Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Für mehr Strom: Amprion plant Großprojekt

Die Start- und Landebahn der beiden Segelflugvereine auf dem Fluplatz Dannstadt. Auf den Ackerflächen dahinter möchte die Amprio
Die Start- und Landebahn der beiden Segelflugvereine auf dem Fluplatz Dannstadt. Auf den Ackerflächen dahinter möchte die Amprion GmbH ihr neues Umspannwerk bauen.

Der Netzbetreiber Amprion baut derzeit eine Höchstspannungsleitung aus. Teil des Projekts ist ein neues Umspannwerk in Dannstadt-Schauernheim. Die Pläne dafür hat das Unternehmen nun örtlichen Politikern erläutert.

Die angestrebte Energiewende kann nur gelingen, wenn die deutschen Stromnetze massiv ausgebaut werden. Denn sie müssen künftig deutlich größere Mengen an Strom über viel längere Strecken transportieren können – zum Beispiel von Windkraftanlagen in der Nordsee bis zu Industrieanlagen an den Alpen. Dazu baut die Amprion GmbH als einer der größten Übertragungsnetzbetreiber der Republik unter anderem die Höchststromleitung von Bürstadt in Hessen bis nach Kühmoos in Baden-Württemberg von 220 auf 380 Kilovolt aus. Dabei müssen auch Umspannwerke entsprechend ertüchtigt werden.

Das gilt prinzipiell auch für die bestehende Anlage auf dem Gelände der Pfalzwerke AG in Mutterstadt. „Sie wird den Anforderungen der Energiewende nicht mehr gerecht“, erklärte Amprion-Mitarbeiterin Janina Heidl nun den Vertretern von CDU, FDP, Grünen und SPD im Dannstadt-Schauernheimer Ortsgemeinderat. Doch für den nötigen Ausbau fehlt dort der Platz. Deshalb hat das Unternehmen schon vor Jahren mit der Suche nach einem neuen Standort in der Nähe begonnen und eine geeignete, rund sieben Hektar große Fläche auf Dannstadt-Schauernheimer Gemarkung gefunden: östlich der A61-Raststätte, nordwestlich der Start- und Landebahn des Segelflugplatzes, südlich der Firma Zeller. Dass die Kommune dieses Gelände zur Verfügung stellt, hat der Rat bereits im Januar 2019 entschieden. Die Landwirtschaft beklagte damals den erheblichen Verlust von Ackerfläche, doch die Mehrheit der Politiker verwies auf die übergeordnete Bedeutung und Wichtigkeit des Netzausbaus.

Mit Eigentümern verhandelt

Seitdem hat Amprion mit den Eigentümern der verschiedenen Grundstücke verhandelt, um diese zu kaufen. „Diese Verhandlungen sind inzwischen abgeschlossen, die Verträge unterzeichnet“, berichtete Mitarbeiterin Katharina Kisters. Lediglich mit einem Eigentümer sei keine Einigung zustande gekommen. Da dessen Ackerstreifen aber fast am Rand des ausgewählten Areals liegt, könne die Planung weitergehen.

„Allerdings wird die Anlage sehr kompakt, da sie geradeso auf die erworbene Fläche passt“, räumte ihr Kollege Jonas Laudage ein. Ihm zufolge hat Amprion als Teil der Vorbereitungen das Gelände von Biologen überprüfen lassen. Die seien ein Jahr lang alle vier bis sechs Wochen vor Ort gekommen, hätten aber keine geschützten oder gefährdeten Arten entdeckt. „Haben Sie auch Vogelsichtungsportale berücksichtigt?“, hakte Marc Hauck (FDP) nach. Damit spielte er auf Vorkommen der Haubenlerche im geplanten Neubaugebiet „In den Kratzbügen“ an. Die hatten Vogelkundler dort entdeckt, weshalb die Kommune das Projekt für ein ausführlicheres Gutachten bis auf Weiteres stoppen musste – obwohl ihr Experten in einem vorigen Gutachten bescheinigt hatten, dass es dort keine Populationen gebe.

