Mutterstadt
Ein Neuer in der Rathausspitze
Nach der Wahl des neuen Gemeindeoberhaupts steht den Mutterstadtern für dieses Jahr der nächste Personalwechsel in der Führungsriege ihres Rathauses bevor. Der Beigeordnete Klaus Lenz (CDU) hat im August Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) darum gebeten, ihn aus dem Ehrenbeamtenverhältnis zu entlassen. Dieser Bitte hat Rathauschef Leva mit Wirkung zum 30. September entsprochen. Doch wer soll diesen wichtigen Posten – Beigeordnete fungieren nicht zuletzt als Stellvertreter des Bürgermeisters – künftig übernehmen?
Darüber durfte sich zuallererst die CDU-Fraktion Gedanken machen, da Lenz ihr Mann in der Verwaltungsspitze war. Denn in Mutterstadt ist es bewährte Praxis, dass die drei stärksten Fraktionen jeweils einen Beigeordneten stellen. Die Fraktionsvorsitzende Yvonne Wittmann hatte auch einen Kandidaten im Sinn: Frank Pfannebecker. Dieser war 2018 für Katja Schulze-Berge in den Rat nachgerückt und bei den Kommunalwahlen 2019 dann direkt in das Gremium gewählt worden. Doch würden die anderen Ratsmitglieder denn Vorschlag unterstützen? Würde vielleicht wider Erwarten ein weiterer Bewerber antreten?
Spannung hält sich in Grenzen
Das wollten mehrere Mitglieder des CDU-Ortsvereins direkt im Ratssaal am Dienstagabend erfahren, wo sie auf den Besucherplätzen vor allem diesen Tagesordnungspunkt gespannt verfolgten und ihrem Parteifreund den Rücken stärkten. Doch es wurde schnell klar: Die Spannung würde überschaubar bleiben. Denn Pfannebecker blieb der einzige Bewerber für den Beigeordnetenposten. Somit war die Aufgabe für die Ratsmitglieder bei der geheimen Wahl einfach: Sie mussten nur ja oder nein auf den Stimmzetteln ankreuzen, die ihnen Büroleiter Gunther Holzwarth – nachdem er sie in alphabetischer Reihenfolge zu sich gerufen hatte – persönlich aushändigte, damit sie in der „Wahlkabine“ ihre Entscheidung treffen konnten.
Die Wahl sowie das Auszählen durch den Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden ging recht flott. Nach wenigen Minuten konnte Leva bereits das Ergebnis verkünden: 19 Mandatsträger hatten mit Ja gestimmt, nur einer oder eine nicht. Obwohl das klare Votum nicht vollkommen überraschend kam, atmete der ein oder andere Christdemokrat doch kurz erleichtert aus. Man weiß ja nie.
Pfannebecker nahm die Wahl – auch das wenig überraschend – selbstverständlich an und bedankte sich für das Vertrauen. Daraufhin verpflichtete ihn der Bürgermeister und überreichte ihm die Ernennungsurkunde. Zu den ersten Gratulanten zählten die Fraktionsvorsitzenden und seine künftigen Beigeordnetenkollegen. Am Verwaltungstisch durfte Pfannebecker aber noch nicht Platz nehmen. Denn offiziell beginnt seine Amtszeit erst am 1. Oktober. Also kehrte er ein letztes Mal an die Seite seiner CDU-Mitstreiter ins Plenum zurück. „Beim nächsten Mal gibt’s dann aber eine neue Perspektive“, erklärte Leva augenzwinkernd.
Geschäftsbereich bleibt
Langweilig wird es Pfannebecker nicht werden. Denn in seinen Geschäftsbereich als Beigeordneter fallen sämtliche Aufgaben, für die auch schon sein Vorgänger zuständig war. Das sind Kultur, Heimatpflege, Städtepartnerschaften und Tourismus einschließlich des Kultur- und des Partnerschaftsausschusses. Außerdem ist er künftig für Verkehrsangelegenheiten sowie das Gremium für Verkehrsfragen zuständig.
Pfannebecker ist 52 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. CDU-Mitglied ist der Bauingenieur und technische Betriebswirt seit 2012. In seiner Freizeit spielt der Ur-Mutterstadter Tischtennis in einem Verein, macht „ein bisschen Triathlon“ und fährt mit dem Sohn Wakeboard.
Warum tritt Lenz zurück?
„Ich habe das jetzt lange genug gemacht. Im Januar wären es 17 Jahre geworden“, erklärte Lenz vor der Ratssitzung im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Mit 64 Jahren habe er vor der Entscheidung gestanden, noch mal richtig Gas zu geben – was er sich zugetraut und wofür er auch Ideen gehabt hätte – oder einen Generationenwechsel einzuleiten und Jüngere ranzulassen. Am Ende habe er sich zu letzterem entschlossen und damit dazu, fortan alles etwas ruhiger anzugehen: „So wie jetzt beim Segeln in der Ägäis“, erzählte er am Telefon aus dem Urlaub, während im Hintergrund der Wind rauschte.
Ob die Niederlage bei der Bürgermeisterwahl gegen Leva eine Rolle gespielt hat? „Nein, die hatte damit nichts zu tun“, bekräftigte Lenz. Er gebe seine Aufgaben jetzt einfach in jüngere Hände. Dabei scheint ihn zu beruhigen, dass Pfannebecker wie er selbst Bauingenieur ist. „Dann sind das nämlich weiterhin kompetente Hände.“ Ganz aus der Politik zurückziehen wolle er sich nicht. „Ich habe vor, bei der nächsten Kommunalwahl 2024 wieder anzutreten, weil ich mich weiter konstruktiv einbringen möchte“, sagte er.