Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Das große Krabbeln: Anwohner sprechen von Ameisenplage

Kommt in Otterstadt vor: die Ameisenart „Tapinoma magnum“ – hier ist ein Präparat zu sehen.
Kommt in Otterstadt vor: die Ameisenart »Tapinoma magnum« – hier ist ein Präparat zu sehen.

Sandhäufchen auf Gehwegen, Straßen und Plätzen, dazwischen kleine dahinwuselende Ameisen. Im Speyerer Umland häufen sich diese Meldungen, von einer Plage ist die Rede. Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

Birgit Reichert sprach zuletzt in einer Ratssitzung in Otterstadt von einer beängstigenden Situation. Sie berichtete von Ameisen – zahlreichen Ameisen in der Guidostraße/Ecke Stickelpfad, am Königsplatz und an der Sommerfesthalle. Sofort kamen den Ratsmitgliedern die Meldungen aus Limburgerhof vom vergangenen Jahr in den Sinn: „Invasion der Ameisen: Verwaltung und Bürger alarmiert“, hieß es damals. Der Bürgermeister sprach von einem „massiven Ameisenbefall“, Gehwege wurden unterhöhlt, Superkolonien breiteten sich aus. Auch im badischen Ketsch war die Rede von Tausenden Ameisen, die sich rund um den Friedhof breitmachten und schätzungsweise ein Gebiet von zirka 90.000 Quadratmetern befielen.

In Otterstadt schätzt Thomas Hauser, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, die Lage noch nicht als dramatisch ein. Er hat sich kundig gemacht und die Ameisenart als „Tapinoma magnum“ identifiziert. Es ist dieselbe Art, wie sie in Limburgerhof vorkam. Sie bilde Superkolonien, die auf einer Fläche von bis zu einem Quadratkilometer zusammenleben könnten, sagt Hauser. Da nicht ausgeschlossen ist, dass die Ameisenart noch anderswo in der Verbandsgemeinde vermehrt auftaucht – die Rede war auch von Neuhofen – soll in der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung Anfang Juni mit den Ortsbürgermeistern das weitere Vorgehen besprochen werden.

Fachfirmen bekämpfen Ameisen-Superkolonien mit heißem Wasserschaum, um zu verhindern, dass sich die kleinen schwarzen Tiere weiter unkontrolliert ausbreiten. Hauser zufolge wird pro Anwendung mit Kosten in Höhe von rund 1650 Euro gerechnet. Die betroffenen Kommunen in der Verbandsgemeinde Rheinauen müssen daher für den öffentlichen Raum entscheiden, ob ein Schädlingsbekämpfer beauftragt werden soll, um das Ameisenvorkommen einzudämmen.

Mehrere Bekämpfungsideen

In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen war ein Schädlingsbekämpfer schon im Ameisen-Einsatz. Fachbereichsleiterin Simone Brill berichtet von einem Objekt in Römerberg, das sich im Besitz der Ortsgemeinde befinde. Dort komme die Ameisenart „Braune Wege“ vor, die aktiv werde, sobald es warm wird.

Eine Meldepflicht gibt es in diesem Fall nicht. Die Kreisordnungsbehörde sei nur zuständig, wenn es sich um einen Gesundheitsschädling handele. Dazu zähle die Pharaoameise. Laut Umweltbundesamt kann sie in Lebensmittelgeschäften, Krankenhäusern, Tierhaltungen sowie Privathäusern und Hotels vorkommen und hat eine Größe von etwa zwei Millimetern. Dem Kreisordnungsamt ist aktuell nicht bekannt, dass diese Ameisenart im Rhein-Pfalz-Kreis auftritt.

Nach Angaben der Kreisverwaltung fallen Ameisenplagen grundsätzlich in die Verantwortung der Grundstückseigentümer. Das heißt: Für private Flächen sind die Eigentümer verantwortlich, für öffentliche Flächen ist es die Kommune. Sie kommt auch ins Spiel, wenn ganze Wohngebiete betroffen sind. Dann koordiniere die Gemeinde die Bekämpfung, heißt es von der Kreisverwaltung. In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen weiß die Gemeinde nur von dem genannten Gebäude, weitere Ameisen-Meldungen gibt es aber aus der Querstraße und der Heiligensteiner Straße.

Spuren von Ameisen: die Querstraße in Römerberg-Heiligenstein.
Spuren von Ameisen: die Querstraße in Römerberg-Heiligenstein.

Hansjörg Heß aus Speyer kennt sich mit Schädlingen aus. Er bekämpft sie und nennt Granulat und Gelee als weitere Wirkstoffe, um eine Ameisenplage einzudämmen. Warum Tiere an manchen Stellen vermehrt vorkommen und anderswo nicht, kann der Schädlingsbekämpfer nicht sagen. Eine allgemeine Erklärung gebe es nicht. Die Tiere könnten auch nicht dauerhaft beseitigt werden. Ziel sei es aber, dass sie nicht in Wohnräume kommen. Die Situation an dem Gebäude in Römerberg, das er im Auftrag der Gemeinde noch kontrolliere, bezeichnet er als normalen Ameisenbefall. Außergewöhnlich war dagegen die Plage in Bobenheim-Roxheim im Jahr 2017, als nahe dem Bahnhof ein ganzes Viertel mit mehreren Häusern von Ameisen befallen war.

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