Hochdorf-Assenheim
„Ich habe mich nie als Zugezogener gefühlt“
Fremd hat sich Tobias in Assenheim nie gefühlt. „Hier bist du nicht lange der Unbekannte, weil alle Menschen absolut herzlich und offen sind“, sagt er. Der 36-Jährige hat es sich auf einer Bank gemütlich gemacht, etwas außerhalb von Assenheim, zwischen zwei Höfen an einem Feldweg. Hofmann blickt über das weite Feld. Auf der anderen Seite der A65 sieht er seine 3000-Einwohner große Ortsgemeinde Hochdorf-Assenheim, die seit nun fünf Jahren seine Heimat ist.
Es ist kalt an diesem Nachmittag im Januar. Hofmann schenkt sich Kaffee aus seiner Thermoskanne ein, nimmt einen großen Schluck und atmet kräftig durch. „Das tut gut. Hier ist es einfach schön, das ist einer meiner Lieblingsorte in Assenheim“, sagt er. Er sei gerne in der Natur, um sich ein bisschen vom Alltagsstress zu entspannen. Seit vergangenem Oktober ist Tobias Hofmann dritter Beigeordneter der Ortsgemeinde und gestaltet das Dorfleben in der Kommunalpolitik mit. Der Gemeinderat hat ihm das Vertrauen geschenkt – und das, obwohl er noch nicht lange in Hochdorf-Assenheim verwurzelt ist.
Liebe brachte ihn in die Pfalz
Denn Hofmann kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf im hessischen Odenwald, Münschbach bei Rimbach. Doch die Liebe hat den studierten Wirtschaftsingenieur in die Pfalz geführt. Hofmann arbeitet seit mehreren Jahren als Projektentwickler für Enamic in Mannheim. Das ist eine Tochtergesellschaft der MVV, die Energieversorgungsanlagen konzipiert. „Das ist gerade ein sehr spannendes Berufsfeld“, meint er.
In Mannheim hat er 2017 auch seine Frau kennengelernt – über eine Online-Dating-App. „Meine Frau ist tiefste Pfälzerin. Die wollte eigentlich niemanden von der anderen Seite des Rheins haben“, sagt Hofmann und lacht. Das sei auf jeden Fall schiefgegangen. Hier in Assenheim haben sie sich ein Haus gekauft und mittlerweile zwei Kinder. „Wir sind hier so gut aufgenommen worden“, erzählt er.
Bei Nachbars am Küchentisch
Und das von der ersten Minute an. Als sich Hofmann mit seiner Frau zusammen sein späteres Haus angesehen hat, „da haben wir zuvor beim Nachbar geklingelt, um uns ein bisschen darüber zu informieren. Am Ende sind wir beim Nachbarn am Kaffeetisch gelandet, haben Kuchen gegessen und zwei Stunden geschnackt“.
Auch weil er so freundlich aufgenommen wurde, wollte sich Tobias Hofmann direkt im Ort einbringen. „Vom Ehrenamt lebt so ein Dorf natürlich. Gerade die Vereine halten die Dorfgemeinschaft zusammen“, erklärt er. Das schätze er.
Vergangenes Jahr wurde er dann von mehreren Leuten im Dorf angesprochen, ob er sich nicht vorstellen könne, kommunalpolitisch aktiv zu werden. Hofmann konnte. „Ich war schon immer politisch interessiert“, sagt er von sich. Also besuchte er ganz ungezwungen eine Sitzung der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Hochdorf-Assenheim – und ließ sich direkt auf die Liste für die Kommunalwahl schreiben. Seit Anfang 2024 ist er Mitglied bei den Freien Wählern. Bei der Kommunalwahl im Juni verfehlte er nur knapp ein Mandat. „Ich hatte einen hinteren Listenplatz und habe es nicht in den Gemeinderat geschafft.“
Doch sein kommunalpolitisches Interesse hat wohl Eindruck hinterlassen. So fragte ihn Ortsbürgermeister Walter Schmitt (FWG), ob er sich den Posten des dritten Beigeordneten vorstellen könnte. Und auch das konnte er. „Ich hatte einfach Lust, mich in diesen Bereich einzubringen und das Dorf mitzugestalten“, betont Tobias Hofmann. „Und ich habe es bis jetzt noch keine Sekunde bereut.“
Am 8. Oktober wurde er vom Gemeinderat zum Beigeordneten gewählt. Allerdings hat er dort wie in den verschiedenen Ausschüssen kein Stimmrecht. „Aber ich habe im Ortsgemeinderat ein Rederecht und kann meine Anliegen schon auch vorbringen“, erklärt er.
