Lambsheim / Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Flüchtlingshilfe befürchtet Rausschmiss durch Abwasserverband als Vermieter

Ein Notstromaggregat behindert den Eingang zum Schuhlager der Kleiderstube. Der Kabelsalat am Boden ist inzwischen unter einem H
Ein Notstromaggregat behindert den Eingang zum Schuhlager der Kleiderstube. Der Kabelsalat am Boden ist inzwischen unter einem Holzsteg verschwunden.

Ist es ein Affront gegen ehrenamtliches Engagement oder nur ein Sturm im Wasserglas? In der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ärgert man sich über einen Riesenapparat direkt vor einer Tür der Kleiderstube und über die Ankündigung, dass eventuell der Mietvertrag gekündigt wird. Verursacht hat den Ärger der Abwasserzweckverband Lambsheim.

„Ich war stinksauer. Da hätte man uns doch einfach mal vorwarnen können“, sagt Edgar Hiersekorn, der Leiter der Kleiderstube „Zweimal schön“. Als er Ende Juni auf das vom Abwasserverband (AVL) Lambsheim gepachtete Gelände im Maulbeerweg (Auf der Au) kam, stand ein großer Container vor dem Eingang zum Schuhraum. Die Tür ließ sich zwar öffnen, aber beim Anblick der vielen dicken Stromkabel auf dem Boden war Hiersekorn klar: Da würde er keinen der Kleiderstubenkunden einfach so drüber laufen lassen.

Weil die Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim Betreiber des für Einkommensschwache (auch aus Maxdorf) gedachten Gebrauchtkleiderlagers und Mieter des ehemaligen Betriebsgebäudes der Lambsheimer Kläranlage ist, verständigte Edgar Hiersekorn die Abteilung Bürgerdienste und die wiederum wandte sich an den AVL.

Notstrom muss immer verfügbar sein

Dessen Erklärung klingt plausibel, auch wenn nicht einleuchten will, warum man die VG als Mieter nicht vorher informiert hatte. „Uns ist das Notstromaggregat kaputt gegangen, und wir brauchten auf die Schnelle einen Ersatz“, berichtet Verbandsvorsteher Paul Poje, Bürgermeister der VG Maxdorf (CDU). Bis die Fünf-Tonnen-Maschine repariert sei, benutze der AVL ein Mietgerät, das nur an dieser Stelle vor der Schuhausgabe habe platziert werden können. „Wenn es bei einem Unwetter mit Starkregen einen Stromausfall gibt, muss das Notfallgerät die Pumpen betreiben, sonst läuft der Kanal über, und Lambsheim und Maxdorf würden absaufen“, so Poje.

Der Schuhraum sei zugänglich und der Haupteingang nicht betroffen, versichert der Zweckverbandsvorsteher, und mittlerweile habe man über den Kabelsalat einen Holzübergang gebaut. Poje: „Unser Technischer Betriebsleiter wusste nicht, dass die Kleiderstube am 14. Juli wieder öffnen will.“

AVL könnte Eigenbedarf anmelden

Im Austausch mit dem Kläranlagenchef wegen des Containers hat die VG-Verwaltung allerdings etwas erfahren, das Bürgermeister Michael Reith (SPD) und die Ehrenamtlichen in noch größere Sorge versetzt hat: Der AVL könnte schon diesen Herbst den Mietvertrag wegen Eigenbedarf kündigen. Dann bräuchten Kleiderstube und Fahrradwerkstatt ganz schnell eine neue Bleibe, und auch der Unterrichtsraum für Flüchtlinge müsste woanders eingerichtet werde. „Dagegen werde ich mich mit Händen und Füßen wehren“, kündigt Michael Reith an. Für ihn war es im Oktober 2016 eine große Erleichterung, dass die Ehrenamtlichen aus der stillgelegten Lambsheimer Freibad-Cafeteria auf das ehemalige Kläranlagengelände umziehen konnten.

„Damals hieß es, für den AVL sei es wichtig, dort einen verlässlichen Partner zu haben“, erinnert sich der VG-Bürgermeister. Der Pachtvertrag laufe über fünf Jahre bis 31. Dezember 2021 und verlängere sich um ein weiteres Jahr, wenn er nicht ein Jahr vor Ablauf frist- und formgerecht gekündigt werde. Außerdem lägen keine Gründe für ein außerordentliches Kündigungsrecht vor.

Auf RHEINPFALZ-Anfrage relativiert Paul Poje die ziemlich verbindlich und knallhart wirkenden Aussagen des Betriebsleiters. Ja, es sei richtig, dass der AVL aus Zuschussgründen den Strom, der bald mit der neuen Kläranlagentechnik erzeugt werde, selbst verbrauchen müsse. Und ja, es könne sein, dass die verpachtete Immobilie dann benötigt werde. „Aber wenn überhaupt würde das frühestens 2022 zum Tragen kommen“, so Poje.

In die Kleiderstube sind Spenden geflossen

Der Betriebsleiter habe sehr früh schon warnen wollen, begegnet der Verbandsvorsteher dem Vorwurf Reiths, dass der AVL längst das Gespräch mit der VG hätte suchen müssen. Schließlich bilde Lambsheim-Heßheim gemeinsam mit der VG Maxdorf den Zweckverband, und die Hilfseinrichtungen im Maulbeerweg dienten Menschen aus beiden Verbandsgemeinden. Reith weist außerdem darauf hin, dass erst vor knapp vier Jahren fast 10.000 Euro an zweckgebundenen Spenden in die Kleiderstube und die Sprachförderung dort geflossen seien.

„Da gibt es ein erhebliches Kommunikationsproblem“, meint Edgar Hiersekorn. Er weiß nicht so recht, was er von all dem halten soll und ob er einen Zusammenhang mit den jüngsten Geschehnissen in der Flüchtlingsbetreuung der Nachbarverbandsgemeinde sehen soll. Dort ist Mitte Juni der gesamte Vorstand der Bürgerinitiative Netzwerk Hilfe, dem die Lambsheimer Kleiderstube angehört, zurückgetreten. Der Grund laut Netzwerk: mangelnde Wertschätzung dieser Arbeit durch VG-Bürgermeister Paul Poje.

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