Mutterstadt
Klaus Lenz: „Lasse mich gerne an meinen Leistungen messen“
Streng genommen ist Klaus Lenz ein „Zugezogener“. In Pfälzer Dörfern ist das ein „Stempel“, der in seinem Fall etwas ungerechtfertigt ist, war er doch erst vier Jahre alt, als die Familie von Oggersheim nach Mutterstadt zog und blieb. Hier erwarben seine Eltern ein sanierungsbedürftiges Haus, das nach und nach ausgebaut und renoviert wurde. „Schon mein Bruder und ich hatten großen Spaß, Mauern einzureißen und Steine abzuklopfen“, erinnert sich der heute 63-Jährige. Dass die Baubranche später einmal sein Metier wird, das habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt. „Aber der Grundstein wurde in dieser Zeit wohl gelegt“, meint er und lacht. Lenz ist Diplom-Bauingenieur, ein Beruf, auf den er nach seinem Abitur und seinem Wehrdienst bei der Luftwaffe eher zufällig gestoßen sei. „Dann habe ich aber sofort gewusst: Das ist es! Man ist zum Beispiel viel an der frischen Luft“.
Draußen, in der Natur, ist auch sein Lieblingsplatz, es ist der Mutterstadter Wald mit der Walderholung. Die hat er für ein Gespräch mit der RHEINPFALZ als Startpunkt für eine Tour durch die Gemarkung gewählt. „An der Walderholung bin ich schon als kleiner Junge rumgesprungen“, erinnert er sich, an den Wochenenden und während der Ferienbetreuung. Und jetzt ist er oft im Sommer mit dem Enkel seiner Lebenspartnerin hier. „Es ist der perfekte Platz für eine kleine Erholungszeit.“
Solche Plätze sind für ihn Teil der Lebensqualität, die Mutterstadt bietet, in die aber weiter investiert werden müsse. „Es soll ein Ort sein, in dem alle, die junge und die ältere Generation, miteinander gut leben können“, sagt Lenz. Das habe ihm schon früher Herzen gelegen und sich ehrenamtlich engagiert. So war er zum Beispiel in den 1980er-Jahren im Leitungsteam des Mutterstadter Jugendtreffs. „Ich erinnere mich gern an die Partys, bei denen wir die Schallplatten der neuesten Hits auflegten.“ Dass der Jugendtreff bald wieder eröffnet wird, „ist wichtig, vor allem weil nun wieder auf sozialpädagogisch geschultes Personal gesetzt wird“, meint er.
Erst ohne Parteibuch
Auch in der TSG engagierte er sich für die junge Generation und trainierte dort die Kinder-Turngruppen. Dort fand Lenz vor allem Gefallen an der Leichtathletik, auch weil es ein Individualsport ist. „Ich lasse mich gern an meinen Leistungen messen.“ Und die seien gar nicht so schlecht gewesen. Mehrfach hat er sich bei „Jugend trainiert für Olympia“ für die deutschen Schulmannschaftsmeisterschaften in Berlin qualifiziert.
Aber in seinem Heimatort wollte er sich ebenso einbringen und etwa verändern. Dass ihm dann aber gesagt wurde, Mutterstadt sei doch nur ein Schlafdorf für die BASFler und werde es auch immer bleiben, habe ihn geärgert – und motiviert. „Ich dachte, wir Mutterstadter sind doch nicht dümmer als die anderen.“ Der CDU-Ortsverein habe ihm die Möglichkeit gegeben, aktiv zu werden, ohne gleich das Parteibuch zu beantragen. Mitte der 1990er-Jahre war Mitglied in den Agenda-21-Gruppen. Bauprojekte in der Gemeinde waren und sind berufsbedingt sein Steckenpferd: Siedlungswasserwirtschaft war das Thema seiner Diplom-Arbeit an der Universität Kaiserslautern. Als Bauingenieur arbeitete er – angestellt und später selbstständig – unter anderem in den Bereichen Kanal- und Straßenbau, Wasser- und Klärwerke, aber auch Wohnungswirtschaft.
Neugierig auf Neues
Die CDU wurde schließlich seine Partei. Lenz widmete sich unter anderem dem bestimmenden Problem Mutterstadts in 1990er-Jahren: dem vielen Verkehr im Ort. Bei einer Lärmumfrage unter den Bürgern sei damals erstmals die Traktorumfahrung vorgeschlagen worden. Aber auch die Ortskernsanierung trieb ihm viele Jahre vor der Umsetzung um: „Uns war schon früh klar, dass wir alle Interessensvertreter und Politiker aller Parteien beteiligen müssen.“ Er ist überzeugt, nur so könnten große Würfe für Mutterstadt gelingen. Aber auch bei kleineren Projekten plädiert er für eine Diskussion mit den Bürgern, nur früher als diese bisher praktiziert worden sei. Etwa bei der Entwicklung eines großen Grünzugs als Schutzstreifen durch das gewünschte Neubaugebiet Süd Richtung Gewerbegebiet: Wie wichtig solche bepflanzten Areale seien, wisse er schon berufsbedingt, auch wenn ihn damit so manch einer eher den Grünen zuordnen würde. Darauf entgegnet er: „Nichts ist konservativer, als die Umwelt zu schützen!“
Mittlerweile ist er im Ruhestand, doch sein Fachwissen nütze ihm bis heute in der Ratsarbeit, dem er seit 1999 angehört. Seit 2007 war er erster, ab 2009 dann zweiter Beigeordneter der Gemeinde. Nun, mit 63, will er noch einmal durchstarten. „Ich habe immer gern gearbeitet und bin neugierig“, sagt er – beruflich, politisch und auch privat. So hat er seinen Flugschein gemacht – weil ihn die Herausforderung reizte. Die sucht er auch während der Urlaube mit seiner Partnerin Gisela Groppenbächer. Am liebsten verreist sie für mehrere Wochen, um die Landeskultur zu entdecken. Besonders fasziniert ist er von der Türkei und Griechenland, das er während eines Auslandspraktikums erstmals kennenlernte. Aber auch Thailand, Indonesien, Australien oder Myanmar habe er schon bereist.
Und überall halte er auch Ausschau nach guten Weinen, „aber die besten Tropfen werden natürlich in der Pfalz gekeltert“, meint Klaus Lenz. Nun ja, schließlich ist er Kultur- und Weinbotschafter der Pfalz. Als Pfälzer sei ihm der Sinn nach guten Weinen in die DNA eingeschrieben, in der Studienzeit habe er sich dann in im Barrique ausgebaute Rotweine verliebt.
Abends mit seiner Partnerin ein Glas Wein im erweiterten Ortskern zu trinken, wäre für ihn ein weiteres Stück Lebensqualität in Mutterstadt. Und so endet die Tour an einer Brachfläche der Gemeinde hinter dem Café Elisabeth. Hier wäre, wenn die Kommune noch weitere Grundstücke erwerben könnte, Platz für Gastronomie, Wohnhäuser, Gewerbe und Freiflächen zum Verweilen. Es wäre ein Ort, der dann ebenfalls zu Klaus Lenz’ Lieblingsort werden könnte.