Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kampf um Kita-Platz: Eine Familie berichtet

Umständliche Anmeldung, kurzfristig verschobene Aufnahme – die Kita-Platz-Suche kostet Eltern mitunter viele Nerven.
Umständliche Anmeldung, kurzfristig verschobene Aufnahme – die Kita-Platz-Suche kostet Eltern mitunter viele Nerven.

Derzeit fehlen in Mutterstadt knapp 100 Kita-Plätze. Doch das ist nur eine Zahl: Eine Familie erzählt, wie nervenaufreibend die Suche nach einem Betreuungsplatz sein kann.

Seit gut drei Jahren leben die Striebingers in Mutterstadt, kurz nach der Geburt ihres ersten Sohns sind sie hierher gezogen. Die Gemeinde gefällt ihnen, sagen sie, zudem arbeitet Tamara Striebinger (33) hier als Gymnasiallehrerin in der Integrierten Gesamtschule (IGS). Als ihr Sohn zwei Jahre alt war, wollten die Striebingers ihn in die Kita schicken. Tamara Striebinger war bereits wieder in ihren Beruf zurückgekehrt. Bis dahin habe die Oma den Sohn betreut. Das war aber gesundheitlich nicht mehr vollumfänglich möglich, berichtet sie.

Damit begann die Odyssee: In allen fünf Mutterstadter Kitas musste der Sohn separat angemeldet werden, das sei ein umständliches Verfahren. „Ich war mir ziemlich sicher, dass ich für mein Kind ein Kita-Platz bekomme, denn ich war ja berufstätig“, sagt sie. Doch es kam keine Rückmeldung von den Einrichtungen. Das Nachfragen sei mitunter mühselig und zeitaufwändig gewesen. Hier wünscht sie sich eine zentrale Anmeldung und Verwaltung bei der Platzvergabe, „auch für mehr Transparenz“. An einem solchen Verfahren arbeitet die Kommune derzeit auch.

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Amt stellet keine schriftliche Absage aus

„Erst nach Wochen hatten wir Gewissheit, dass wir keinen Platz haben, aber eine schriftliche Absage haben wir nicht bekommen“, beklagt sie. Die Familie fand einen Platz bei einer Tagesmutter in Neuhofen. Die Fahrerei sei zwar stressig gewesen, „aber wir waren mit der Betreuung sehr zufrieden“, sagt die zweifache Mutter. Im April 2024, da war ihr Sohn bereits zwei Jahre alt, kam endlich die Zusage für einen Platz in der evangelischen Kita „Arche Kunterbunt“ – jedoch erst für Ende November. Zähneknirschend nahmen die Striebingers das hin. Der Vater nahm für diese Zeit Urlaub, um die Eingewöhnung zu begleiten. „Doch dann bekamen wir im Oktober einen Brief, dass die Eingewöhnungsphase erst in ein bis drei Monaten beginnen könne“, berichtet die 33-jährige Mutter. Als Grund wurde Personalmangel angegeben.

Betreuungstechnisch sei das für die Familie eine Katastrophe gewesen, der Platz bei der Tagesmutter war bereits gekündigt. „Ich dachte wirklich, ich könnte nicht arbeiten gehen“; sagt Tamara Striebinger. Hinnehmen wollte die Familie das nicht, wozu gebe es schließlich den Anspruch auf Kinderbetreuung. Sie forderten vom Jugendamt eine schriftliche Absage, um rechtlich mit einem Widerspruch dagegen vorgehen zu können. Doch diese bekam sie nicht. Die Begründung: Es könne keine Absage schriftlich bestätigt werden, denn das Kind habe ja einen Platz bekommen, der sei nur aufgrund höherer Gewalt derzeit auf unbestimmte Zeit verschoben. Das bestätigt das Jugendamt der Kreisverwaltung auf Nachfrage, teilt aber auch mit, dass es alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um der Familie zu helfen, und auch eine Lösung gefunden worden sei. Wie Tamara Striebinger erläutert, habe die Tagesmutter den Betreuungsvertrag bis Ende Dezember verlängern können, und dann noch einmal bis Ende Januar, weil ein bereits vergebener Platz nicht mehr benötigt worden sei.

