Mutterstadt / Frankenthal
Drogenprozess: Auch nach vier Terminen keine Klarheit
„Die große Frage von Schuld oder Unschuld klärt erst das Urteil“, betont Staatsanwalt Daniel Otto. Aber: Die Kammer gehe jetzt davon aus, dass es sich bei der Beteiligung des Angeklagten vermutlich nur um Beihilfe gehandelt hat. Das ist das Ergebnis eines Rechtsgesprächs, das im Anschluss an den dritten Prozesstag am Landgericht Frankenthal stattgefunden hat und am vierten Tag verlesen wurde.
In dem Prozess geht es um einen Mutterstadter, in dessen Wohnung eine große Menge Drogen gefunden wurde. Das Problem: Inmitten von Kokain, Amphetamin, Methamphetamin und Marihuana wurde zwar ein Mann aufgegriffen. Das war allerdings nicht der Angeklagte, sondern ein Freund, der dafür in der Zwischenzeit bereits zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Er tritt im Prozess als Zeuge auf.
Und da der Angeklagte selbst schweigt, ist er während des Prozesses besonders wichtig. Im Zeugenstand bekräftigte er aber: Die Drogen waren seine eigenen. Er habe die Wohnung genutzt, um den Konsum vor seinem Umfeld zu verschleiern. Der Angeklagte sei zu dem Zeitpunkt selbst kaum in der Wohnung gewesen und habe mit den Drogen nichts zu tun gehabt.
Uneinig bei Interpretation
Die Staatsanwaltschaft möchte das Gegenteil beweisen. Auch mithilfe von Telefonmitschnitten. Denn während der Ermittlungen wurden Anrufe dieses Zeugen abgehört. Zu dem altbekannten Problem mit den Erinnerungslücken – der Fall spielte sich bereits im Herbst 2021 ab – kommt dadurch ein neues dazu: die schlechte Tonqualität. Klar wird durch die Telefonate dennoch, dass Angeklagter und Zeuge häufig Kontakt hatten.
Uneinig sind sich Verteidigerin Katja Kosian und Staatsanwalt Otto immer wieder bei der Interpretation. Der Zeuge brachte häufig Leute mit zur Wohnung des Angeklagten. Viele der Gespräche fanden nachts oder am sehr frühen Morgen statt. Beweise seien das keine, sagt Kosian. Und auch der Zeuge versichert: Wegen seiner Drogenvergangenheit habe es für ihn keinen normalen Tagesrhythmus gegeben.
Prozess wird fortgesetzt
Ungewöhnlicher wird es noch beim Inhalt mancher Anrufe: Auf seine Frage, was er eigentlich kassieren solle, bekam der Angeklagte die Antwort „Er“, also eine unbekannte dritte Person, wisse es. Oder ihm wurde aufgetragen, Eis von der Tankstelle mitzubringen – möglicherweise zur Drogenherstellung, vielleicht aber auch nur für eine Party, sagt der Zeuge. Das wisse er nicht mehr. Und auch ein Apothekenbesuch mitten in der Nacht wird Thema. „Ist Apotheke vielleicht ein Synonym für Bunker?“, fragt Otto mit Verweis auf die verschiedenen Drogenlager, von denen eins in der Wohnung des Angeklagten war. Der Zeuge verneint: „Ich glaube nicht, dass ich irgendwann mal ein Synonym verwendet habe. Was vielleicht dumm war.“
Auch nach vier Prozesstagen zeichnet sich noch kein Ende ab. Der nächste Verhandlungstag ist für 18. November angesetzt.