Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Für Interessengemeinschaft beginnt nächster Kampf

Unter den Mammutbäumen auf dem Otterstadter Friedhof: Jutta Frank, Eckhard Sans und Otto Berthold (von links).
Unter den Mammutbäumen auf dem Otterstadter Friedhof: Jutta Frank, Eckhard Sans und Otto Berthold (von links).

Die Interessengemeinschaft „Lebenswertes Otterstadt“ hat sich gegen das „Pionier Quartier“ gewehrt. Bei einem Bürgerentscheid stimmte auch eine Mehrheit gegen das Gewerbegebiet auf Ackerflächen. Damit hat die IG ihr Ziel fürs Erste erreicht. Nun hat sie ein neues Betätigungsfeld gefunden.

Die Interessengemeinschaft (IG) „Lebenswertes Otterstadt“ kam 2019 zusammen, als erstmals Pläne für ein rund 52,6 Hektar großes Wohn- und Gewerbegebiet auf dem und rund um das Kurpfalzkasernen-Gelände bekannt wurden. Die IG, der neun feste Mitglieder und anfangs etwa 25 Unterstützer angehörten, sprach sich gegen die Flächenversiegelung aus, veröffentlichte Flyer und sammelte mehr als 1000 Unterschriften. Bei einem vom Ortsgemeinderat, auf Wunsch der CDU, initiierten Bürgerentscheid im vergangenen September stimmte eine Mehrheit der Wahlberechtigten gegen eine Versiegelung der Otterstadter Äcker und befürwortete damit das Anliegen der IG. Der Bürgerentscheid ist drei Jahre bindend.

Die Interessengemeinschaft hat somit fürs Erste ihr Ziel erreicht. Nachdem fünf feste Mitglieder das Team verlassen haben und fünf neue hinzugekommen sind, widmet sich die neunköpfige Initiative nun einem neuen Thema: dem Erhalt der Mammutbäume auf dem Friedhof. Die Zukunft der Bäume und die Umgestaltung des Friedhofs sind seit Jahren heißdiskutierte Themen in Otterstadt. Nach Angaben von Eckhard Sans – Mann der ersten Stunde der IG – und Vertreter der grünen kommunalen Liste (gkL) im Ortsgemeinderat haben sich bereits rund 450 Bürgerinnen und Bürger gegen eine Fällung der etwa 20 Meter hohen Bäume ausgesprochen.

Memoriamgarten erwünscht

Nach Plänen der Verwaltung sollte im Gräberfeld, wo die Mammutbäume stehen, ein Memoriamgarten angelegt werden. Dieser kann dort nach Angaben eines Fachunternehmens aber nur ohne die Bäume entstehen, weil dafür Platz gebraucht wird. „Das ist ein sehr großes Thema. Die Emotionen sind hochgekocht“, sagt IG-Mitglied Jutta Frank, die sich im Notfall auch an die Bäume ketten würde, wie sie schmunzelnd zugibt. Im April sollte der Ortsgemeinderat darüber abstimmen, ob die Bäume zugunsten eines Memoriamgartens gefällt werden. Es kam zur Patt-Situation. Befürworter der Fällung argumentierten mit der Höhe der Bäume, deren Nadeln, die herabfallen und nichts wachsen ließen, deren Wurzeln sowie der einmaligen Chance, den Friedhof für die nächsten 20 bis 30 Jahre zu überplanen. Der für den Friedhof zuständige Ortsbeigeordnete Jürgen Zimmer (parteilos) bat die Verwaltung daraufhin, bei Firmen Angebote und Konzepte anzufordern. Erst wenn ein Konzept einer Firma im Ausschuss und im Rat Zustimmung findet, sollen die Bäume gefällt werden, hieß es damals.

Eckhard Sans betont, dass die IG nicht gegen den Memoriamgarten sei. Sie schlägt einen alternativen Standort auf einer Fläche mit vielen freien Grabfeldern links des Hauptwegs kurz nach dem Haupteingang vor. Die Mammutbäume sollen erhalten bleiben, fordern die IG-Mitglieder. Und nicht nur sie: Auch der örtliche Verein für Heimatpflege und Naturschutz (VHNO), dessen Vorsitzender Otto Berthold – ebenfalls Mitglied der IG – ist, die Pollichia und Landespflegebeauftragter Horst Kuhn setzen sich für die Mammutbäume ein. Sie argumentieren unter anderem mit dem Klimawandel und der Geschichte der „Riesen“, über die es unterschiedliche Angaben gibt. Bislang war immer die Rede davon, dass die Bäume etwa 40 Jahre alt sind. Nach Angaben von Otto Berthold sind sie jedoch wesentlich älter. Nach seinen Recherchen brachte der angesehene ehemalige Landwirt und alteingesessene Otterstadter Helmut Ackermann, der vor 14 Jahren starb, die Bäume um 1948 aus den Vereinigten Staaten mit, wo er als Kriegsgefangener war.

Treffpunkt unter den Bäumen

Die IG kann sich vorstellen, dass unter den Bäumen ein Treffpunkt eingerichtet wird, was die BIO-Fraktion zuerst vorgeschlagen hatte. Eckhard Sans hat sogar schon Bürger, die ihm helfen würden, Bänke dafür zu bauen. Als Alternative führt Jutta Frank den Bergfriedhof in Heidelberg an, auf dem unter alten Nadelbäumen gärtnerbetreute Grabfelder für Urnen in Hochbeeten angelegt wurden.

Ortsbeigeordneter Jürgen Zimmer informiert vor ein paar Tagen auf Anfrage zum weiteren Vorgehen, dass er sich ebenfalls einen Memoriamgarten wie von der IG vorgeschlagen im Feld links des Hauptwegs vorstellen könnte. Das letzte Wort dazu und zu den Bäumen haben jedoch der Friedhofsausschuss und der Ortsgemeinderat. Im nächsten Frühjahr soll eine öffentliche Begehung der Gremien auf dem Friedhof stattfinden, kündigt Zimmer an. Er wünscht sich dafür „Ruhe und Sachlichkeit“ und versichert: „An die Bäume gehe ich nicht dran.“

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