Betreuung nicht durchgängig

Dennoch war bis Ende 2024 für die Familie nicht klar, wann ihr Kind in der Kita betreut wird. Darum wollten sie auch ohne schriftliche Absage rechtliche Schritte einleiten: „Ich musste, denn wir sind auf mein Gehalt finanziell angewiesen“, schildert Tamara Striebinger ihre Lage. Ihr Anwalt hatte schon alles vorbereitet, da habe sie die rettende Nachricht vom kirchlichen Träger erhalten. Ab Februar konnte mit der Eingewöhnung in der protestantischen Kita „Himmelsgarten“ begonnen werden.

Doch damit ist das Betreuungsproblem nicht gelöst: Die Betreuungszeiten in der Kita Himmelsgarten sind für die Sieben-Stunden-Plätze nicht durchgehend und ohne Essen, anders als bei der Tagesmutter. „Ich habe bis 13 Uhr Unterricht“, erzählt die Mutter. Das bedeutet, sie sei wieder auf externe Hilfe angewiesen. „Ohne diese Hilfe, könnte ich gar nicht arbeiten gehen“. Derzeit habe sie eine 70-Prozent-Stelle.

Die durchgängige Betreuung sollte schon längst möglich sein, geht es nach dem rheinland-pfälzischen Kita-Zukunftsgesetz, das seit 2021 gilt. In diesem ist ein Anspruch auf eine Betreuung in einer Tageseinrichtung von durchgängig sieben Stunden, inklusive eines Mittagessens, festgeschrieben. Jedoch wird den Einrichtungen eine Übergangsfrist bis 2028 zugestanden. In beiden protestantischen Kitas in Mutterstadt gelingt es dem kirchlichen Träger nicht, für alle Kinder eine Übermittagsbetreuung anzubieten, räumt Jochen Wütscher vom Protestantischen Kindertagesstättenverband ein. Gründe seien bauliche Einschränkungen, hier würden noch Gespräche mit der Gemeinde ausstehen. Hinzu kommt der bundesweite Fachkräftemangel, aufgrund dessen es „trotz intensiver Bemühungen nicht immer gelingt, alle offenen Stellen zu besetzen“, informiert Wütscher. Zudem gebe es krankheitsbedingte Personalausfälle, sodass Betreuungszeiten eingeschränkt oder – wie im Fall von Familie Striebinger – Aufnahmen von Kindern verschoben werden müssen.

Hoffen auf Umzug

Dem Träger sei bewusst, dass all diese Einschränkungen Familien vor große Herausforderungen stellen. Es dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, dass der Träger seiner Aufgabe nicht nachkomme. „Die Mitarbeiter tun, was sie können“, schreibt Wütscher. Doch der Fachkräftemangel und die Zielsetzungen des neuen Kita-Gesetzes würden an vielen Stellen nicht zusammenpassen. Und in Mutterstadt, wo die Betreuungssituation seit Jahren angespannt sei, kämen weitere Themen erschwerend hinzu, wie etwa die noch nicht fertiggestellte Kita auf dem Kindercampus. Man wolle sich aber aktiv für eine Verbesserung einsetzen.

Mittlerweile ist der älteste Sohn der Striebingers in seine Kita-Gruppe eingewöhnt, der jüngste Sohn wird derzeit von einer Tagesmutter betreut. Und das Paar möchte eventuell noch weiteren Nachwuchs. „Der Gedanke, dass wir auf der Suche nach einer Kinderbetreuung das Gleiche wieder mitmachen müssen, ist sehr entmutigend“, sagt Tamara Striebinger. Darum werden sie wohl, wenn alles klappt, nach Schifferstadt ziehen: „Dort werden die Kinder in fast allen Kitas täglich durchgängig sieben Stunden betreut“, sagt sie.

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