Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Der neue Weltkonzern auf dem Land

Auf vier Hektar hat Ifco seinen neuen Standort in Dannstadt gebaut, ab Januar soll der Betrieb aufgenommen werden.
Auf vier Hektar hat Ifco seinen neuen Standort in Dannstadt gebaut, ab Januar soll der Betrieb aufgenommen werden.

In puncto Größe steht das neue Logistik-Zentrum der Ifco Systems GmbH seinem größten Kunden in der Region, dem Pfalzmarkt, in nichts nach. Der Grünanstrich passt ebenso, und das auch im übertragenen Sinne. Nachhaltigkeit war das Wort des Tages bei der offiziellen Schlüsselübergabe. Für die Kritik, die vor der Ansiedlung laut wurde, war der neue Standortleiter gewappnet.

Ein beeindruckendes Ausmaß hat die 2,3 Hektar große Halle des neuen Logistikzentrums von Ifco Systems, mehr als vier Hektar groß ist das gesamte Grundstück im neuen Dannstadter Gewerbegebiet Ost. Für die offizielle Schlüsselübergabe wurde in der Halle eine große Bühne aufgebaut, doch selbst die wirkte ein wenig verloren. Der Grund: Noch sind nicht alle Anlagen installiert, wie Benjamin Mahmoud, Leiter für den Dannstadter Standort, erläuterte. Und so konnten die vielen geladenen Gäste bequem Abstand halten, wenn sie wollten. Den symbolischen Pappschlüssel bekam Benjamin Mahmoud von Stefan Bohn, Geschäftsführer von Panattoni. Das Unternehmen ist Projektentwickler für Industrie- und Logistikimmobilien in Europa und hat für Ifco das Projekt verwirklicht. Generalbauunternehmer war die Firma Goldbeck. Der Bau wurde trotz schwieriger Umstände im Zeitplan fertig, betonte Stefan Bohn. „In weniger als einem Jahr konnte die Immobilie fertiggestellt werden“, sagte er und betonte, es sei eine sehr grüne Immobilie, und das nicht nur wegen des grünen Außenanstrichs.

Überhaupt waren die Begriffe Nachhaltigkeit und Klimaneutralität in jeder Rede an diesem Mittag zu hören. Mit einer 900-Kilowatt-Pik-starken Solaranlage auf dem Dach soll möglichst viel benötigter Strom selbst erzeugt und der CO2-Ausstoß reduziert werden. Die Wärme werde über ein Blockheizkraftwerk und eine Wärmepumpe erzeugt. Weitere Dachflächen (etwa 11.000 Quadratmeter) seien begrünt. Um die Halle sollen weitere Grünanlagen mit Teich, Insektenhotels, Nistkästen und Areale für Bienen und andere Insekten entstehen. Und über die Bepflasterung könne Regenwasser versickern, erläuterte Stefan Bohn weiter. Lob gab es dafür auch von Bürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) und von Petra Dick-Walther (FDP), Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium. „Nachhaltigkeit ist die Gründungs-DNA ihres Unternehmens“, sagte sie. Das sei zukunftweisend.

Aldi ist neuer Kunde

Ifco stellt seinen Kunden – überwiegend Großhändler und Landwirte – wiederverwendbare Behälter aus Plastik für frische Lebensmittel zur Verfügung. Über 70 verschiedene Modelle habe es im Angebot, die über ein Pfandsystem von den Kunden genutzt werden können. Die zurückgegebene Kiste wird dann gereinigt und wieder in Umlauf gebracht. „Eine Kiste kann so im Schnitt bis zu 50-mal wiederverwendet werden“, erklärte Benjamin Mahmoud.

Gegründet wurde das Unternehmen vor 30 Jahren im bayerischen Pullach. Mittlerweile agiert es in 50 Ländern weltweit und hat rund 1250 Mitarbeiter. Im Dannstadter Logistikzentrum seien 70 weitere Arbeitsplätze entstanden. Die Belegschaft soll im ersten Quartal kommenden Jahres loslegen. Die Mitarbeiter werden die angelieferten Kisten annehmen, reinigen und wieder in Umlauf bringen. Hier in Dannstadt wird auch das erste Waschdepot von Ifco selbst in Betrieb genommen. Die anderen sechs Depots in Deutschland werden laut Mahmoud von Fremdunternehmen geführt.

