Rhein-Pfalz-Kreis / Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Kreisverwaltung: So steht es um den Umzug nach Schifferstadt

Das Kreishaus in Ludwigshafen: Eine Erweiterung an diesem Standort wäre nicht in ausreichendem Maße möglich gewesen.
Das Kreishaus in Ludwigshafen: Eine Erweiterung an diesem Standort wäre nicht in ausreichendem Maße möglich gewesen.

Alle auf einen Wissensstand bringen – das war das Ziel eines Vortrags der Bauabteilung der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises am Donnerstag. Das Projekt, um das es ging, war der Umzug der Kreisverwaltung nach Schifferstadt. Dabei taten sich auch einige neue Aspekte auf.

Wenn auf der Agenda für die Sitzung eines Kreis-Bauausschusses nur ein Tagesordnungspunkt steht und die Sitzung trotzdem zwei Stunden dauert, ahnt man: Es ging um etwas Wichtiges. In diesem Fall war der geplante Umzug der Kreisverwaltung von Ludwigshafen nach Schifferstadt das Thema. Dieser hatte in der Kreistagssitzung vor Weihnachten für Diskussionen gesorgt. Kreistagsmitglied und Landratskandidat Ralf Marohn (FDP) hatte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des von der Kreisverwaltung vorgesehenen Modells, die benötigten Räume auf dem ehemaligen Bereitschaftspolizeigelände in Schifferstadt anzumieten.

Aus Sicht der Verwaltung diente der Bauausschuss dazu, speziell die neuen Kreistagsmitglieder über den Sachstand des Projekts zu informieren. Das übernahm Michael Pack von der Bauabteilung. Er holte etwas weiter aus, weshalb sich seine Präsentation auf immerhin 27 Seiten ausdehnte.

2013 bis 2015 habe die Verwaltung begonnen, sich mit der Sanierung, Modernisierung und der Erweiterung des Kreishauses zu befassen. Betriebs- und Instandhaltungskosten seien analysiert worden. 2016 sei noch eine zusätzliche Variante dazugekommen, die den Schutz vor Sommerhitze beinhaltete.

2017 und 2018 habe man sich mit der Ermittlung des Bedarfs für zusätzliche Räume befasst, in Verbindung mit einer Aufhebung der Dislozierung. Das bedeutet, dass die Kreisverwaltung alle Abteilungen unter einem Dach haben wollte. Derzeit ist zum Beispiel das Gesundheitsamt noch ausgelagert. Die Erweiterung des Standorts am Europaplatz in Ludwigshafen sei damals schon schwierig gewesen. „Wir hätten hier keine vier Geschosse mehr bauen dürfen“, erläuterte Pack.

Also habe man 2019 Gespräche mit dem Mainzer Innenministerium aufgenommen. Der Auftrag daraus sei gewesen, zu ermitteln, was wirtschaftlicher ist: Miete, Ankauf oder Neubau. „Das Ziel war zu dem Zeitpunkt noch der Verbleib am Standort Ludwigshafen“, betonte Pack. Allerdings kam 2019/2020 dazu, dass die Stadt Ludwigshafen die marode Hochstraße Nord, die sich in direkter Nachbarschaft des Kreishauses befindet, abreißen muss. Die Folge für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung seien „sechs bis acht Monate“ Belastungen durch Lärm und Staub. Schon jetzt gebe es Erschütterungen durch die vorbereitenden Arbeiten.

Die eigenen Ergebnisse seien durch ein externes Büro überprüft worden. Dieses habe einen Neubau als die deutlich wirtschaftlichere Variante beschrieben, berichtete Michael Pack. Die Verwaltung habe sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort begeben und sich neun Standorte im Stadtgebiet Ludwigshafen und sechs im Kreis angeschaut. Lediglich bei dreien dieser 15 Optionen stand unterm Strich ein Plus-Zeichen, was bedeutet, dass das Gelände für die Kreisverwaltung geeignet ist.

Darunter befand sich auch das ehemalige Bereitschaftspolizeigelände in Schifferstadt. Das erfüllte zusätzlich eine Bedingung, die das Mainzer Innenministerium der Kreisverwaltung mit auf den Weg gegeben hatte. Demnach musste der Kreissitz in einem Mittelzentrum sein. Lediglich Schifferstadt erfüllt im Kreis diese Voraussetzung.

Weshalb laut Pack ab 2021 die Verlagerung des Sitzes der Kreisverwaltung von Ludwigshafen nach Schifferstadt „Schwerpunkt der weiteren Vorgehensweise“ gewesen sei. Für einen Neubau habe man allerdings kein geeignetes Grundstück gefunden. Folglich habe man die Anmietung geeigneter Büroflächen als Alternative in Betracht gezogen.

