Bobenheim-Roxheim
Frosta zeigt sich krisenfest und will klimaneutral werden
Laut Werkleiter Florian Schwarzkopf läuft es gerade an seinem Standort. Seit 2021 ist er für das Frosta Werk Bobenheim-Roxheim, das früher unter dem Namen Rheintal Tiefkühlkost bekannt war, in der Pfalz verantwortlich. Schwarzkopf beaufsichtigt hier für den Produzenten von Tiefkühlgemüse und -fertiggerichten, für die Frosta AG, die Verarbeitung von in der Region angebauten Kräutern sowie von Spinat und anderem Gemüse.
Wie auch der Mutterkonzern, habe das pfälzische Werk von der durch Lockdowns gestiegenen Nachfrage in der Corona-Zeit profitiert. Der konzernweite Gewinn stieg 2021 um 14 Prozent auf 28,6 Millionen Euro. Im Jahr darauf sank der Gewinn wiederum auf 24,3 Millionen Euro. Im Geschäftsbericht 2022 heißt es, dass die Umsätze des Einzelhandels im deutschen Tiefkühlkostmarkt für Fisch, Gemüse und Gerichte sich sowohl in der Menge als auch im Wert leicht rückläufig entwickelt hätten, sich die Marke Frosta im vergangenen Jahr aber „stärker als der Markt mit 3,5 Prozent in der Menge und 8,1 Prozent im Wert“ entwickelt habe. Den Umsatz konnte der Tiefkühlproduzent in diesem Zeitraum von 527 auf 579 Millionen Euro steigern. 2022 ist laut Geschäftsbericht vor allem die wieder anlaufende Gastronomie der Treiber für die guten Zahlen gewesen, wohingegen es im Tiefkühlbereich „aufgrund des normalisierten Kundenverhaltens“ leichte Rückgänge gegeben hatte. Schwarzkopf ordnet das im Gespräch mit der RHEINPFALZ als eine coronabedingte kurzfristig hohe Nachfrage ein.
Speziell auf das Werk in Bobenheim-Roxheim zugeschnittene Zahlen verspricht er zwar auf Anfrage, reicht diese aber nicht nach. Inzwischen laufe die Produktion bei ihm wieder auf einem normaleren Niveau, wachse über einen längeren Zeitraum betrachtet aber weiter. Dem Werkleiter zufolge verzeichnet das Unternehmen mit Sitz in Bremerhaven etwa seit zwei Dekaden ein jährliches Wachstum. Der gesellschaftliche Trend zu einer bewussten Ernährung spiele dabei eine Rolle, wie auch selbst entwickelte, nachhaltigere Verpackungen.
Krisenmodus bewährt sich auch im Kriegsjahr
Das Bobenheim-Roxheimer Werk produziert unter anderem Tiefkühlspinat für den gesamten deutschen Raum. 14 verschiedene Arten werden Schwarzkopf zufolge auf den Feldern im Umkreis des Standorts angebaut. Jedes Jahr kämen drei bis vier neue Sorten dazu, dafür verschwänden andere wieder. Mit Blick auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen sei Hitzetoleranz eines der wichtigen Kriterien bei der Auswahl.
Doch es sei vor allen Dingen das Geschäft mit tiefgekühlten Kräutern, das bei Frosta in der Industriestraße gedeiht, wie Werkleiter Schwarzkopf mit Verweis auf gestiegene Marktanteile berichtet, aber auch hier Zahlen schuldig bleibt. Die Pfalz sei für den Anbau von Kräutern wie Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Kerbel besonders gut geeignet. Unabhängig von den guten klimatischen Bedingungen sei auch die geografische Lage des Bobenheim-Roxheimer Standorts für Frosta nach wie vor attraktiv – Schwarzkopf spricht sogar von einer unheimlich guten Lage. Er bezieht sich damit auf die vorhandene Infrastruktur sowie die Anbindung an Autobahnen, Wasserwege und den Schienenverkehr. Die Mischung aus Industrie und Landwirtschaft direkt vor der Tür sei das Besondere.
Nicht nur Corona, sondern auch der Ukraine-Krieg und die gestiegenen Energiekosten scheinen von Frosta in der Pfalz bislang gut gemeistert worden zu sein, glaubt man Schwarzkopf. Weil die Belegschaft aufgrund der Pandemie bereits krisenerprobt gewesen sei, habe man auch auf unterbrochene Lieferketten infolge des russischen Angriffskriegs schnell reagieren können. Sein Werk sei sowohl zu Pandemiezeiten als auch nach Kriegsausbruch zu jederzeit lieferfähig gewesen – und die Bestände seien entsprechend gut verwaltet worden. Mithilfe eines veränderten Schichtsystems, etwa über zusätzliche Arbeitsphasen an Samstagen, sei die Produktion vorgezogen worden.
Die Mitarbeiteranzahl schwanke am Standort um die 150. Dem Geschäftsbericht zufolge waren es 2022 noch 139 Mitarbeiter – 16 weniger als im Jahr davor. Mangel gebe es derzeit bei den Ausbildungsstellen. Stand April seien noch vier Azubi-Stellen unbesetzt gewesen.
Kein Windrad geplant, aber mehr Fotovoltaik
Schwarzkopf, der aus Nordrhein-Westfalen stammende Familienvater lobt seine Belegschaft dafür, wie sie mit den vergangenen Krisen umgegangen sei. Er spricht von einer Wohlfühlkultur, wenn er über das Bobenheim-Roxheimer Werk und seine Angestellten redet, und zeigt sich erfreut von der erst im vergangenen Jahr eingeführten Duz-Kultur im gesamten Frosta-Konzern. Die seiner Meinung nach gute Atmosphäre führt er auch darauf zurück, dass man Entscheidungen gemeinschaftlich treffe. Er müsse als Leiter weniger von oben herab anordnen, wenn Mitarbeiter bereits zuvor oft eingebunden würden. Als konkretes Beispiel nennt er das Thema Energiesparen, bei dem seine Angestellten selbst mitgedacht hätten.
Bereits vor den im vergangenen Jahr explodierten Energiekosten habe es an seinem Standort ein fünfköpfiges Energieteam gegeben. In Schwarzkopfs eigenem Büro brenne seit vergangenem Jahr an der Decke nur noch eine einzige Lampe, direkt über dem Schreibtisch. Der Konzern hat es sich laut Schwarzkopf zum Ziel gesetzt, in der Zukunft CO2-neutral zu produzieren. Gas als Energieträger soll auch im Werk Rheintal langfristig ersetzt werden. Geht es nach Schwarzkopfs Vorstellungen, würde der Standort irgendwann nur mit Solarenergie und Wasserstoff versorgt werden. Ist
Letztgenannter noch Zukunftsmusik, so sei das Werk zumindest auf Tuchfühlung beim Bürgermeister gegangen, um weitere Fotovoltaik-Anlagen zu installieren. Ein eigenes Windrad auf dem Betriebsgelände, wie es der Frosta-Standort in Bremerhaven realisiert hat, schließt Schwarzkopf aber schon aus Platzgründen aus.
