Rhein-Pfalz-Kreis
Landratskandidat im Wahlkampf-Endspurt: „Langsam langt’s“
Zwischen Dampfnudeln, Blumen und Käsespezialitäten hat die CDU auf dem Burgunder Platz in Limburgerhof ihren Stand aufgebaut. Die Parteimitglieder, die sich um den kleinen Stehtisch scharen, sehen etwas verfroren aus. Kein Wunder: Sie stehen zum Teil seit anderthalb Stunden hier, als um 10 Uhr Volker Knörr hinzustößt – es gab ein kleines Missverständnis bei der Terminabsprache. Der Landratskandidat wirkt leicht gehetzt, was einerseits an den hunderten Terminen liegt, die er in den vergangenen Wochen absolviert hat, und andererseits daran, dass der passionierte Fasnachter seit dem Karnevals-Endspurt gesundheitlich etwas angeschlagen ist. „Ich hätte noch Blumensamen und Süßigkeiten dabei“, kommentiert der 48-Jährige den Stapel an Flyern und kleinen Wahlkampf-Artikeln, die an die Bürger verteilt werden sollen. Sie sollen helfen, dem CDU-Kandidaten bei der Landrats-Stichwahl am kommenden Sonntag zum Sieg über Sozialdemokratin Bianca Staßen zu verhelfen.
Kaum ist Volker Knörr da, wird er auch schon in Beschlag genommen von einem Vertreter der Bürgerinitiative David, die gegen eine Güterbahntrasse durch die Vorderpfalz kämpft. Gerade in Limburgerhof ist das ein Thema, das die Leute beschäftigt, hat der Kandidat beobachtet. Ihm ist aber auch klar, dass der Kreis hier nur begrenzte Einflussmöglichkeiten hat. Ganz praktisch helfen kann er hingegen einem älteren Ehepaar aus Hochdorf-Assenheim. Es geht um ein Problem mit den Mülltonnen. Als Kreisbeigeordneter war Knörr jahrelang für den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft zuständig und kennt sich dementsprechend bestens mit dem Thema aus. Er zückt sein Smartphone, notiert sich die Namen der Senioren und verspricht sich zu kümmern. „Wenn es ein Problem gibt, melde ich mich“, versichert er.
Von einem Termin zum anderen
Das Smartphone hat Volker Knörr an diesem Vormittag noch öfter in der Hand – meistens dann, wenn es um die Koordination von Terminen geht. Die sind in den letzten Wochen des Wahlkampfs nämlich dicht gedrängt. Am kommenden Donnerstag wird’s besonders anstrengend: Unter anderem steht der Kandidat dann schon um 5 Uhr morgens am Bahnhof in Böhl, um Brezeln zu verteilen, und von 11 bis 12 Uhr sitzt er dann an der Kasse bei Edeka Stiegler in Mutterstadt zugunsten des Kindernotarztwagens. Auch der Internet-Wahlkampf geht weiter: „Könntest Du der CDU Böhl noch auf Instagram folgen?“, bittet ein junges Parteimitglied den Landratskandidaten.
Knörr nutzt den Besuch in Limburgerhof, um seiner Frau Sandra, die im Bürgerbüro der Gemeinde arbeitet, und ihren Kolleginnen ein paar Blumen vom Wochenmarkt vorbeizubringen. Auch Steffi Vogiatzoglou am Empfang wird beschenkt. „Wie geht’s dir?“, erkundigt sie sich bei Volker Knörr. „Langsam langt’s“, gesteht dieser mit Blick auf seine Wahlkampftermine im Kreis. „Pass auf dich auf“, gibt sie ihm noch mit auf den Weg, bevor Knörr sich wieder zu seinen Parteikollegen am Wahlkampf-Stand gesellt.
Die mehr als 100 Kunststoffplanen mit Volker Knörrs Konterfei, die im ganzen Kreis aufgestellt wurden und die der Kandidat nach der Wahl gegen eine kleine Spende für den guten Zweck abgeben will, haben ihre Wirkung nicht verfehlt: „Sind Sie der berühmte Herr Knörr?“, fragt ein älterer Bürger scherzhaft. Ihn muss der Waldseer nicht mehr überzeugen. „Ich habe meinen Wahlbrief schon weggebracht“, sagt er. Da ist er nicht der einzige: Viele, mit denen sie im Laufe des Vormittags gesprochen haben, hätten schon per Brief gewählt, berichten die CDU-Mitglieder am Infostand.
Kreis- kontra Gemeindethemen
Politisch tiefschürfende Gespräche – das wird bei dem Wahlkampfauftritt klar – sind bei den Gesprächen mit den Bürgern eher die Ausnahme. Und wenn es mal um Politik geht, dann stößt der Kandidat schnell auf das Problem, dass vielen nicht klar ist, was Angelegenheit des Landkreises ist und was die Gemeinden selbst entscheiden. Eine Mutter, die ihre zwei kleinen Kinder im Fahrradanhänger dabei hat, interessiert sich zum Beispiel für Klimaschutz. Da kann Volker Knörr zwar beispielsweise auf Maßnahmen in den Kreisbädern hinweisen. Wenn es aber um nicht vorhandene Photovoltaikanlagen auf dem Limburgerhofer Rathaus oder um stromfressende Straßenbeleuchtung geht, dann ist Knörr als Kreisvertreter eben raus.
Der Kandidat muss nun ohnehin wieder los, denn neben seinen Wahlkampfterminen muss der Waldseer ja auch noch seinem Beruf als Schulleiter in Ludwigshafen nachgehen. Am Nachmittag ist noch ein Besuch im landwirtschaftlichen Betrieb von Heike Fehmel und ihren „Von Heike“-Produkten in Mutterstadt geplant. Knörr gibt zu, dass er nach Wochen des Wahlkampfs „Erschöpfungsgefühle“ verspürt. Auch die Bürger seien nach dem ersten Wahlgang und der Bundestagswahl „gesättigt“. Ob sich durch seine Termine vor der Stichwahl noch etwas am Wahlergebnis ändern wird? Eher nicht, lautet Knörrs ehrliche Einschätzung. „Die Messe ist wahrscheinlich gelesen“ – für wen der beiden verbliebenen Kandidaten auch immer.