Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ehepaar Gantner verabschiedet sich als Motor des Dorflebens

Haben sich jahrzehntelang für das Dorfleben von Otterstadt engagiert: Hildegard und Günter Gantner.
Haben sich jahrzehntelang für das Dorfleben von Otterstadt engagiert: Hildegard und Günter Gantner.

Hildegard und Günter Gantner haben das Otterstadter Dorfleben jahrzehntelang geprägt. Sie engagierten sich in Wirtschaftsausschuss und Ortskartell und organisierten alle Feste im Ort. Nun ziehen sie sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Günter Gantner ist ein Ur-Otterstadter, wie er sagt. Sein Großvater besaß eine Schlosserei. „In Otterstadt hieß es nicht: ,Ich habe Schlosser gelernt’, sondern: ,Ich habe Gantner gelernt’“, sagt der 74-Jährige und lacht. Gantner blieb beruflich jedoch nicht in der Altrheingemeinde, sondern arbeitete bei der BASF. Er ließ sich zum Maschinentechniker ausbilden und sattelte später auf Bautechniker um. In diesem Bereich lernte er seine Frau Hildegard kennen. Die Maschinenkonstrukteurin arbeitete als Sekretärin bei der BASF. In ihrem Beruf lernte sie mit dem Computer umzugehen, was ihr bei ihren Ehrenämtern zugute kommt. „Ich habe seit 1986 PC-Erfahrung und alles von Grund auf gelernt“, sagt Hildegard Gantner, die eine Tochter mit in die Ehe brachte. Nur sechs Wochen nach deren Geburt saß die tatkräftige Frau wieder an ihrem Arbeitsplatz.

Vom Beruf profitiert

Im Wirtschaftsausschuss, der für die Organisation des Karpfenfestes zuständig war, hatte Günter Gantner 25 Jahre den Hut auf. Das Ortskartell führte er fast 15 Jahre – immer an seiner Seite seine Frau, die ihn unterstützte. Während er der Schaffer war, kümmerte sie sich um die Abrechnung, die Bestellungen und die Anfragen an die Firmen. Solche Dinge seien auch Teil ihrer Aufgabe als Sekretärin gewesen, sagt die 73-Jährige.

Wenn Günter Gantner etwas anpackte, dann gab er immer 150 Prozent. „Ich wollte es so gut machen, wie es geht“, sagt der 74-Jährige, der immer seine Meinung sagt und dem Ehrlichkeit und Fairness nach eigener Aussage sehr wichtig sind. Der weit über Otterstadt hinaus bekannte Weihnachtsmarkt am Königsplatz mit viel Handwerkskunst war ihm eine Herzensangelegenheit. „Wir hatten mehr als 40 Bestücker. Mir war dabei immer wichtig, dass es nicht zu viele Essensstände gibt und diese an verschiedenen Stellen auf dem Platz eingerichtet werden, damit sich nicht alles ballt“, erklärt Gantner. An den Weihnachtsmarkt – sein „Lieblingskind“, wie er sagt – erinnert er sich gerne zurück: „Das hat Spaß gemacht, mit den Leuten zusammenzuarbeiten und alles strukturiert aufzubauen“, sagt der Otterstadter.

Froh über viele Helfer

Für ihn und seine Frau war es immer essenziell, dass im Wirtschaftsausschuss Politik keine Rolle spielt. Das habe auch gut geklappt, obwohl alle politischen Fraktionen, die im Rat schon mal unterschiedlicher Meinung sind, aufeinandertrafen. „Es war schön, dass alle geholfen haben“, sagt Hildegard Gantner und nennt lange Putzaktionen vor und nach den Festen. Ihr Mann kann sich an Hilfseinsätze von halb 9 Uhr morgens bis spät in die Nacht hinein erinnern.

Mit der Zeit veränderte sich jedoch das Dorfleben: Die Kerwe, die früher noch im Ort gefeiert wurde, wo sie nach Meinung der Gantners auch hingehört, zog in die Sommerfesthalle. Zum Schluss waren nur noch ein paar Vereine daran beteiligt. Günter Gantner und seine Frau hatten bereits vor ein paar Jahren verkündet, aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten zu wollen. Nur fand sich damals kein Nachfolger. Günter Gantner kann sich das nicht erklären. „Wahrscheinlich wusste jeder, dass ich es gerne mache“, vermutet der 74-Jährige. Er machte weiter. „Ich wollte nicht, dass alles aufgegeben wird.“

Corona machte einen Schnitt

Dann kam die Corona-Pandemie und machte Feste unmöglich. Die Gantners, denen Organisieren und Helfen im Blut liegt, unterstützten den Ortsbeigeordneten Jürgen Zimmer beim Aufbau und Betrieb des Testzentrums im Remigiushaus sowie bei der dortigen Impfaktion.

Das Ehepaar blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück: „Es war stressig, aber gut“, fasst Hildegard Gantner ihr jahrzehntelanges Engagement zusammen. Ihr Mann erinnert sich an eine lustige Anekdote, als er vor der Eröffnung eines Karpfenfests Blut und Wasser geschwitzt habe, weil ihm Vereinsvertreter einen Streich gespielt und das für den Anstich vorbereitete Bierfass versteckt hatten. „Ich habe es dann gerade noch rechtzeitig hinten im Kühlhaus gefunden“, sagt der 74-Jährige, der heute noch über den Streich lachen kann.

Ihre neue Freizeit wollen die beiden für ihre politischen Ehrenämter in der Freien Wählergruppe auf Kreisebene nutzen. Günter Gantner wird außerdem weiter die Sommerfesthalle verwalten, seine Frau ist zudem stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats und will sich vermehrt der Arbeit am Computer widmen, die sie interessiert. Hinzu kommen die zwei Enkelkinder, die sie ab und zu besuchen. Auch wenn sich die Gantners zurückziehen, liegt ihnen die Dorfgemeinschaft am Herzen. Diese nach der Pandemie wiederzubeleben, ist nun die Aufgabe der neu gewählten Ortskartellvorsitzenden Sonja Regenauer und ihres Teams.

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