Bobenheim-Roxheim
Warnstreik bei Frosta: Frühschicht steht still
Von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr morgens wollten rund 40 Beschäftigte der Frühschicht den Betrieb im pfälzischen Frosta-Werk einfrieren. „Das ist der erste Warnstreik in dieser Tarifrunde und das erste Signal in Richtung Arbeitgeber“, erklärt Holger Winkow, Geschäftsführer der NGG-Region Pfalz auf RHEINPFALZ-Anfrage. Weil es sich um ein erstes Signal handele, werde zunächst auch nur für ein paar Stunden gestreikt.
Winkow geht davon aus, dass in diesem Zeitraum auch Landwirte keine Ware vor Ort abladen können und die übliche Produktion erst am späten Vormittag wieder anlaufen könne. „Der Betrieb wird wohl bis Streikende komplett stehen“, sagt Winkow und ergänzt: „Die Vorbereitungsarbeiten nehmen Zeit in Anspruch, die Produktion kann daher erst entsprechend später anlaufen.“
Winkow: „Das ist eine Reallohnsenkung“
In den bisherigen Tarifverhandlungen, die die NGG für mehrere Betriebe in Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland führt, habe die Arbeitgeberseite eine Erhöhung der Tarifentgelte von 160 Euro (5,4 Prozent) ob Oktober 2023 und 50 Euro (1,6 Prozent) ab April 2024 angeboten. Für den Zeitraum Mai bis September 2023 seien keine Erhöhungen angeboten worden. Für NGG sei das zu wenig. „Das Angebot der Arbeitgeber ist umso unverständlicher, weil auch sie wissen, dass die Beschäftigten durch die immensen Preissteigerungen, nicht zuletzt für Lebensmittel, eine angemessene Entgelterhöhung brauchen, um die Existenz ihrer Familien zu sichern“, so Winkow in einer Presseerklärung.
Statt ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, würde die Arbeitgeberseite ein Angebot unterbreiten, das aufgrund der hohen Inflation einer Reallohnsenkung gleichkomme, argumentiert der Gewerkschaftsvertreter. Der Entgelttarifvertrag, der auch für die Niehoffs Vaihinger Fruchtsaft GmbH und weitere Betriebe außerhalb der Pfalz gelte, sei von der NGG-Tarifkommission bereits zum 30. April 2023 gekündigt worden. Seitdem hatte es Verhandlungen Anfang Mai und Anfang Juni gegeben. Die Kommission fordert eine Erhöhung der Entgelte um 11 Prozent und Ausbildungsvergütungen von etwa 200 Euro in einem Anschlusstarifvertrag mit einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Weitere Streiks möglich
Besonders kritisch sieht Winkow, dass es bei dem Angebot der Arbeitgeberseite für die ersten fünf Monate bis September zu gar keinen Entgelterhöhungen kommen würde. „Die Arbeitnehmer sind jetzt schon an ihre Ersparnisse gegangen, um ihre Stromkosten zu zahlen“, so Winkow. Weitere Streiks bis zum nächsten Verhandlungstermin am 14. Juli, auch in den anderen Betrieben, die in dem aktuell verhandelten Tarifvertrag sind, schließt der NGG-Geschäftsführer Region Pfalz nicht aus.
Auch bei der Laufzeit des aktuell verhandelten Vertrags sind sich die Beteiligten NGG-Angaben zufolge uneinig. Während die Gewerkschaft nach zwölf Monaten erneut verhandeln möchte, habe die Arbeitgeberseite eine Laufzeit von 20 Monaten angeboten.
