Rhein-Pfalz Kreis Die Kündigung kommt

Zankapfel: das Anwesen in der Deidesheimer Straße.
Zankapfel: das Anwesen in der Deidesheimer Straße.

«Hochdorf-Assenheim.» Die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim kündigt den Überlassungsvertrag mit Schneeball aktiv für einen ehemaligen Bauernhof im Ortsteil Assenheim. Eine Bürgerin möchte die dortige Jugendarbeit des Vereins mit einer Online-Petition retten. Der Kreisjugendring setzt sich in einem offenen Brief für den Erhalt ein. Am Dienstag haben erneut Ratsmitglieder die Immobilie besichtigt, ein von Vereinsmitgliedern erhofftes Gespräch an diesem Abend aber abgelehnt.

Um den Termin hatten laut Bürgermeister Stefan Veth (CDU) die Fraktionsvorsitzenden des Verbandsgemeinderats – Johannes Kupper (CDU), Uwe Schölles (SPD) und Marc Hauck (FDP) – gebeten, da sie bei der Begehung mit dem Bauausschuss im Mai nicht dabei sein konnten. Sie wollten sich einen Eindruck von der Bausubstanz verschaffen. Diese Gelegenheit nutzten auch die Ratsmitglieder und Architekten Christopher Diehl (CDU) und Herbert Hery (FDP). Von Schneeball aktiv waren die Vereinsvorsitzende Clara Krempel, mehrere Mitglieder und Bürger zugegen. Sie wollten mit den Politikern über die Ratsentscheidung reden. „Ich bin hier, um mich vom Zustand zu überzeugen, nicht um zu diskutieren“, machte Kupper stellvertretend klar. Daran änderten auch die beharrlichen Versuche Irmgard Schusters nichts, die auf der Internetplattform change.org eine Petition gestartet hat: „Die Kinder von Schneeball aktiv müssen ihre Räume behalten.“ Bisher unterstützen dieses Anliegen rund 350 Unterzeichner (Stand gestern). Ehe sie teils mit Fotokameras ausgestattet loszogen und sämtliche Räumlichkeiten genau in Augenschein nahmen, gab Krempel den Herren dennoch einige Kritikpunkte mit auf den Weg: die Eiseskälte gegenüber dem Verein in Veths Amtszeit, die Totenstille vor dem schicksalhaften Ratsbeschluss, den entwürdigenden Umgang mit Schneeball aktiv und den Hinweis, dass dieser die Auflösung des Vereins bedeuten kann. Von der Art und Weise, wie der Termin ablief, ist sie auch Tage danach noch geschockt. „Mit welcher Wucht sie Türen geöffnet haben, wie sie bis in die hintersten Winkel vorgedrungen sind und alles untersucht haben, der Tonfall, das hat sich angefühlt wie bei einer polizeilichen Durchsuchung“, beschreibt Krempel der RHEINPFALZ ihre Gefühlslage. Zudem räumt sie mit dem Gerücht auf, der Verein habe die Zusammenarbeit mit der Jugendpflege gescheut. „Wir hatten unterschiedliche Ziele und gaben den Eltern eine Wahlmöglichkeit. Diese gilt es aufrechtzuerhalten.“ Den Vorwurf mangelnder Kommunikation wies Veth zurück. Er habe Krempel und ihren Mitstreitern nach der Ratssitzung im August und am vorigen Freitag ein Gespräch angeboten. Dieses Angebot erneuerte er. Zugleich hielt er der Schneeball-aktiv-Vertreterin vor, sie hätte sich – auch vor der Ratssitzung – selbst einmal im Rathaus melden können. Derweil weist der Kreisjugendring in einem offenen Brief darauf hin, dass ein vielfältiges Angebot für Kinder und Jugendliche im außerschulischen Bereich wichtig ist und Schneeball aktiv hierzu seit vielen Jahren beiträgt. Vor allem solch kleine Vereine bräuchten die Unterstützung öffentlicher Träger. In Bezug auf die von der Kommune angestrebte Neukonzeption der örtlichen Jugendarbeit sei unverständlich, weshalb nicht im Vorfeld das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht wurde. Der Kreisjugendring würde es daher begrüßen, „wenn die Ortsgemeinde gemeinsam mit den Verantwortlichen des Kreises und Schneeball aktiv nach tragfähigen Lösungen sucht“, schreibt der Vorsitzende Paul Neuberger. Die Kreisverwaltung betont auf Nachfrage, hier handle es sich um eine Vertragsangelegenheit zwischen Verbandsgemeinde und Verein, auf die sie keinen Einfluss nehmen könne. Veth verwehrt sich gegenüber der RHEINPFALZ gegen die Kritik des Kreisjugendrings. Die Kündigung des Vertrags sei fristgerecht und rechtlich einwandfrei erfolgt. Dabei gehe es neben dem Raumbedarf der kommunalen Jugendpflege nicht zuletzt um den stark sanierungsbedürftigen Zustand der Gebäude, der nicht annähernd zeitgemäß sei. „Ich bin nicht mehr bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen“, erklärt er und nennt als Beispiel den Brandschutz. Der Rat müsse nun entscheiden, ob die Kommune das Anwesen saniert oder verkauft. Zugleich betont er, die Verbandsgemeinde-Jugendpflege habe schon immer Vereine miteinbezogen, etwa beim Zeltlager beim TB Assenheim. So sei es durchaus vorstellbar, dass Schneeball aktiv in den Schulferien ebenfalls die Räume für entsprechende Angebote nutzen kann. „Nur eben nicht mehr wie bisher dauerhaft und mit einem Überlassungsvertrag.“ Darüber hinaus sei er nach wie vor gesprächsbereit, wolle beim Verein und dessen Unterstützern jedoch keine Illusion aufkommen lassen: „Die Kündigung kommt, das ist beschlossene Sache.“ Noch Fragen? Die Petition finden Interessierte im Internet unter www.change.org, indem sie dort nach dem Stichwort Schneeball suchen.

x