Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Etwa 450 Kindern verbringen die Ferien an der Walderholung

Andächtig hören die Kinder der Falknerin Courtney Iwersen und ihrere Helferin Theresa zu, als die die Tiere vorstellen.
Andächtig hören die Kinder der Falknerin Courtney Iwersen und ihrere Helferin Theresa zu, als die die Tiere vorstellen.

Spielen, baden, basteln, tanzen, trommeln oder wilden Vögeln tief in die Augen schauen – langweilig konnte es den etwa 450 Kindern, die ihre Ferienzeit in der Mutterstadter Walderholung verbrachten, bestimmt nicht werden. Es war die Premiere für das neue Team des Jugendtreffs, das ein gut eingespieltes Team der Arbeiterwohlfahrt an seiner Seite hatte.

Die Jugendarbeit in Mutterstadt nimmt wieder Fahrt auf, nachdem seit fast fünf Jahren der Mutterstadter Jugendtreff geschlossen ist. Seit Februar ist Sebastian Abecker neuer Leiter, im Juni stieß seine Stellvertreterin Maria Tsompanoglou dazu. Vor den Oktoberferien soll der sanierte und umgestaltete Jugendtreff, der dann auch Jugendpforte heißen soll, endlich eröffnet werden. Die Ferienbetreuung in der Walderholung – eine jahrzehntelange Tradition in der Gemeinde – war für sie die erste offizielle Begegnung mit Mutterstadter Kindern. Ein Umstand, über den Maria Tsompanoglou sehr froh ist, vor allem weil die gelernte Erzieherin bisher Kindergartenkinder in Ludwigshafen betreute. Die neue Stelle in der Kinder- und Jugendarbeit ist ihre neue berufliche Herausforderung, die mit den Vorbereitungen für die Ferien an der Walderholung begann.

Und das Angebot konnte sich sehen lassen: So schaute Courtney Iwersen von der Falknerei „Birds of Prey“ aus Speyer vorbei und brachte ihre Tiere mit: Mit einem dicken Lederhandschuh geschützt, durften die Kinder Schleiereule Olaf, Falkenweibchen Belle, Steinkauz Pumuckl oder den afrikanische Uhu Fleckchen auf der Hand tragen. Ehrfürchtig und faszinierend zugleich war das für die Kinder – kaum einer hatte so etwas schon einmal gemacht. Und so brav wie die Vögel waren, waren auch die Kinder – alle stellten sich in Reihe auf, um nacheinander das Tier ganz nah zu erleben, fast mucksmäuschenstill war es, die Augenpaare nach vorn gerichtet.

Falknerin Courtney Iwersen mit Fleckchen, einem afrikanischen Uhu.
Falknerin Courtney Iwersen mit Fleckchen, einem afrikanischen Uhu.

Kids für Tiere begeistern

Falknerin Courtney Iwersen konnte sicher sein, die ganze Aufmerksamkeit der Kinder zu haben. Und die nutzte sie auch, nachdem die Tiere wieder in ihren Transportkäfigen saßen. Noch einmal bat sie alle Kinder zu sich, um Fragen zu beantworten. Und die waren richtig gut: „Warum guckt Fleckchen so starr und grimmig?“, fragte ein Junge. Das wussten schon einige – denn Uhus können ihre Augäpfel nicht bewegen. Dafür können sie den Kopf weit in beide Richtungen drehen, denn sie haben 14 Halswirbel, sieben mehr als der Mensch. Und so erfuhren die Kinder auch, was einen Raubvogel auszeichnet, warum die eine Eule dunkle (weil nachtaktiv), die andere helle Augen (weil tagaktiv) hat, und wieso sich die Ohren versetzt am Kopf befinden, denn so können Geräusche besser erfasst werden.

Aufklären möchte die Falknerin und die Kinder dafür sensibilisieren, was auch sie tun können, um die heimischen Vögel im Wald nicht zu gefährden. Die Mutterstadter Kinder waren darin schon gut informiert. „Man soll keinen Müll in den Wald schmeißen“, wusste ein Mädchen. Die Falknerin war begeistert und nannte einen von vielen Gründen. Der Rotmilan, ein heimischer Greifvogel, ist ein Lumpensammler und baut sein Nest mit allem, was er findet. Früher waren das Jutesäcke, die in der Landwirtschaft verwendet wurden. Heute findet er vieles aus Plastik. „Baut er damit sein Nest, läuft das Regenwasser nicht ab und die kleinen Vogelbabys ertrinken“, sagte sie. Ein trauriges „Oh, nein!“ war zu hören – die Botschaft dürfte damit angekommen sein.

Optimales Gelände

Der Besuch der Falknerin war einer von vielen Höhepunkten, den die Organisatoren – das Jugendtreff-Team und die Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) – den Kindern bieten konnten. Pro Woche kümmerten sich zwölf Betreuer um das Wohl der Kinder. Es ging unter anderem ins Schwimmbad oder die Kinder konnten einen Trommel- oder einen Tanz-Workshop machen. Und natürlich konnten sie nach Herzenslust Fußball, Basketball, Federball, Tischtennis, Tischkicker und vieles mehr spielen. „Es wurde auch gemalt und gebastelt, besonders gefiel es den Kindern, Schmuck aus Perlen herzustellen, und das Bibliotheksteam schaute mit Büchern im Gepäck auch vorbei“, erzählt die stellvertretende Jugendtreffleiterin.

Die Mutterstadter Walderholung ist wie gemacht für tolle Ferientage: Weitläufig, mitten unter schattigen Bäumen, mit einem großen Spielplatz, vielen Sitzgelegenheiten und einem großzügig überdachten Bereich sowie einem Essensbereich samt Küche. In der stehen Tag für Tag pro Woche etwa zwölf Ehrenamtliche der Awo und bereiten Frühstück, Snacks und Mittagessen zu – alles kindgerecht. „Der Renner sind die Klassiker: Nudeln mit Soße oder Putengeschnetzeltes. Auch wenn nicht immer jeder kleine „Schnäker“ zufriedenzustellen ist, „satt kriegen wir alle“, weiß Heidi Marx vom Awo-Vorstand aus ihrer jahrelangen Erfahrung.

Begehrte Plätze

Zufrieden dürften auf jeden Fall die Eltern sein, vor allem über den unschlagbaren Preis von 50 Euro pro Kind und Woche, „den wir aber mit großer Wahrscheinlichkeit für das kommenden Jahr nicht halten können“, sagt Heidi Marx. Die ersten beiden Wochen sind bekanntlich beliebt, jeweils 120 Kinder wurden betreut, berichtet Maria Tsompanoglou. In der dritten und vierten waren es weniger, so dass für die Kinder, die spontan eine weitere Woche kommen wollten, Plätze angeboten werden konnten. In diesem Jahr seien die ersten drei Wochen schon bei der ersten Anmeldemöglichkeit ausgebucht gewesen, der Betreuungsbedarf in den Ferien sei groß. Im kommenden Jahr möchte man eine Online-Anmeldung ermöglichen.

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