Ratekrimi RHEINPFALZ Plus Artikel Palzki und der merkwürdige Bankräuber

Der Verdächtige hat einen Zeitungsausschnitt über den FCK bei sich.
Der Verdächtige hat einen Zeitungsausschnitt über den FCK bei sich.

Die Schifferstadter Sparkasse wurde überfallen. Und der Täter, ein seltsam aussehender Kauz, wurde auf den Videoaufnahmen identifiziert und schnell gefasst. Der Fall scheint eindeutig, doch der Verdächtige schwört, unschuldig zu sein. Kann er Kommissar Palzki überzeugen?

Es hätte so ein schöner Tag werden können. Meist war ich lieber zu Hause als im Dienst in der Kriminalinspektion Schifferstadt. Manchmal gab es jedoch eine Ausnahme, die diesmal schon mehrere Wochen andauerte. Das lag ausschließlich an dem bizarren Wissensdurst meines Sohnes Paul, der auch nach über einem Monat noch nicht verebbt war. Ständig löcherte mich der Zehnjährige mit den merkwürdigsten Fragen. „Papa, was passiert, wenn man sich zweimal halb tot lacht?“ oder „Wie kommen die Schilder ,Betreten verboten’ mitten auf den Rasen?“. Heute Morgen fragte er mich, was Schafe zählen, wenn sie einschlafen wollen.

Zum Glück war Montag und ich saß mit meinen Kollegen Gerhard Steinbeißer und Jutta Wagner in einer wichtigen internen Lagebesprechung. Als es an der Tür klopfte, dachten wir, es sei der Pizza-Bote mit der obligatorischen Tageslieferung. Aber leider war es nur ein Schutzpolizist, der uns eine Hiobsbotschaft überbrachte.

Abwimmeln unmöglich

„Vor einer Stunde wurde die hiesige Sparkasse überfallen. Der Täter wurde in aller Deutlichkeit von der Kamera gefilmt.“ „Gut“, antwortete ich zufrieden, „dann werden Ihre Kollegen ihn sicher bald schnappen. Das schaffen Sie sicher auch ohne unsere Hilfe.“ Ich musste den Schutzpolizisten irgendwie abwimmeln, schließlich konnten jeden Moment unsere heiß ersehnten leckeren Pizzen eintreffen. „Netter Versuch, Herr Palzki! Dienststellenleiter Diefenbach möchte, dass Sie die Ermittlungen des Überfalls übernehmen. Vor ein paar Minuten wurde im Vogelpark in Schifferstadt ein Verdächtiger festgenommen. Unser Chef meint, Sie würden doch gerne dorthin fahren, falls es Spuren zu sichern gibt.“

Innerlich verfluchte ich KPD, wie wir unseren Dienststellenleiter Klaus P. Diefenbach nannten. Es gelang mir, meinen Kollegen Gerhard Steinbeißer zu überreden, mit mir zu kommen und mit seinem Dienstwagen zu fahren. So konnte ich gemütlich auf dem Beifahrersitz die Pizza verspeisen, die noch in letzter Minute eingetroffen war. Gerhard warf mir ein paar neidische Blicke zu, sagte aber nichts.

Mit Piercings übersät

Auf dem Parkplatz zwischen Schützenhaus und Waldfesthalle, wo ein Weg zum Vogelpark im angrenzenden Wald begann, trafen wir auf mehrere Kollegen, die einen seltsam aussehenden Typen festhielten. Trotz des recht kühlen Wetters trug er schmutzige Sandalen ohne Socken, ein Paar extrem verwaschene Shorts in undefinierbaren Farben und ein viel zu enges, vermutlich ehemals weißes T-Shirt. Sein Gesicht war mit mehreren asymmetrisch angeordneten Piercings übersät. Kein Wunder, dass man ihn anhand der Aufnahmen der Sparkasse so schnell identifizieren konnte, dachte ich mir. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, erfuhr ich, dass dieser komische Kauz, den ich auf höchstens Mitte 20 schätzte, Winfried Däumling hieß und keinen festen Wohnsitz hatte.

„Na, haben Sie bereits gestanden, die Sparkasse überfallen zu haben?“ „Aber nein“, wehrte er heftig gestikulierend ab. „Es muss einen Doppelgänger von mir geben, ganz bestimmt.“ Nachdem ich über diese absurde Ausrede ausgiebig gelacht hatte, fragte ich ihn nach seinem Alibi. „Woher sollte ich wissen, dass ich ausgerechnet heute ein Alibi brauche? Ich habe mich die letzten drei Stunden im Vogelpark und in der näheren Umgebung aufgehalten. Ich war auch einmal kurz auf der anderen Straßenseite beim Minigolfplatz, doch die Anlage war geschlossen.“ Ein Polizeibeamter zeigte mir, was Winfried Däumling bei sich hatte, als man ihn vorläufig festgenommen hatte. Ich betrachtete kurz den sorgfältig ausgeschnittenen Zeitungsartikel, den er zusammengefaltet in seiner Hosentasche stecken hatte, sowie sein fast leeres Portemonnaie, in dem sich weniger als ein Euro in Münzgeld befand. Ein Handy hatte er nicht bei sich. „Was wollen Sie mit dem Bericht?“, fragte ich neugierig.

Komischer FCK-Fan

„Ein älterer Spaziergänger hat die RHEINPFALZ vorhin in den Abfalleimer vor der Waldfesthalle geworfen. Da es sich um die heutige Ausgabe handelte, habe ich sie herausgeholt und durchgeblättert. Als Fußballfan habe ich den interessanten Artikel über den FCK herausgerissen. Den Rest der Zeitung habe ich wieder weggeworfen. Politik, Wirtschaft und der ganze Kram interessieren mich nicht die Bohne.“ Ich ließ nicht locker. „Und Sie waren die ganze Zeit nur im Vogelpark und auf dem Weg zwischen Waldfesthalle und Minigolfanlage? So einen komischen Fußballfan habe ich noch nie getroffen.“ Winfried Däumling schaute mir frech ins Gesicht und lachte überheblich. „Beweisen Sie mir halt das Gegenteil. Sie haben nichts gegen mich in der Hand. Ich möchte jetzt gehen.“ Ich sah ihn streng an. „Oh doch, mein Lieber. Sie haben mich eiskalt angelogen.“

Lösen Sie den Fall

Wissen Sie, was Kommissar Palzki gegen den seltsamen Typen in der Hand hat? Schicken Sie die Lösung mit Ihrem Namen und Ihrer Anschrift per E-Mail an redrpk@rheinpfalz.de. Der Einsendeschluss ist Freitag, 25. Oktober.

Auflösung

In unserem Ratekrimi „Palzki und der Mann im Frack“ ging es um die mysteriöse Entführung von Heribert von und zu Snobheimer, die keine war. Denn: Heribert von und zu Snobheimer trug einen Frack. Dazu trägt man eine Fliege und keine Krawatte, die beim Brief der angeblichen Entführer lag. Seine Frau hätte das wissen müssen. Gewonnen haben Bernd Scheuermann aus Ludwigshafen und Christiane Schatz aus Mutterstadt. Herzlichen Glückwunsch!

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