VG Römerberg-Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Kandidaten schildern Eindrücke aus dem Bürgermeister-Wahlkampf

Wählt nicht alltägliche Wahlkampfmöglichkeiten: Justus Rabe spielt mit Bürgern Airhockey.
Wählt nicht alltägliche Wahlkampfmöglichkeiten: Justus Rabe spielt mit Bürgern Airhockey.

Die vier Bürgermeisterkandidaten in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen sind seit vielen Wochen im Wahlkampfmodus. Justus Rabe, Matthias Hoffmann, Harald Löffler und Silke Schmitt-Makdice begegnen den Bürgern vor der Wahl am 6. März auf ganz unterschiedliche Weise. Die Kandidaten erleben den Wahlkampf ebenfalls verschieden, einer wittert eine Kampagne gegen sich. Die Corona-Pandemie spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Justus Rabe: Der Neuling im Wahlkampf

Für FDP-Kandidat Justus Rabe ist es der erste Wahlkampf. „Wir haben im August, September begonnen und die Vorbereitungen liefen schleppend, wir konnten uns nicht präsentieren“, blickt der 37-Jährige auf die Corona-bedingten Startschwierigkeiten zurück. Um sich bei den Bürgern bekannt zu machen, nutzt er auch Social-Media-Kanäle. „Wir erreichen pro Beitrag 3000 Leute. Das darf man nicht unterschätzen“, sagt Rabe. In der derzeit laufenden heißen Phase des Wahlkampfs steht er ohne Parteimitglieder an Infoständen vor Supermärkten und Bäckereien. „Wir wollen den Kreis so klein wie möglich halten. Bei mehr als zehn Personen müsste ich auch den Impfstatus abfragen“, erklärt Rabe.

Er widerspricht damit der Vermutung der Konkurrenz, dass seine Partei nicht hinter ihm stehe. „Die FDP, auch aus Speyer, unterstützt mich so gut es geht. Die Bürgermeisterwahl ist eine Personenwahl. Es geht um mich und nicht um die Partei“, sagt der 37-Jährige. Zu seinem engen Wahlkampfteam zählen fünf Personen – darunter sein Vertrauter, Unternehmer Michael Schepers, sowie die erfahrenen Wahlkämpfer Hartmut Lardon und Jürgen Creutzmann. Rabe schätzt deren Hilfe und Vorschläge. Er macht jedoch gleichzeitig deutlich, dass er nicht alles annehme, was ihm die beiden FDP-Urgesteine vorschlagen. „Das muss ich sein. Ich muss hinter den Inhalten stehen“, sagt der Heiligensteiner.

Sein Wahlkampfbudget, das ihm vom FDP-Gemeindeverband und Unternehmen zur Verfügung gestellt werde, beziffert Rabe auf 4790 Euro, wobei er noch privat Geld hinzusteuert – etwa für die Marmelade und die Primeln, die er an seinen Infoständen verteilt. Die Pandemie habe den Wahlkampf ausgebremst, sagt Rabe. Er findet aber, dass er und sein Team das Beste herausholen – „aus den geringen Ressourcen, dem begrenzten Geld und der begrenzten Zeit“, die den FDP-Wahlkämpfern zur Verfügung stehen.

Matthias Hoffmann: Der Grüne, der Kampagne wittert

Matthias Hoffmann (Grüne) sitzt vor der Webcam, als ihn die RHEINPFALZ anruft. Der 58-Jährige bietet seit Kurzem eine Online-Bürgersprechstunde an – unter dem Motto „Löchern Sie den Kandidaten“. Es herrsche ein relativ großes Unverständnis, was die Verbandsgemeinde eigentlich mache. „Gerade in Römerberg“, sagt Hoffmann. Die Gemeinde war vor der Fusion im Jahr 2014 eigenständig. Er muss deshalb vor allem aufklären.

