Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Landratswahl: Wie die Kandidaten ihr Ergebnis beurteilen

Erste Etappe geschafft: Volker Knörr tritt in der Stichwahl ...
Erste Etappe geschafft: Volker Knörr tritt in der Stichwahl ...

In einer Stichwahl wird entschieden, wer neuer Landrat oder Landrätin wird. Volker Knörr oder Bianca Staßen? Das Rennen um Platz zwei hinter Knörr war lange spannend.

Es war ein langer Abend im Kreishaus am Europaplatz. Bei der Landratswahl war Geduld bis weit nach 23 Uhr gefragt. AfD-Kandidat Joachim Paul war der erste Kandidat, der ins Kreishaus kam. Volker Knörr (CDU) kam – wie angekündigt – etwas später. Die anderen Kandidaten – Bianca Staßen (SPD), Maurice Kuhn (Grüne) und Ralf Marohn (FDP) – verfolgten die Auszählung an anderen Orten im Kreis. Das kam bei einigen Mitarbeitern der Kreisverwaltung nicht gut an. Denn wer Landrat ist, wird Chef der Kreisverwaltung und folgt im November Amtsinhaber Clemens Körner (CDU) nach.

Beim Auszählen muss alles seine Ordnung haben. Weshalb sich die Menschen im Kreishaus auch erstmal auf das konzentrieren dürfen, was auf den beiden Flachbildschirmen im Sitzungssaal läuft. Die Stimmzettel für die Bundestagswahl werden zuerst ausgezählt. Daher beherrschen Friedrich Merz, Olaf Scholz und Co. noch das Geschehen. Joachim Paul (54), der für die AfD im Mainzer Landtag sitzt, ist zuversichtlich, als er die Prognosen seiner Partei auf Bundesebene sieht. „Im Rhein-Pfalz-Kreis sind wir immer ein bisschen über dem Bundesergebnis“, orakelt der Koblenzer, der sich in seiner Heimatstadt gleichzeitig auch um einen Sitz im Bundestag beworben hat. Er habe sich aber voll auf den Kreis konzentriert, versichert er. Nach Pauls zwischenzeitlicher Rechnung käme er demnach auf über 20 Prozent der abgegebenen Stimmen.

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Clemens Körner ist der Wahlleiter. Grundsätzlich finde er es gut, dass sich fünf Kandidaten um seine Nachfolge bewerben. Im TV verkündet Friedrich Merz kurz darauf, um 18.35 Uhr, dass die CDU die Bundestagswahl gewonnen hat. Um 18.40 Uhr ist der erste Stimmbezirk für die Landratswahl ausgezählt, das Ergebnis erscheint auf der großen Leinwand. Kleinniedesheim macht den Anfang. Volker Knörr liegt vorne, Bianca Staßen und Joachim Paul liegen gleichauf auf Platz zwei. Maurice Kuhn und Ralf Marohn sind abgeschlagen.

Knörrs Resultat verfestigt sich

Danach laufen die Resultate aus den einzelnen Stimmbezirken immer schneller ein. Und das Resultat aus Kleinniedesheim verfestigt sich. Knörr marschiert vorne weg. Der Christdemokrat reißt locker die 30-Prozent-Marke und kommt in die Stichwahl am 16. März. Dahinter bleibt es lange spannend zwischen Paul und Staßen. Nur langsam kann sich die Sozialdemokratin absetzen. Am Ende sind es 5,7 Prozentpunkte, die sie vom Koblenzer trennen. „Wir haben ein gutes Angebot für entschlossene AfD-Wähler gemacht“, sagt Paul. Die Wahlergebnisse spiegelten einen starken Wunsch nach grundsätzlicher Veränderung wider. „Und Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Joachim Paul
Joachim Paul

Schulleiter Volker Knörr (48) freut sich über sein Ergebnis. Auch wenn er schockiert ist, wie groß der blaue Balken von der AfD im Bund ist. Als sich abzeichnet, dass Knörr nicht mehr einzuholen ist, beginnt der Waldseer, den weiteren Wahlkampf vorzubereiten. Am Montag trifft sich das Wahlkampfteam, am Dienstag geht’s weiter.

