Römerberg Kommunale Kita: Lösung in Sicht oder Galgenfrist verlängert?

Vor dem Sitzungssaal hatten sich Eltern, Kinder und Kita-Personal zum Protest versammelt.
Vor dem Sitzungssaal hatten sich Eltern, Kinder und Kita-Personal zum Protest versammelt.

Eine kleine Demo vor dem Zehnthaus gibt es auch nicht alle Tage. Der Grund: Der Römerberger Ortsgemeinderat sollte über die Trägerschaft einer neuen Kita entscheiden.

Römerberg geht rückwärts durch Schließung kommunaler Kita“, „Arbeitslos 2026 trotz Festvertrag?“ oder schlicht „Kinder in den Fokus“ – rund ein Dutzend Menschen hatten sich am Dienstagabend mit Plakaten vor dem Zehnthaus in Berghausen versammelt, um für den Erhalt einer Kita in kommunaler Trägerschaft zu protestieren. Der Hintergrund: Der vor zwei Jahren geschaffenen kommunalen Kitagruppe am Tafelsbrunnen droht das Aus. Sie hätte eigentlich Keimzelle der neuen fünfgruppigen Kita in der Gartenstraße werden sollen. Doch CDU und SPD wollten in der Ratssitzung einen Antrag stellen, deren Trägerschaft der protestantischen Kirche zu übergeben. Diese hätte eigentlich einen neu zu bauenden Kindergarten in W3 übernehmen sollen. In diesen hätte die protestantische Kita Spatzennest, die momentan in einem Provisorium betrieben wird, einziehen sollen. Weil der Rat aber mit CDU/SPD-Mehrheit beschlossen hat, diese Kita aufgrund rückläufiger Kinderzahlen nicht zu bauen, muss für das Spatzennest eine Alternative her. Für CDU und SPD kann das nur die Kita in der Gartenstraße sein.

Doch gleich zu Beginn der Sitzung beantragte CDU-Sprecher Andreas Ruhnke den Antrag, den seine und die SPD-Fraktion eigentlich stellen wollten, um rund einen Monat auf die nächste Ratssitzung zu verschieben – was mit der Mehrheit der beiden Fraktionen auch so beschlossen wurde. Er habe Kontakt zum Leiter des Protestantischen Kindertagesstättenverbands Speyer-Germersheim Jochen Wütscher gehabt, erläuterte Ruhnke. Laut diesem könne die Kirche auch damit leben, wenn die Entscheidung erst im Oktober getroffen wird. „Das Thema Zeit ist für alle wichtig. Wir wollen nichts übers Knie brechen“, sagte Ruhnke gegenüber der RHEINPFALZ. Seine Hoffnung: In den kommenden Wochen ein Gebäude finden, in dem die kommunale Kitagruppe weitergeführt werden kann. Es gebe Ansätze, über die er allerdings noch nicht näher berichten könne. Gemeinsam mit der Kita, der Verwaltung und dem Bürgermeister sollen diese geprüft werden. „Wir arbeiten alle an einer Lösung“, sagt Ruhnke und stellt klar: Das Ziel sei, weiterhin eine kommunale Kita zu betreiben.

Unwahrheiten verbreitet?

Dass Eltern und Erzieherinnen der Naturkita am Tafelsbrunnen gegen ein mögliches Aus ihrer Einrichtung mobil machen, kann Ruhnke einerseits verstehen, andererseits beklagt er, dass dabei auch „Fakten verdreht“ und „Unwahrheiten verbreitet“ werden. Auch Jochen Wütscher vom Protestantischen Kindertagesstättenverband ist nach einem Gespräch mit Elternvertretern der Kita Tafelsbrunnen verärgert, wie er zugibt. Das Gespräch selbst sei gut gewesen, doch anschließend hätten die Eltern in einer Mail an die Ratsfraktionen Unwahrheiten geäußert. So sei darin suggeriert, dass die Aussicht auf eine „komplett neue, gehobene Ausstattung“ ein Hauptmotiv für das Interesse der Kirche an der Trägerschaft sei. „Die Motivation ist sicher nicht die Ausstattung“, stellt Wütscher klar. Und es stimme zwar, dass die Gemeinde auf die Kirche zugekommen sei. Doch dass die Kirche ohne diesen Schritt kein Interesse an der Trägerschaft bekundet hätte, will Wütscher ebenfalls nicht so stehen lassen. Angesichts der ungewissen Zukunft für die Kita Spatzennest hätte sein Verband auch von sich aus angefragt, wie es weitergehen soll. Dass bei einer Einstellung von Erzieherinnen und Erziehern und damit auch bei einer denkbaren Übernahme des Personals vom Tafelsbrunnen die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche eine Voraussetzung sei, bestätigt Wütscher grundsätzlich. Doch habe er Gesprächsbereitschaft signalisiert, Spielräume könnten ausgelotet werden. Den Vorwurf der Eltern, dass dies eine „unmenschliche Bedingung“ sei, weist er zurück.

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