Mit Blick auf den Wahlkampf und die Kritik an seinen Entscheidungen zum Mechtersheimer Wall sowie zum Heiligensteiner Pfarrheim und der Kita wittert Hoffmann eine Kampagne gegen sich. „Seit September werde ich als Römerbergs Ortsbürgermeister von den anderen Parteien mit Anträgen und Anfragen zum Sachstand von Projekten überflutet“, berichtet Hoffmann und sagt, dass es ihm so vorkomme, als solle nachgebohrt werden, was er als Ortsbürgermeister falsch mache. Das setze nicht nur ihn sehr unter Druck, sondern verunsichere auch die Verwaltung, sagt der 58-Jährige. Er findet, dass das Agieren einiger Römerberger Ratsmitglieder System habe. „Römerberg hat das größte Wählerpotenzial“, erklärt Hoffmann. Dem Bürgermeisterkandidat tut das Verhalten einiger politischer Gegner weh, wie er sagt. Er betont aber, dass die Angriffe nicht von seinen drei Mitbewerbern kämen. „Da gibt es keine Animositäten“, sagt der Römerberger, der in den vergangenen Monaten zu alldem noch private Schicksalsschläge verkraften musste: Zwei Familienangehörige sind gestorben.

Haustürwahlkampf sei nicht sein Stil, er wolle sich Zeit für Gespräche nehmen, sagt der Mechtersheimer. Deshalb bietet er außer der Onlinesprechstunde Infostände an und treffe sich mit kleinen Gruppen. Dabei bekommt er Mut zugesprochen. „In Mechtersheim hat ein Mann seinen Arm auf meine Schulter gelegt und gesagt: ,Medersche wählen Medersche’“, berichtet der 58-Jährige, dem anzumerken ist, dass er aus dieser Begegnung Kraft geschöpft hat. Ermutigt wird er auch anderswo: „Ich höre recht häufig: ,Du machst doch was, das musst du auch nach außen tragen’“, berichtet Hoffmann. Er möchte laut eigener Aussage sein Ortsbürgermeisteramt aber nicht mit der Kandidatur zum Verbandsbürgermeister vermischen. Generell falle es ihm schwer, sich darzustellen. „Eigenlob stinkt, das bin nicht ich“, sagt der 58-Jährige. Er führt aus, dass er Parteikollegin Anne Spiegel als seine ehemalige Weggefährtin und heutige Bundesfamilienministerin in die Verbandsgemeinde einladen könne, um zu zeigen, dass er auch einen Draht nach Berlin habe. Er betont in diesem Zusammenhang, dass er begeistert sei von SPD-Kollegin Silke Schmitt-Makdice und deren Wahlkampf. „Rein strategisch könnte ich mehr machen, aber das ist nicht meins“, fasst Hoffmann zusammen.

Der Grüne-Bürgermeisterkandidat hat seinen Angaben zufolge rund 8000 Euro zur Verfügung. Flyer, Plakate und die Texte auf seiner Internetseite spricht er mit seinem Wahlkampfteam ab, das aus zwölf Personen besteht. „Ich sehe an ihren Emotionen, ob es auch die Wählerinnen und Wähler ansprechen würde oder nicht“, beschreibt Hoffmann den Prozess, bis ein Design gefällt oder ein Text ankommt.

Harald Löffler: Mittlerweile überall bekannt

Harald Löffler ist seit November auf Wahlkampftour und wird nun von viel mehr Menschen in der Verbandsgemeinde erkannt. „Wenn die Leute jetzt die Tür aufmachen, grinsen sie und fragen, wo ist mein Salat“, erzählt Löffler und lacht. „Ich habe den Bekanntheitsgrad, den ich mir zum Ziel gesetzt habe, erreicht“, freut sich der 51-jährige CDU-Kandidat.

Sein Kern-Wahlkampfteam besteht aus zwölf bis 14 Personen aus allen Orten der Verbandsgemeinde, hinzu kommen noch einmal zahlreiche Helfer, die Flyer austeilen. Für den Wahlkampf hat er rund 20.000 Euro zur Verfügung. Einen großen Teil davon habe er selbst beigesteuert, ein Teil kam als Spende von Unternehmen und „ganz, ganz wenig“ sei von den CDU-Ortsvereinen, schlüsselt Löffler auf.

