Bobenheim-Roxheim
Fluglärm: Bürger und Bürgermeister machen Druck
Paul Calmes hat mehr als 450 Namen auf seiner Liste stehen. „Und es könnten noch viel, viel mehr sein“, sagt er. Er hat die Sammlung jetzt aber beendet, weil er sie am Mittwochabend vor der Hauptausschusssitzung dem Bobenheim-Roxheimer Bürgermeister ausgehändigt hat, der damit auf die Wormser Flugplatz GmbH einwirken soll. Calmes und seine Unterstützer fordern, dass die vom Flugplatz der Stadt ausgehenden Belästigungen umgehend reduziert werden.
Einen ähnlichen Auftrag hat Michael Müller (SPD) von allen Ausschussmitgliedern bekommen, nachdem die sozialdemokratische Gemeinderatsfraktion in einem Antrag die Verlegung der Platzrunde verlangte. Darunter versteht man auf unkontrollierten Flugplätzen das standardisierte An- und Abflugverfahren für Flüge nach Sichtflugregeln. Der auf einer Karte der Deutschen Flugsicherung markierte Weg und die Flughöhe über Bobenheim-Roxheim würden von den Piloten und Flugschülern häufig nicht eingehalten. Außerdem habe die Anzahl der Flüge zuletzt stark zugenommen. Das bedeute nicht nur mehr Motorenlärm, sondern auch ein höheres Sicherheitsrisiko, heißt es in dem SPD-Antrag.
Bürger fordern Sofortmaßnahmen
Paul Calmes, der sich mit dem Thema im Frühjahr schon an die RHEINPFALZ gewandt hat, spricht von 30 bis 40 Überflügen in der Stunde, und zwar von morgens bis abends an Werk-, Sonn- und Feiertagen. „Durch diesen Fluglärm ist die Lebensqualität stark beeinträchtigt“, so Calmes. Er verlangt als Sofortmaßnahme die Reduzierung des Flugverkehrs und ein Flugverbot während der gesetzlich festgelegten Mittagsruhe sowie an Sonn- und Feiertagen. Langfristig aber müsse die Platzrunde nach Norden, also nach Worms verlegt werden, sie dürfe nicht mehr über bebautes Gebiet führen.
Bislang seien Forderungen und Beschwerden von der Betreiber-GmbH und der Stadt Worms teils rüde abgewiesen beziehungsweise ignoriert worden, berichteten mehrere Bürger. Frank Unvericht, der Leiter des Bobenheim-Roxheimer Fachbereichs Bürgerdienste, sagte in der Ausschusssitzung, er habe schon unzählige Gespräche mit der Stadt Worms geführt, „seit 2016 aber wird man einfach ignoriert“.
Gegenüber der RHEINPFALZ hatte die Stadtverwaltung im Mai gesagt, dass am Wormser Flugplatz mittlerweile zwei Pilotenausbildungsbetriebe und fünf Luftsportvereine ansässig seien. Die Platzrunde sei so ausgelegt, dass 16 Überflüge in 30 Minuten möglich und erlaubt seien.
Bote überbringt Kündigung
Um endlich wieder mit der Flugplatz GmbH ins Gespräch zu kommen, setzt Bürgermeister Müller auf ein drastisches Mittel: Mit einhelliger Zustimmung des Hauptausschusses hat er am Donnerstag dem Unternehmen durch einen Boten die Kündigung eines Mietvertrags zukommen lassen. Wesentliche Teile des Flugplatzgeländes gehören nämlich der Gemeinde, und wenn der dafür existierende Mietvertrag aufgelöst werde, so Müllers Gedanke, stehe der gesamte Flugbetrieb infrage. „Ich werde sicher nicht am 1. Januar meinen Schreibtisch dort hinstellen“, sagte der Bürgermeister am Mittwoch. „Die Kündigung soll vielmehr Verhandlungen mit der Flugplatzbetreiberin in Gang setzen.“ Laut Vertrag musste die Kündigung spätestens am 30. September ausgesprochen werden, um einer Verlängerung um ein Jahr zuvorzukommen. Deshalb wurde der Hauptausschuss früher als geplant einberufen.
Treffen mit Leiter der Fachgruppe Flugverkehr
Wie am Rande der Sitzung zu hören war, soll am 15. November ein vom SPD-Landtagsabgeordneten Martin Haller arrangiertes Treffen mit dem Leiter der beim Landesbetrieb Mobilität angesiedelten Fachgruppe Luftverkehr stattfinden. Auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte Haller, dabei gehe es darum, eine auf Fakten basierte Gesprächsgrundlage für den weiteren Umgang mit dem komplexen Thema zu schaffen. Unter anderem soll deutlich werden, welche Vorgaben der Deutschen Flugsicherung eventuell gar nicht verhandelbar sind. In einer Kleinen Anfrage hat Haller zudem die Landesregierung um Informationen gebeten. Unter anderem will er wissen, welche gesetzlichen Regelungen für Platzrunden gelten und ob sie aus Lärmschutzgründen verlegt werden können.