„Meine beiden Stellvertreter haben in den vergangenen Wochen Erstaunliches geleistet“, verweist Clemens Körner auf den kurzen Wahlkampf, der für Knörr und Staßen ja auch noch nicht beendet ist. Er hoffe, dass es weiterhin fair bleibe. Eine Überraschung ist für ihn das Abschneiden von Maurice Kuhn: „Ihn hätte ich stärker erwartet.“

Erst Mainz, dann Kreis

Kuhn verfolgt die Auszählung am Abend im privaten Umfeld. Der 27-jährige Kandidat der Grünen, der im Mainzer Landtag arbeitet, war tagsüber beruflich bedingt wegen der Bundestagswahl noch in der Landeshauptstadt gebunden. Sein Abschneiden bei der Landratswahl kommentiert der Altriper wie folgt: „Wir sehen, dass sich die Grünen in einer herausfordernden Zeit befinden. Wir und ich mit meiner Kandidatur wollten den Menschen ein Angebot machen und wichtige Zukunftsthemen im Wahlkampf präsentieren. Ich glaube, dass uns das gelungen ist. Der Bundestrend schlägt sich aber auch bei der Landratswahl nieder“, sagte Kuhn. Er erreichte mit 8,4 Prozent den fünften Platz. „Ich hätte mir mehr gewünscht, aber ich liege im Durchschnitt der Grünen-Bundestagskandidaten“, so Kuhn.

Maurice Kuhn
Maurice Kuhn

Bevor Ralf Marohn am Abend ins Rathaus nach Neuhofen kommt, ist er 65 Kilometer Rad gefahren – durch den Landkreis Richtung Neustadt. Das diente der Entspannung, sagt der 57-Jährige, der hauptberuflich als Unternehmer arbeitet und nebenberuflich die Ortsgemeinde Neuhofen als Bürgermeister führt. Im Rathaus beobachtet der FDP-Politiker, wie die Wahlhelfer die Stimmen auszählen. Marohn freut sich über jedes Kreuz, das hinter seinem Namen gemacht wurde, und berichtet, wie der Wahlkampf die FDP-Mitglieder im Rhein-Pfalz-Kreis zusammengeschweißt habe. Am Ende belegt er Rang vier mit 10,8 Prozent. Sein Ziel, die Zehn-Prozent-Marke zu knacken, hat er damit erreicht. Außerdem kann er sich über doppelt so viele Stimmen wie seine Partei – die FDP auf Bundesebene – freuen. Dieser Punkt spreche dafür, dass die Landratswahl eine Personenwahl sei, sagt Marohn.

Für die Neuhofener Bürger bedeutet Marohns Abschneiden, dass sie ihren Ortsbürgermeister behalten. Er hätte bei einem Wahlsieg nicht gleichzeitig Bürgermeister und Landrat sein können und sich für ein Amt entscheiden müssen. In der Kreispolitik will Marohn weiter eine Rolle spielen. Der FDP-Politiker sitzt seit vergangenem Jahr im Kreistag und hat dort bereits Akzente gesetzt, indem er die Anmiet-Pläne der aktuellen Kreisspitze für das neue Kreishaus in Schifferstadt infrage gestellt hat. An diesem Thema will er dranbleiben, kündigt Marohn an und verweist auf die vielen weiteren Sachthemen, in die er sich im Wahlkampf eingearbeitet habe.

Ralf Marohn
Ralf Marohn

„Das Rennen ist wieder offen“

Bianca Staßen ist die Freude über ihren Einzug in die Stichwahl anzusehen. Die SPD-Politikerin aus Otterstadt verfolgte die Auszählung mit einigen Parteimitgliedern im Rathaus in Mutterstadt. Nach einem anstrengenden Wahlkampf mit mehr als 10.000 Haustürbesuchen ging die 48-Jährige den Wahltag gemütlich an: Sie ruhte aus, lernte mit ihrer Tochter für eine Biologieklausur – Staßen ist Biologielehrerin – und verbrachte Zeit im Garten an der frischen Luft. Als sie nach Mutterstadt fuhr, sei sie nicht sicher gewesen, ob sie es in die Stichwahl schafft, gibt die SPD-Frau zu. Das Abschneiden des AfD-Kandidaten bezeichnet sie als „erschreckend“. Staßen ist jedoch bewusst, dass das gute Abschneiden der Partei bei der Bundestagswahl sich auch bei der Landratswahl niedergeschlagen hat.

Die Otterstadterin ist mit ihrem Ergebnis zufrieden. „Ich habe mit 25 Prozent gerechnet und freue mich über jeden Prozentpunkt mehr“, sagt Staßen. Am Ende sind es 25,2 Prozent. Jetzt geht es in die Stichwahl. „Das Rennen ist wieder komplett offen. Es wird schwer, aber ich sehe durchaus Chancen“, sagt sie.

... gegen Bianca Staßen (Mitte) an, hier mit ihrer Tochter Alina und Partner Tom.
... gegen Bianca Staßen (Mitte) an, hier mit ihrer Tochter Alina und Partner Tom.
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