Im Jahr darauf habe der Kreis die Verlagerung des Sitzes der Verwaltung nach Schifferstadt beantragt. 2023 habe es das Angebot gegeben, in das geplante Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Bereitschaftspolizei zu ziehen. Die Prüfung sei positiv ausgefallen, man habe schließlich einen konkreten Mietpreis vom Eigentümer des Gebäudes, der Firma Heberger, angefordert. 2024 habe das Mainzer Innenministerium alle vorgelegten Unterlagen prüfen lassen. Im Dezember kam aus Mainz dann das grüne Licht für den Umzug.

Landrat Clemens Körner (CDU) schaltete sich selten, aber gezielt in den Vortrag ein. Zum Beispiel verwies er darauf, dass das Verwaltungsgebäude in Schifferstadt laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht den Ruch eines Bestellbaus haben dürfe. „Das wäre vergaberechtlich schwierig“, betonte der Landrat. Er meinte auch, dass die Kreisverwaltung in das erste klimaneutrale Verwaltungsgebäude einziehe. „Das ist ein Leuchtturmprojekt.“

Körner betonte, dass beim Mietpreis noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Der Landrat hatte im Dezember von 24 Euro pro Quadratmeter gesprochen. Auch da hatte Marohn im Kreistag Zweifel angemeldet, ob das realistisch sei. Zum Vergleich: Der Verband Metropolregion Rhein-Neckar weist in seinem Immobilienmarktbericht etwa für Büroflächen in der Mannheimer Innenstadt für 2023 einen Spitzensatz von 22 Euro aus. In der Heidelberger Innenstadt lag die Topmiete bei 17, in der Ludwigshafener City bei 15 Euro.

Neue Dimensionen bekommt das Projekt, als Körner berichtete, dass ein Konsortium aus drei Sparkassen beabsichtigt, das Gebäude der Firma Heberger abzukaufen. „Wenn die Sparkassen es übernehmen, ist wichtig, dass wir keinen Cent mehr bezahlen, als wenn wir die Flächen von Heberger mieten würden.“ Aktuell liefen die Verhandlungen zwischen den Sparkassen und der Baufirma.

Ein Baubeginn sei noch 2025 möglich. Der Landrat rechnet mit drei Jahren Bauzeit. Konrad Reichert (FDP) hakte nach: „Schaffen wir den Umzug noch vor dem Hochstraßenabriss?“ Der soll im zweiten Quartal 2026 starten, das Projekt bis 2031 erledigt sein. Eine klare Antwort gab es dazu nicht. Zwischen den Zeilen war das „Nein“ aber herauszuhören. Allerdings betonte Körner, dass auch die Kreisverwaltung gesteigertes Interesse daran habe, dass der Umzug schnell vonstatten gehe. „Unsere Server haben jetzt schon Probleme wegen der Erschütterungen durch die Bauarbeiten. Zum Glück haben wir den Großteil ausgelagert.“ Auch bei der Akquise von neuen Mitarbeitern sei die bevorstehende Großbaustelle in unmittelbarer Nähe hinderlich. „Da sind 1000 Stellplätze verloren gegangen, davon 166 für unsere Mitarbeiter. Das sind Dinge, die ans Eingemachte gehen und eine Herausforderung sind, den Betrieb am Laufen zu halten.“

Für die Weitervermarktung des Kreishauses am Europaplatz ist interessant, dass es laut Michael Pack als Kulturdenkmal erkannt wurde und noch in diesem Jahr als solches ins entsprechende Verzeichnis aufgenommen werden soll. Das Kreishaus sei ein tolles Beispiel für postmodernen Baustil. Gebaut wurde es von 1985 bis 1989. Gekostet hat es rund 30 Millionen D-Mark. Das Kreishaus ist mit dem Staatsehrenpreis für Architektur ausgezeichnet worden. Laut Clemens Körner ist es voll abbezahlt und gehört dem Kreis. Dieser hatte es zuerst gemietet und schließlich gekauft. Ein solches Konstrukt strebt der Kreis auch für das neue Verwaltungsgebäude in Schifferstadt an – egal, wer am Ende der Vermieter ist.

Das ehemalige Gelände der Bereitschaftspolizei in Schifferstadt: Hierhin will die Kreisverwaltung umziehen.
Das ehemalige Gelände der Bereitschaftspolizei in Schifferstadt: Hierhin will die Kreisverwaltung umziehen.
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