Rhein-Pfalz-Kreis
Hackerangriff: Ermittlungen dauern an
Zur Zeit rund um die Weihnachtsfeiertage ist man gewöhnlich eher geneigt, daran zu glauben, dass es Wunder gibt. Ein solches Weihnachtswunder ist den Ermittlern bei der Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz, die den Hackerangriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises untersuchen und dessen Verursacher dingfest machen wollen, leider nicht beschieden. Mario Mannweiler, Leitender Oberstaatsanwalt und als solcher Vertreter des Generalstaatsanwalts, lässt allerdings durchblicken, dass das auch nicht überraschend kommt. „Es wäre ungewöhnlich gewesen, wenn wir in dem Fall zu einem schnellen Erfolg gekommen wären“, sagt der Jurist im RHEINPFALZ-Gespräch.
Angriff mit Schadsoftware
Im Oktober hat die Hackergruppe Vice Society die Kreisverwaltung per Schadsoftware attackiert. Nach offiziellen Angaben wurden 100 Gigabyte Daten heruntergeladen, bevor der sprichwörtliche Stecker gezogen wurde. Noch viel einschneidender: Die Daten der Kreisverwaltung wurden verschlüsselt. Seitdem sind große Teile der Verwaltung lahmgelegt. Stück für Stück kämpft sich das Personal am Ludwigshafener Europaplatz zurück in die berufliche Normalität.
Im November sind die geklauten Daten dann schließlich im Darknet, einem gesonderten und rechtsfreien Raum des Internets, veröffentlicht worden. Es sind Daten aus mehreren Bereichen der Kreisverwaltung – Ordner mit Passwörtern, Daten des Gesundheitsamts, E-Mail-Konten, Daten zur Zensusbefragung. Auch eine Lösegeldforderung hat es gegeben. Doch gezahlt hat die Kreisverwaltung nicht.
Mittlerweile sind schon etliche Kreisbewohner darüber informiert worden, dass ihre Daten im Darknet veröffentlicht wurden. Das ist ganz klassisch geschehen, wie die Kreisverwaltung informiert – per Brief. Bis Ende Dezember wollte die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben alle Daten gesichtet und ausgewertet haben. Als eine Folge des Hackerangriffs hat Landrat Clemens Körner (CDU) seine persönlichen Dokumente sperren lassen. Hier habe der Verdacht des Identitätsdiebstahls im Raum gestanden.
Ermittlungen ziehen sich hin
Die Ermittler sind der Generalstaatsanwaltschaft zufolge dabei, die Spur zu den Hackern rückwärts zu verfolgen. Heißt: Sie müssen den Datenfluss zurückverfolgen, im Optimalfall bis hin zu der Person oder den Personen, die hinter der Vice Society stecken. „Wir müssen erst mal die Absender ermitteln“, sagt Mannweiler. Aber das ist eben nicht so einfach. „Die Viren laufen im Netz über Server. Und es ist gut möglich, dass der Betreiber der Server davon gar nichts weiß.“ Und das dauert, wie Mario Mannweiler berichtet. „Es sind Dinge, die ziehen sich hin.“
Dazu gehören auch Kontaktaufnahme und Kommunikation mit anderen Behörden. „In Deutschland sind auch andere Behörden involviert“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt. Landes- und Bundeskriminalamt seien da Ansprechpartner. Selbstverständlich tausche man sich regelmäßig mit anderen Ermittlungsbehörden aus. Denn, und das ist auch klar: „Die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises ist, was Hackerangriffe angeht, leider nicht die einzige Behörde, die betroffen ist“, erläutert der Jurist.
Und auch im Ausland hat die Koblenzer Generalstaatsanwaltschaft bereits um Unterstützung, sprich: Amtshilfe, gebeten. Man hoffe, dass man da weiterkomme, meint Mannweiler. „Aber es gibt eben auch einige Länder, mit denen wir nicht in der Weise kooperieren, wie wir das zum Beispiel mit den Niederlanden oder Belgien tun.“
Man glaubt es Mario Mannweiler, wenn er sagt: „Es ist leider noch kein Silberstreif am Horizont zu sehen. Glauben Sie mir, ich würde ihn gerne verkünden.“ Es klingt durch zwischen den Zeilen: Ein Erfolgserlebnis gegen eine international operierende Hackerbande würde den Ermittlern gut tun. „Aber leider können wir noch nicht sagen, dass es zum Beispiel zehn Hacker aus fünf Ländern sind. Das würden wir gerne tun, ohne jeden Zweifel.“ Aber so müssen die Ermittler weiter warten. Und wenn man Mario Mannweiler reden hört, erhärtet sich der Eindruck, dass sich die Ermittlungen noch weiter hinziehen. Aber Wunder soll es ja auch schon mal außerhalb der Weihnachtszeit gegeben haben.