Obrigheim RHEINPFALZ Plus Artikel Vor dieser Pfälzer Kita üben Biker jetzt das Kurvenfahren

Trainer Tim Eisenhauer schaut sich genau an, wie Sabrina Christmann Kurven fährt.
Trainer Tim Eisenhauer schaut sich genau an, wie Sabrina Christmann Kurven fährt.

Kaum den Lappen fürs Motorrad in der Hand und schon geht’s auf Tour? Das kann schiefgehen. Zwei erfahrene Biker bieten jetzt in Obrigheim ein Training an.

Wer einen Motorradführerschein erworben hat, kommt noch lange nicht mit jeder Verkehrssituation auf seinem zweirädrigen Gefährt zurecht. Nachdem die Tochter einer Arbeitskollegin mit dem Krad tödlich verunglückt ist, hat Dennis Kral beschlossen, Biker zu trainieren, ihnen Tipps und Tricks zu verraten, damit sie sicherer werden. Über eine Whatsapp-Gruppe von Motorradfahrern, über die man sich beispielsweise für Ausfahrten verabredet, lernte er Tim Eisenhauer kennen, der die Idee klasse fand.

Aber mit der Umsetzung des Geschäftsmodells dauerte es lange. Es haperte daran, dass die beiden kein Übungsgelände fanden. „Zwei Jahre haben wir gesucht, keiner wollte uns haben“, erzählt Dennis. Die Ortschefin von Obrigheim, Nicole Eicher (FWG), war die Erste, die die Sinnhaftigkeit des Vorhabens richtig erkannt hat. Der Rat gab grünes Licht und der Vertrag für die Nutzung des Platzes vor der Kita wurde im September 2025 unterzeichnet.

Gleich mit Erfolg gestartet

Weil die Motorradsaison dann aber schon fast vorbei war, haben Dennis und Tim erst jetzt im Frühling mit ihrem Angebot losgelegt. Und das gleich mit Erfolg, wie die zwei berichten. Bestandteile der Übungen sind unter anderem stabile Balance, bewusste Blickführung, effektives Bremsen und vieles mehr. Ganz wichtig ist das richtige Kurvenfahren. Dennis, der sich sehr für Fahrtechnik und Fahrphysik interessiert und entsprechend fortgebildet hat, sagt: „Der Mensch hat eine programmierte Schräglage von etwa 20 Grad.“ Jedes Grad darüber hinaus löse Unwohlsein aus, was gefährlich werden könne, so der Frankenthaler und betont: Die mentale Blockade lasse sich abtrainieren.

Davon haben Sabrina Christmann und ihr Sohn Kevin im Internet gelesen. Und nun stehen die Quirnheimer auf dem Areal vor der Kita „Eisbachbande“ und sind bereit, ein paar Euro zu investieren, um ihre Unsicherheiten zu überwinden. Die 44-Jährige, die erst seit August den Motorradführerschein hat, nennt den Grund ihres Besuchs: „Wenn eine Kurve eng wird, gucke ich in ihr spazieren. Da kam es schon zu brenzligen Situationen.“ Dennis erläutert, dass scharfe Rechtskurven besonders problematisch sind. Diese dürfe man keinesfalls zu eng nehmen, um die Gegenfahrbahn noch einigermaßen im Blick zu behalten.

Drei grundlegende Techniken

Der Coach erklärt die drei grundlegenden Techniken, wie Kurven genommen werden können. Zum einen das Drücken, das ideal ist auf losem Untergrund und in Serpentinen. Dabei bleibt der Körper nahezu aufrecht, während das Bike mit dem Lenker nach unten gedrückt wird. Zum zweiten das Hineinlegen, der Allrounder, der immer passt. Und schließlich das Hanging-Off, bei dem weniger Schräglage erforderlich ist. Der Fahrer rutscht aktiv mit Gesäß und Oberkörper neben die Maschine und verlagert so den Schwerpunkt zur Kurveninnenseite hin, wobei das Schienbein fast über den Boden schleift.

Kevin, der mit Erreichen der Volljährigkeit gleich die Fahrprüfung auf dem Krad absolviert hatte und sich nun neu eine Rennmaschine zugelegt hat, räumt ein: „Ich hab Angst, mich in eine Kurve voll hineinzulegen.“ Tim hakt nach: „Was geht dir dabei im Kopf herum?“ Er habe das Gefühl, wegzurutschen, sagt der 20-Jährige. Tim nickt und erklärt: Viele betätigten dann die Vorderradbremse und das sei genau verkehrt. Denn das Bike habe dadurch die Tendenz, sich wieder aufzurichten. „Da ist es besser, das eventuelle Umfallen hinzunehmen und in der Schutzkleidung ein Stück über den Boden zu rutschen“, so der Coach, der schon als Grundschüler Motorradtrial beim AMC in Kerzenheim gefahren ist.

Zwei Radler zeigen sich interessiert

Während Tim die erste Übung, das Fahren einer Acht mit lockerer Körperhaltung demonstriert, kommen zwei Radler aufs Gelände. „Wir haben’s gerade zufällig gesehen“, sagt Uwe Mager und erkundigt sich: „Trainiert ihr hier?“ Seine Begleiterin Sandra Oswald erzählt, dass sie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr auf ihrer 500er Honda gesessen habe und „noch nie ein Kurvenjunkie gewesen“ sei. Mager sieht bei sich nach mehr als 45 Jahren Fahrpraxis auf schweren Maschinen „keine Probleme mit Kurven“, denkt aber, dass ein Sicherheitstraining keinesfalls schaden könne. Dennis reicht dem Göllheimer und der Gimbsheimerin einen Flyer.

Derweil hat Sabrina unter der strengen Beobachtung von Tim einige Achten absolviert. Der 34-Jährige hält sie zwischendurch an und gibt korrigierende Anweisungen. Als die Radler wieder fort sind, gesellt sich Dennis auch dazu und zeigt der Quirnheimerin, wie man seine Arme ganz locker hält. An Kevins Fahrstil wird noch stärker gefeilt. Anfangs wirkt der junge Mann recht steif, dreht auch den Kopf nicht in die Kurven. „Du musst immer dorthin gucken, wo die Strecke ist“, betont Dennis. Dankbar nehmen Mutter und Sohn die Ratschläge an, die allmähliche Optimierung des Fahrstils ist deutlich zu erkennen. Kevin wird gelobt und strahlt. Sabrina resümiert schon in einer kleinen Pause: „Das Training hier bringt definitiv etwas.“

Im Netz

Näheres auf der Website www.kurven-sicher.de. Ein zwei- bis zweieinhalbstündiges Einzeltraining kostet 129 Euro, bei Gruppentrainings ist der Preis pro Person niedriger.

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