Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Hackerangriff: Langwierige Ermittlungen mit vielen Ansätzen

Den Hackern auf die Spur zu kommen, ist langwierig. Aber das kennen die Ermittler. Resigniert wird deshalb nicht.
Den Hackern auf die Spur zu kommen, ist langwierig. Aber das kennen die Ermittler. Resigniert wird deshalb nicht.

Rund ein halbes Jahr nach dem Hackerangriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises in Ludwigshafen ist im Kreishaus am Europaplatz fast wieder Normalbetrieb möglich. Währenddessen laufen die Untersuchungen der Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz weiter auf Hochtouren. Die Ermittler brauchen dabei aber einen langen Atem.

Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Und im Bezug auf Erfolge bei Ermittlungen nach Hackerangriffen gilt das offenbar erst recht. „Das ist grundsätzlich sehr langwierig“, informiert die Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz, die die Ermittlungen leitet, im RHEINPFALZ-Gespräch. Die Fahndung im Bereich Daten sei generell sehr aufwendig.

Selbstverständlich verfolgen die Ermittler mehrere Ansätze. Welche das genau sind, das wollen sie aus taktischen Gründen nicht preisgeben. Und: „Man weiß bei jedem einzelnen Ansatz am Ende nicht, wohin er führt“, heißt es aus Koblenz. Immerhin: Die Behörden wissen, wer für den Angriff, bei dem nach offiziellen Angaben der Kreisverwaltung rund 100 Gigabyte Daten abgeflossen sind, verantwortlich ist. Eine Gruppe namens Vice Society hat sich zu dem Anschlag bekannt. Einige Tage nach dem Angriff sind die Daten dann im Darknet, einem rechtsfreien Teil des Internets aufgetaucht und dort für jedermann sichtbar.

Mittlerweile hat die Kreisverwaltung in Sachen IT-Sicherheit nachgerüstet und sich unter den Schutzschirm der Firma 8com begeben. Das Neustadter Unternehmen kümmert sich laut Landrat Clemens Körner (CDU) rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr um die Cyber-Sicherheit der Kreisverwaltung. Die neue Netzwerküberwachung kostet den Kreis gut 300.000 Euro pro Jahr. Rund 1,2 Millionen Euro hat der Hackerangriff den Kreis bislang insgesamt gekostet.

Doch auch wenn die Ermittler den Namen der Verbrecher kennen, heißt das noch nicht automatisch, dass sie kurz vor einem Durchbruch stehen. Denn keiner weiß, wo sich die Hacker aufhalten. Und selbst wenn man das herausfinden würde, dann müsste man immer noch die Server mit den entsprechenden Daten ausfindig machen. Es sei oft nicht festzustellen, wo die Daten seien. Häufig sei man bestrebt, an die Provider heranzutreten. Aber auch da gebe es Unterschiede, was den Grad der Bereitschaft zur Kooperation angehe.

Hinzu komme, dass die Hacker nicht gerade mit ihren echten Namen hausieren gehen. Oft werde mit Anonymisierungstools gearbeitet. Das sei ein allgemeines Problem bei Ermittlungen im Internet. Die Ermittler sprechen von einem Katz-und-Maus-Spiel.

Enttäuscht sei man in Koblenz nicht, heißt es von der Generalstaatsanwaltschaft. „Uns ist klar, dass das dauert.“ Zumal in Sachen Internet der Begriff weltweites Netz wörtlich zu nehmen ist. Heißt: Die Behörden müssen hier international operieren. Und die Zusammenarbeit respektive die Kooperationsbereitschaft könne bei Ländern außerhalb der Europäischen Union schon mal variieren. „Es ist einfacher, wenn man mit einer europäischen Ermittlungsanordnung arbeiten kann, als den großen Dienstweg bestreiten zu müssen“, erläutert die Generalstaatsanwaltschaft. Der große Dienstweg kann bedeuten, dass zum Beispiel Botschaften in den anderen Ländern eingeschaltet werden müssen. „Rechtshilfe kann ein mühseliges Geschäft sein.“

Selbstverständlich gibt es ab und an auch Lichtblicke. Zum Beispiel, als zu Beginn des Jahres das Hackernetzwerk Hive zerschlagen wurde. „Es ist immer schön, wenn man Ermittlungserfolge sieht“, heißt es dazu aus Koblenz. Das sei wichtig für den Rechtsfrieden und ein wichtiges Signal an die Bevölkerung. Allerdings weiß man dort auch: „Wir können nicht jeden Fall aufklären.“ Deswegen stelle man aber selbstverständlich nicht die Berufswahl infrage.

Die Erfolgsaussichten ließen sich nur schwer abschätzen, heißt es aus Koblenz weiter. „Es gibt durchaus noch einige Ansätze, denen wir nachgehen“, sagt die Generalstaatsanwaltschaft. Vielleicht führe ja dann das eine zum anderen ... „Es ist alles noch im Fluss.“ Und manchmal brauche man eben auch ein bisschen Glück, zum Beispiel, dass die Täter einen Fehler machen.

Eine Prognose, wie lange es dauern könnte, bis die erlösende Erfolgsmeldung verkündet werden kann, wollen die Koblenzer Ermittler verständlicherweise nicht abgeben. Einen Zeitrahmen habe man sich nicht gesteckt. „Es dauert so lange, wie es dauert.“ Ja, irgendwann verjähre der Straftatbestand. Das hänge von der Schwere der Tat ab. Und dann gebe es ja auch immer noch Ermittlungsaktionen, die eine Verjährung unterbrechen können. „Im Moment sind wir von der Verjährung aber noch weit entfernt.“

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