Steckenpferd: Energiethemen
Und es stehe einiges an in den kommenden Monaten und Jahren. Der Ausbau der Kindertagesstätte oder Lösungen für bezahlbaren Wohnraum auf dem Land. Sein Steckenpferd sei berufsbedingt aber das Thema Energie. „Da kenne ich mich einfach aus. Deswegen hat es mich auch so gefreut, dass wir im Ort im November nun eine Ladesäule einweihen konnten“, sagt der 36-Jährige. Das sei gut für die Infrastruktur auf dem Land.
Was ihn an der Kommunalpolitik in seinen ersten Wochen begeistert? „Dass jeder aus seinem persönlichen und beruflichen Leben sein Wissen mitnimmt.“ Er komme aus der Energiebranche, andere Ratsmitglieder seien Landwirte oder Krankenpfleger. „Genau das macht es aus. Mit Pluralismus gemeinsam das Beste für die Gemeinde herausholen“, sagt Hofmann.
Kein Parteigeplänkel
Seine Hauptaufgabe als Beigeordneter sei es, Ortsbürgermeister Schmitt, so gut es geht, zu entlasten. „Wir arbeiten wirklich gut im Team zusammen. Das Schöne ist, dass es kein Parteigeplänkel gibt, sondern alle den Fokus darauf legen, die Gemeinde gemeinsam voranzubringen“, betont Tobias Hofmann. Er habe als Beigeordneter keine festen Geschäftsbereiche, dafür sei die Ortsgemeinde zu klein. „Wir arbeiten einfach alle dem Ortsbürgermeister zu – und zwar da, wo er Hilfe braucht.“
Der Beigeordnete ist froh, hier in Assenheim Wurzeln zu schlagen. „Ich habe mich nie als Zugezogener gefühlt“, betont er. Er mag die offene Art der Pfälzer, und „dass hier fast jede Woche im Umkreis ein Fest ist.“ Und auch die Natur. „Ich fahre sehr gerne mit dem Mountainbike oder jogge. Oft auch an meinem Lieblingsort vorbei“, sagt er. Die Bank habe auch nach der Geburt seiner Tochter vor vier Jahren eine wichtige Rolle eingenommen. Ein Kumpel von Tobias Hofmann, der fast zur gleichen Zeit Papa geworden ist, sei mit ihm hier öfter entlang spaziert. „Wir zwei Väter mit den Kinderwagen haben auf der Bank dann immer eine Halbzeitpause eingelegt“, erzählt er.
Mittlerweile ist Hofmann zweifacher Vater. Sein Sohn ist vergangenen April geboren. „Ich habe heute Nacht vielleicht drei Stunden geschlafen. Aber so ist das halt mit einem Baby“, sagt er – und schenkt sich noch mal einen kräftigen Schluck Kaffee nach. „Das hilft ein bisschen.“ Er ist froh, dass seine Kinder hier in Hochdorf-Assenheim aufwachsen können – und als ihr Papa ihre Zukunft im Ort etwas mitgestalten kann.
Die Serie
Sie sind Spezialisten für ihre Fachbereiche und halten den Bürgermeistern oft den Rücken frei: die Beigeordneten. In der Serie „Auf ein Wort am Lieblingsort“ treffen wir sie abseits von Sitzungssaal, Paragrafen und Vorschriften.