Thomas Keck (CDU) ergänzte – „und da mögen einige jetzt vielleicht lachen“ –, in der Gegend, wo das Umspannwerk hin soll, seien Turteltauben gemeldet worden, eine ebenfalls gefährdete Vogelart. „Der Natur- und Artenschutz macht uns insgesamt tatsächlich die größten Probleme“, bestätigte Laudage, dass diese Hinweise berechtigt seien. Nicht zuletzt bezüglich der Ausgleichsflächen, die das Unternehmen für solche Bauvorhaben schaffen muss. Die im Areal vorkommenden Bestände seien jedoch anhand der Nester erfasst worden, und die beauftragten Biologen hätten keine Nester bedrohter Arten gefunden.

Zurück zum Umspannwerk: Das soll neun 220-Kilovolt- und neun 380-Kilovolt-Schaltfelder, zwei 600-Megavoltampere-Transformatoren, drei Sammelschienen, eine Umgehungsschiene, Betriebsgebäude und Garagen sowie weitere erforderliche Infrastruktur umfassen. Herausfordernd wird laut Laudage der Transport der beiden Trafos, von denen jeder 400 Tonnen wiegt. Das entspricht ungefähr dem Startgewicht eines Boeing 747 Jumbo-Jets. Sie sollen über die L524 und den Wirtschaftsweg „In der Hartkirch“ angeliefert werden. „Den Weg müssen wir dafür natürlich ausbauen“, sagte er. Ob dieser bevorzugte Transportweg funktioniert, werde noch geprüft. Als Alternative werde daneben eine Route über Dannstadt-Schauernheimer Gemarkung in Erwägung gezogen und untersucht: über die L454 und den Wirtschaftsweg „Unterer Wiesengraben“. Darüber hinaus werde die Feuerwehrzufahrt zu dem Standort begutachtet und gegebenenfalls ausgebaut. Die Strecke hierfür würde unter anderem über die A61-Brücke führen, die vornehmlich Landwirte nutzen.

Elmar Burkhardt (CDU) erkundigte sich nach dem Lärmschutz, da diese Trafos auch ein gewisses Betriebsgeräusch verursachten. „Das stimmt. Die Emission eines Trafos beträgt um die 95 Dezibel“, erklärte Laudage. Allerdings entstehe das Umspannwerk weit außerhalb der Ortslage, und Amprion lasse das Ganze vom Tüv prüfen und ein Lärmgutachten erstellen. „Wenn nötig, hausen wir die Trafos ein“, beruhigte er.

Auf Segelflieger achten

Da der Konzern nicht nur ein neues Umspannwerk baut, sondern bei Bedarf auch die Hochspannungsleitungen austauscht und Masten ersetzt, vergewisserte sich Gerlinde Braun (SPD), dass Amprion die Flugschneise der Segelflieger berücksichtigt. Auch hier beruhigte Laudage: „An der Trasse gibt es nur wenige Änderungen.“ Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) ließ trotzdem nicht locker: „Haben Sie schon mit den Segelflugvereinen gesprochen?“ Deren Flugbetrieb dürfe auf keinen Fall beeinträchtigt werden. Darauf hatte bereits ihr Vorgänger Bernd Fey (CDU) gedrungen, und der Rat hatte vor vier Jahren das Unternehmen verpflichtet, das Projekt mit den Segelfliegern abzustimmen. Bislang habe es noch keine Gespräche gegeben, gestanden die drei Amprion-Vertreter. Die Segelflieger würden von den Vorhaben aber nicht beeinträchtigt.

Als nächste Schritte nannte Laudage die Detail-, Höhen-, Entwässerungs- und landespflegerische Begleitplanung. Darüber hinaus seien Bodengutachten, Lautstärke- und EMF-Prognosen nötig. Letzteres steht für elektromagnetische Felder. Läuft alles nach Plan, wolle Amprion im Herbst 2023 in die Genehmigungsphase gehen. „Wir rechnen mit dem Baubeginn im zweiten Quartal 2024 und der Inbetriebnahme des neuen Umspannwerks Mitte 2027“, erklärte Laudage. Ende 2027 solle dann der Rückbau der alten Anlage in Mutterstadt starten.

Amprion

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat seinen Sitz in Dortmund und beschäftigt rund 2200 Mitarbeiter. Amprion ist nach eigenen Angaben für 11.000 Kilometer Höchstspannungsnetz verantwortlich und versorgt 29 Millionen Menschen mit Strom.

Termin

Am Dienstag, 25. April, 17 bis 19 Uhr, präsentiert Amprion sich und das Projekt im Zentrum Alte Schule in Dannstadt-Schauernheim. Es wird verschiedene Info-Stände sowie die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.

x