Der Harthausener bedauert, dass er sich aufgrund der Pandemie nicht bei Veranstaltungen und Festen präsentieren kann. „Dort erreicht man viele Menschen auf einmal“, sagt Löffler. Nun ist der 51-Jährige regelmäßig am Wochenende mit Infoständen vor Supermärkten vertreten. Drei Mal die Woche ist er zudem, manchmal bis zu achteinhalb Stunden am Tag, in den vier Ortsgemeinden von Haustür zu Haustür unterwegs. „Es macht riesigen Spaß. Ich finde den persönlichen Kontakt toll“, sagt Löffler. Die Pandemie tut seiner Freude keinen Abbruch, auch wenn er mal Infizierten begegnet. Der 51-Jährige berichtet von einem Mann, der ihm die Haustür ohne Maske aufgemacht und gesagt habe, dass er Corona hat. „Ich stand weit genug entfernt, da mache ich mir keine Gedanken“, sagt Löffler. Er ist ohne Schutzmaske unterwegs, weil ihn die Menschen erkennen sollen.

Die Haustürgespräche seien angenehm. „Viele Menschen sind offen und freundlich, manche fragen auch kritisch nach. Viele sagen, dass sie mich wählen, aber mal sehen, ob sie es dann auch wirklich machen“, fasst Löffler zusammen und lacht. Er nehme sich für die Gespräche ausreichend Zeit und sagt, dass er die Pandemie im Wahlkampf nicht als einschränkend empfinde. „Wir haben uns angepasst“, bilanziert Löffler.

Silke Schmitt-Makdice: Fleißig von Tür zu Tür

Silke Schmitt-Makdice empfindet den Wahlkampf in Corona-Zeiten als eine Herausforderung, aus der die 42-Jährige und ihr Team jedoch das Beste machen wollen. „Wir sind ein Team, das zusammenhält, das sich ergänzt und in dem jeder seine Stärken einbringen kann“, sagt die SPD-Kandidatin über die zehn Personen, die sie im Wahlkampf unterstützen und dafür ein finanzielles Budget im mittleren vierstelligen Bereich zur Verfügung haben. Das Geld sei auch durch zahlreiche Spender zusammengekommen. Von montags bis freitags ist Silke Schmitt-Makdice in den vier Ortsgemeinden von Haustür zu Haustür unterwegs. „Es ist mir schon ein Anliegen, dass mich die Bürgerinnen und Bürger persönlich sehen“, sagt die 42-Jährige. Sie und ihr Team achten darauf, nicht vor 14.30 Uhr und nicht nach 17 beziehungsweise 17.30 Uhr bei den Menschen zu klingeln, damit diese nicht beim Essen gestört werden.

Die Verkehrsbelastung sei bei den Gesprächen überall ein Thema. „Vergangene Woche habe ich auch ein tolles Gespräch mit einer Bürgerin über erneuerbare Energien geführt, aus dem ich Ideen mitnehme, wie die Verbandsgemeinde energieautark werden kann“, sagt Schmitt-Makdice.

Insgesamt empfindet sie den Wahlkampf als positiv. Dass sie mit den Bürgerinnen und Bürgern überwiegend nur an der Haustür in Kontakt kommen kann, sieht sie sogar als Vorteil. „Man lernt die Menschen persönlicher kennen und kann auf die einzelnen Personen besser eingehen“, sagt die 42-Jährige. Einen Nachteil habe der Wahlkampf allerdings: „Es ist Winter und sehr kalt. Das können sicher alle Kandidaten unterschreiben“, sagt die Hanhofenerin und lacht.

Trifft sich mit Gruppen wie dem Ortsverein Dudenhofen: Matthias Hoffmann (rechts).
Trifft sich mit Gruppen wie dem Ortsverein Dudenhofen: Matthias Hoffmann (rechts).
Ist durch sein Wahlkampfgeschenk – den Feldsalat – bekanntgeworden: Harald Löffler.
Ist durch sein Wahlkampfgeschenk – den Feldsalat – bekanntgeworden: Harald Löffler.
Kann auf ihr Wahlkampfteam zählen: Silke Schmitt-Makdice (rechts) vor einem Supermarkt.
Kann auf ihr Wahlkampfteam zählen: Silke Schmitt-Makdice (rechts) vor einem Supermarkt.
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