Dannstadt-Schauerheim
Hält die Gemeinde am Neubaugebiet fest?
Bei dem Gelände „In den Kratzbügen“ handelt es sich um den nördlichen Teil des ursprünglich viel größer angedachten Neubaugebiets „Zwischen Böhler Straße und Hauptstraße“. Dieser Rest erschien zwischenzeitlich als der einzige noch realistisch umsetzbare. Doch nun werden die Zweifel auch daran größer. Denn inzwischen ist hier die Haubenlerche festgestellt worden, eine vom Aussterben bedrohte und daher streng geschützte Vogelart.
Über das schon angefertigte Artenschutzgutachten hinaus fordern die Genehmigungsbehörden von der Ortsgemeinde deshalb ein spezielles Artenschutzgutachten. „Dabei wird ermittelt, ob die Haubenlerche dort über zwei Jahre brütet. So lange wird das Gutachten dann auch dauern“, erläuterte CDU-Ratsmitglied Thomas Keck. Diese zusätzliche Untersuchung sollen Experten übernehmen, die auf diese Art von Gutachten zu dieser Vogelart spezialisiert sind. Was das kosten wird, ist derzeit nicht bekannt.
Aus diesem Grund schlug Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) vor, Angebote von drei geeigneten Fachbüros einzuholen und deren Offerten in einer gemeinsamen Sitzung des Bauausschusses sowie des Haupt- und Finanzausschusses intensiv zu beraten. „Es geht um die Kosten. Wir müssen das richtig gut durchdenken“, erklärte sie.
Das hielt Uwe Schölles (SPD) vor weiterreichenden Beschlüssen für sinnvoll. Denn: „Es kommen immer neue Umstände dazu, für die wir nichts können, die aber die Kosten in die Höhe treiben. Das Neubaugebiet entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden“, sagte er. Es sei jetzt schon ein sechsstelliger Betrag hineingeflossen. Die Situation sei mittlerweile jedoch eine vollkommen andere als zu der Zeit, als der Rat mit der Planung begann. Das Areal müsse immer weiter verkleinert werden und werde damit für Bauherren immer unwirtschaftlicher. Besonders junge Familie könnten sich aufgrund höherer Bauzinsen und gestiegener Materialkosten solche Bauvorhaben nicht mehr leisten. Seine Fraktion tendiere vor diesem Hintergrund eher dazu, nicht noch mehr Geld in das Gebiet zu stecken, werde aber die Diskussion über die Angebote in den Ausschüssen abwarten. Es müsse ausführlich besprochen werden, ob sich das Projekt noch rechne.
„Wir haben tatsächlich schon viel Geld investiert und sollten das Neubaugebiet deswegen nicht einfach fallen lassen“, fand die Ortschefin. Ziel der Ausschusssitzung werde es sein, dem Rat eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern.
„Wir brauchen Wohnraum“, gab Rainer Keck (CDU) zu bedenken. „Wir sehen allerdings auch die Schwierigkeiten, die das Projekt von Beginn an begleiten.“ Er unterstützte den Vorschlag, das weitere Vorgehen in den Ausschüssen zu erörtern.
Almut Schaab-Hehn von der Grünen-Fraktion erinnerte daran, dass ihre Fraktion stets gegen das Vorhaben war: „Aus ökologischen Gründen, da noch mehr landwirtschaftliche Fläche verloren ginge, weil es kaum gemeinnützige Flächen und damit kaum Gestaltungsspielraum für die Gemeinde gäbe, und weil wir unseren Fokus lieber auf die Leerstände innerorts richten sollten.“