wohnung in Waldsee.“ Er habe keine Ansprüche, nur im Erdgeschoss sollte es sein, wegen seiner Verletzung und weil der Hund inzwischen auch schon 15 Jahre alt ist. „Ich kann wieder allein zurechtkommen“, versichert er. „Vielleicht findet sich ja jemand, der eine Wohnung hat. Es wäre ein Wunder für mich.“
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