Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Das Land ist bunt: Schwarz verliert, Rot und Grün legen bei dieser Wahl zu

Eine Wahl mit Farbwechsel im Kreis.
Eine Wahl mit Farbwechsel im Kreis.

Der Rhein-Pfalz-Kreis ist bunter geworden. Roter vor allem – zumindest beim Blick auf die Ergebnisse der Direktkandidaten in den einzelnen Gemeinden. Es grünt aber auch im Gemüsekreis.

Hatten bei der Bundestagswahl 2017 die beiden Christdemokraten Torbjörn Kartes und Johannes Steiniger in ihren jeweiligen Wahlkreisen in sämtlichen Kommunen die Nase vorn, so musste sich zumindest Kartes diesmal in der Mehrzahl der Gemeinden seinem sozialdemokratischen Mitbewerber geschlagen geben. Angetreten als amtierender Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 207 Ludwigshafen-Frankenthal, hat er das Rennen ums Direktmandat gegen seinen sozialdemokratischen Herausforderer Christian Schreider verloren. Nur in den Orten der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und in Fußgönheim hat er die Mehrheit der Stimmen bekommen. Da er auf der Landesliste nicht abgesichert ist, scheidet Kartes aus dem Parlament aus.

Steiniger setzt sich durch

Johannes Steiniger dagegen, CDU-Kandidat im Wahlkreis 208 Neustadt-Speyer, hat sich gegen Isabel-Mackensen-Geis (SPD) auch in den Kreisgemeinden durchsetzen können – einzige Ausnahme: Otterstadt. Somit wird er auch dem neuen Bundestag angehören. Mackensen-Geis wird voraussichtlich über die Landesliste ins Parlament einziehen. Mit Armin Grau wird im Übrigen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kandidat, der im Rhein-Pfalz-Kreis wohnt, künftig in Berlin vertreten sein. Der Grünen-Kandidat aus dem Wahlkreis 207 ist auf Platz vier der Landesliste und hat damit gute Chancen auf einen Sitz im Bundestag. Die Ergebnisse dieser Bundestagswahl rufen unterschiedliche Reaktionen hervor. Nicht nur begeisterte. Und über die K-Frage herrscht Uneinigkeit.

Peter Christ, Bürgermeister von Böhl-Iggelheim und CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender, erschüttert nur wenig. Selbst eine rotgefärbte Heimatgemeinde nicht. Die SPD hat hier bei der Bundestagswahl das Rennen gemacht, wie überhaupt im Wahlkreis. „Aber das Ergebnis ist keine Überraschung“, sagt Christ. „Zumindest bundespolitisch. Nach Kanzlerwechseln geht es immer sehr knapp zu.“ Dass Torbjörn Kartes nicht mehr das Direktmandat für die CDU geholt hat, findet er schade. „Und ich hätte mir etwas anderes gewünscht. Was auch sonst. Ein Bundestagsabgeordneter spielt schließlich eine starke Rolle.“ Um die CDU im Kreis macht er sich dennoch keine Sorgen. Hier sei man weiter gut aufgestellt. „Heute geht es um den Bundeskanzler. Und die Personen auf der bundespolitischen Bühne.“ Christ ist überzeugt, dass Armin Laschet einen guten Kanzler abgeben würde und durchaus noch eine Chance hat. „Er hat als Landesvater von NRW gezeigt, dass er mit schwierigen Mehrheitsverhältnissen arbeiten kann.“

Freude über SPD-Direktmandat

Für Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) ist das Ergebnis seiner Partei überraschend: „Ich hatte gehofft, dass der Abstand zur CDU ein paar Prozentpunkte mehr ist.“ Das macht er aber nicht an Olaf Scholz fest, an dessen Kanzlerschaft er glaubt: „Der wird mit Sicherheit ein guter Kanzler“. Seine Analyse: Möglicherweise habe das Schreckgespenst einer etwaigen Koalition der SPD mit der Linken einige Wählerstimmen gekostet. Erfreut ist er, dass sein Parteigenosse Christian Schreider das Direktmandat geholt hat. „Es ist gut für Ludwigshafen, aber auch für den Kreis, wenn wir mit einem SPD-Abgeordneten im Bundestag vertreten sind“. Mit Spannung schaut Schneider auf die Koalitionsverhandlungen: „Die kleinen Parteien spielen da groß mit.“ Wichtig sei, dass die SPD ihrem Wahlprogramm treu bleibt und nicht das Gesicht verliert.

„Sehr zufrieden“ ist Jürgen Creutzmann mit dem Abschneiden der FDP. Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen sagt: „Die FDP wird gebraucht, wir können uns einbringen.“ Es werde auf Bundesebene eine Koalition auf Augenhöhe geben, prophezeit der frühere Europa-Abgeordnete. Wichtig ist für ihn auch, dass der Unterschied der Stimmenanteile zwischen FDP und Grünen nicht so groß sei. Auch das Ergebnis der FDP auf Kreisebene sei „sehr ordentlich“, sagt Jürgen Creutzmann und freut sich darüber, dass die beiden Direktkandidaten der FDP in den beiden Wahlkreisen ebenfalls sehr gut abgeschnitten hätten. „Wir haben sehr viel Zuspruch bekommen und eine ganze Anzahl neuer und junger Mitglieder“, berichtet er aus den Erfahrungen der letzten Monate.

Chance für Armin Grau

„Wir haben das beste Ergebnis, dass wir jemals hatten. Klar wünscht man sich immer ein bisschen mehr, aber ich bin sehr zufrieden“, sagt Elias Weinacht (Grüne). „Wir haben sehr starke Zugewinne gegenüber der letzten Bundestagswahl und damit einen klaren Planauftrag, für Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit einzutreten.“ Was den Grünen-Fraktionschef im Kreistag besonders freut: Armin Grau hat gute Ergebnisse im Wahlkreis 207 eingefahren. Und zwar so gute, dass er wohl über die Landesliste in den Bundestag einziehen wird. „Damit hätten wir mit Armin Grau als Altriper einen Abgeordneten aus dem Rhein-Pfalz-Kreis in Berlin. Das finde ich schon sehr stark. Und ich bin mir sicher, dass er unsere Themen dort gut vertreten wird.“

Stefan Scheil aus Neuhofen, Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag, ist selbst als Direktkandidat seiner Partei im Wahlkreis 207 angetreten. Mit seinem Ergebnis von 11,8 Prozent der Erststimmen ist er nicht ganz zufrieden, hatte er sich doch mehr vorgenommen. Seine Partei sei jedoch im Wahlkampf angefeindet worden, meint er.

„Zuspruch im Wahlkampf“

Patrick Kunz, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Bezirksvereinigung Rheinhessen-Pfalz der Freien Wähler, wertet das Ergebnis der Freien Wähler bei der Bundestagswahl als Erfolg. Nachdem seine Partei im Frühjahr erstmals in den Landtag einzog, hat sie in den Wahlkreisen 207 und 208 nun auch bei der Bundestagswahl zugelegt. „Wir haben schon im Wahlkampf viel Zuspruch bekommen“, sagt der 44-jährige Schifferstadter, der von Aufwind für die Freien Wähler spricht.

Wer wählt denn da? Schnappschuss aus dem Wahllokal.
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Trotz hohen Briefwahlanteils wählten viele auch vor Ort.
Trotz hohen Briefwahlanteils wählten viele auch vor Ort.
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