VG Rheinauen
Hochwasserschutz: Bürgerinitiative sieht Handlungsbedarf
Dieter Neugebauer, der mit Dorothee Limburg-Stemmler als Vorsitzender des Vereins agiert, rief im Gespräch mit der RHEINPFALZ noch einmal in Erinnerung, dass die BIHN eine solche Hochwasser- beziehungsweise Evakuierungsübung von Altrip bereits seit zwölf Jahren von Clemens Körner (CDU), dem Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, fordert. Der Kreis ist für den Katastrophenschutz verantwortlich. Zudem weise die Bürgerinitiative seit 34 Jahren auf fehlende Räumungs- und Evakuierungspläne sowie seit zehn Jahren auf das noch nicht ertüchtigte Deichstück zwischen Altrip und Waldsee hin.
Trotz des großen Engagements der bei der Übung eingesetzten Organisationen wie Feuerwehren, Rettungsdienst und THW sieht die BIHN nach Angaben von Neugebauer überall Handlungsbedarf. „Den zu erkennen, ist ja auch Ziel einer Übung“, sagt der Altriper und ergänzt, dass es jetzt für die Verantwortlichen viel zu tun gebe. Er und seine Mitstreiter fordern, dass der Kreis und die Verbandsgemeinde Räumungs- und Evakuierungspläne für Altrip erstellen, Alarm- und Einsatzpläne überarbeiten und das bereits beauftragte Hochwasserschutzkonzept fertigstellen. Dies hatten sowohl der Kreis als auch die Verbandsgemeinde am Samstag nach Übungsende in Aussicht gestellt.
BIHN fordert: Land soll Deich erhöhen
Neugebauer appelliert auch an seine Altriper Mitbürger, beim Hochwasserschutz mitzuwirken. Dafür hält er Transparenz der Behörden für notwendig, damit die Bereitschaft der Bevölkerung wächst, im Ernstfall den Anordnungen von Polizei und Feuerwehr zu folgen. Zudem wünscht sich die BIHN weitere regelmäßige Übungen – auch zu einer Räumung beziehungsweise Evakuierung – und appelliert an die Altriper, sich als Statisten zur Verfügung zu stellen. „Denn auch die Feuerwehr besteht aus Freiwilligen, die sich für uns einsetzen“, macht Neugebauer deutlich.
Er verweist abschließend auf eine Aussage von Hannes Kopf, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, im vergangenen Jahr zum noch nicht ertüchtigten Deichabschnitt bei Altrip. Kopf, dessen Behörde für den Deich zuständig ist, sah keinen Handlungsbedarf seitens des Landes und verwies darauf, dass die Defizite in dem Schutzbauwerk räumlich begrenzt seien und durch gezielte Deichverteidigungsmaßnahmen kompensiert werden könnten. Die Übung habe gezeigt, dass diese Aussage nicht haltbar ist, sagt Neugebauer und fordert mit seinen Mitstreitern erneut, dass der Deichabschnitt ertüchtigt wird.
Das Land hat den Deich an dieser Stelle noch nicht erhöht, weil es dort einen Polder bauen will. Bezüglich dieser Pläne befindet sich die Gemeinde Altrip, unterstützt von der BIHN, seit Jahren mit dem Land in einem Rechtsstreit, der zwischenzeitlich vor den Europäischen Gerichtshof führte. Die Gemeinde ist gegen die angedachte Hochwasserrückhaltefläche im Süden von Altrip, weil bei deren Flutung es nur noch einen Fluchtweg aus der rund 8000-Einwohner-Gemeinde gebe. Laut SGD werden die Antragsunterlagen für das Projekt überarbeitet. Sobald dieses Verfahren abgeschlossen ist, soll das Gerichtsverfahren fortgesetzt werden.