Der Standort in Dannstadt sei für Ifco sehr attraktiv, sagte Benjamin Mahmoud im RHEINPFALZ-Gespräch. Zum einen sei man hier näher an den meisten Kunden dran. Der größte Kunde – der Pfalzmarkt – ist nur wenige Hundert Meter entfernt. Des Weiteren habe Ifco den Aldi-Konzern (Nord, Süd, Österreich und Schweiz) als Kunden gewinnen können. „Hier in Dannstadt werden ab April kommenden Jahres bis zu 95 Prozent der Transportkisten für Aldi-Süd angeliefert“, informierte der Standortleiter.

Bis zu 45 Lkw

Gut fürs Unternehmen. „Schlecht für uns“, wird vielleicht der eine oder andere Anwohner der Angelstraße und des Viehbachwegs denken. Die SPD-Fraktion hat die Befürchtung, dass diese Straßen als An- und Abfahrtsstraßen zum Gewerbegebiet genutzt werden, aufgenommen und im vergangenen Jahr die Verkehrsbelastung aufgrund der Ansiedlung kritisiert. Die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, denn noch ist nicht das ganze Gewerbegebiet und somit auch nicht die Straße erschlossen, die den von Süden kommenden und abfahrenden Verkehr aus dem Ort raushalten soll. Derzeit ist die offizielle Route für die Lkw die nördlich liegende Riedstraße, die dann über die Kreisel auf die Ludwigshafener und Neustadter Straße aus dem Ort und auf die Autobahnen führt.

Sensibilisiert für Ängste der Anwohner

Für diese Ängste ist der neue Standortleiter natürlich sensibilisiert. Er schätzt, dass täglich zwischen 40 und 45 Lkw die Halle anfahren. Diese werden dann entladen und verlassen wieder beladen das Gelände. In der Nachtschicht sei es maximal ein Lkw pro Stunde. „Es sind bis zu drei Unternehmen, die für uns die Ware fahren. Ihnen werden wir nur die offizielle und auch schnellere Anfahrtsroute mitteilen mit der Bitte, diese auch zu benutzen“, sagte er.

Eine andere Befürchtung war, dass aufgrund der Reinigung der Kisten möglicherweise zu viel und verschmutztes Wasser die Dannstadter Kanalisation belaste. „Das Wasser wird zunächst in einem Setzbecken abgelassen, das 20.000 Kubikmeter fasst. Darin werden wir regelmäßig die Belastung und den pH-Wert kontrollieren und gegebenenfalls anpassen“, erklärte Benjamin Mahmoud. Zudem gebe es behördliche Kontrollen. Aus dem Becken werde dann das Wasser in der maximal erlaubten Menge kontinuierlich in die Kanalisation geführt.

Und dann war da noch die Gewerbesteuer: Die SPD-Fraktion zweifelte daran, dass ein international agierendes Unternehmen mit seinen steuerlichen Möglichkeiten überhaupt einen Cent an Gewerbesteuern an die Kommune zahlen werde. Bürgermeisterin Winkelmann zweifelt daran nicht: Sie wünschte dem Unternehmen in ihrer Rede viel Glück, viel Umsatz sowie immer schwarze Zahlen und – mit einem Augenzwinkern – „immer hohe Abgaben von Gewerbesteuern“. Auch wenn Benjamin Mahmoud noch keine Umsatzzahlen nennen kann, ist auch er überzeugt, dass Steuergelder nach Dannstadt-Schauernheim fließen werden. „Wir haben eine eigene GmbH, die IFX, für diesen Standort gegründet, damit wir hier auch die Gewerbesteuer abführen“, sagte er.

Die Eröffnung war in der noch leeren Halle.
Die Eröffnung war in der noch leeren Halle.
x