Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeister Schneider geht in den Ruhestand

Schon kurz nach der Wahl im März 2007 wird Hans Dieter Schneider das „Steuer“ fürs Verwaltungsschiff überreicht.
Schon kurz nach der Wahl im März 2007 wird Hans Dieter Schneider das »Steuer« fürs Verwaltungsschiff überreicht.

In Mutterstadt stinkt’s, und der Ort ist eine Autobahn für den Schwerlastverkehr – so haben wohl viele Bürger ihre Gemeinde beschrieben, als Hans-Dieter Schneider (SPD) im Juli 2007 das Bürgermeisteramt übernahm. Heute ist das kaum noch ein Thema. Unter seiner Ägide hat sich aber noch viel mehr verändert. Am Freitag verabschiedet sich der Bürgermeister, der den Ort nachhaltig geprägt hat. Es geht in den (Un-)Ruhestand.

War der Schwerlastverkehr erst einmal aus dem Ort verbannt, konnte auch der Ortskern saniert werden. Aufenthaltsqualität war das große Stichwort. „Tausendmal besser als zuvor“, ist Hans-Dieter Schneiders Lieblingszitat eines Bürgers. Grund für die Zufriedenheit war auch die breite Bürgerbeteiligung. Unter Schneider wurden die Mutterstadter in den zentralen Fragen der bedeutenden Umgestaltung eingebunden. Ein Muss bei solchen Entscheidungen, meint er. Aber auch bei kleinen Projekten, die nicht alle betreffen, ist es ratsam, die Betroffenen vor Ort mit ins Boot zu nehmen, sagt er heute rückblickend. In Zukunft werden dabei wohl auch die sozialen Medien eine Rolle spielen. Die Zeiten ändern sich und mit ihr die Wege.

Etwa als Hans-Dieter Schneider 1989 in den Mutterstadter Gemeinderat gewählt wurde, denn das sei Zufall gewesen. Sein Vater war für die SPD im Rat. Als Sohn wachse man da dann so hinein, hilft mal beim Waldfest mit – und als studierter Grafik-Designer natürlich auch beim Wahlkampf. Vor der Kommunalwahl 1989 wurde er gefragt, ob er sich aufstellen lassen möchte. „Ich willigte ein, denn die SPD hatte damals zehn bis elf Ratssitze, und ich war auf einem recht aussichtslosen Platz 18.“ Was er aber nicht realisiert hatte, war, dass das erste Mal bei den Wahlen kumuliert und panaschiert werden konnte. „Und plötzlich war ich auf Platz acht. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet.“

Politik löst Handball ab

Doch wenn er etwas macht, dann voll und ganz. Als Neuling wurde er zwar zunächst in die nicht so wichtigen Ausschüsse geschickt. „Aber ich bin dennoch als Zuhörer in die wichtigen, in den Haupt- und Finanzausschuss und in den Bauausschuss gegangen.“ So war er auf dem neuesten Stand, was wo wie geplant war. „Die Kommunalpolitik wurde mein neues Hobby, ich war 34 Jahre alt – die aktive Sportzeit war vorbei“, erzählt er. Hans-Dieter Schneider spielte Handball bei der TSG Mutterstadt. Es gefiel ihm mehr und mehr, im Ort konkret mitgestalten zu können. „Das ist auch das Reizvolle am Bürgermeisteramt – man wird unmittelbar gemessen an dem, was man sagt.“

Die Partei merkte schnell, was sie an ihm hat: Er wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender, stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender (1992) und 1997 dann Erster Beigeordneter. Er durchlief die Schule der Kommunalpolitik von der Pike auf. Der Wechsel vom Beigeordnetenstuhl in den Bürgermeistersessel ist oft der logische Schritt. „Dennoch konnte ich mir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen“, erzählt er. Doch als 2007 sein Vorgänger Ewald Ledig (FWG) ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit gesundheitsbedingt sein Amt aufgab, richteten sich alle Blicke auf ihn. Letztlich habe es gut gepasst, auch im Unternehmen seines Arbeitgebers. Hans-Dieter Schneider arbeitete bis zu diesem Zeitpunkt als Prokurist bei der Werbeagentur BFW in Neustadt.

Und auch die Familie zog mit. Seine Frau Karin begleitete ihn bereits zu öffentlichen Terminen, die er als Beigeordneter besuchte. Doch mit den Jahren übernahm Hans-Dieter Schneider immer mehr Ämter über die Gemeinde hinaus – im Kreistag, für die Metropolregion oder die Sparkasse. Und er pflegte Kontakte zur Landesregierung, vor allem um Zuschüsse für Mutterstadt zu bekommen. „Man muss über den Tellerrand blicken“, betont er.

Stimmung wahrnehmen

Das ist viel Arbeit, die kaum alleine zu schaffen ist. „Ich musste auch delegieren lernen“, sagt er. Und er ist froh, ein so gutes Team in der Verwaltung an der Seite gehabt zu haben. Er ist Chef von etwa 180 Mitarbeitern. „Deren Respekt musste ich mir auch erarbeiten, der ist kein Automatismus.“ Zusammen mit dem Personalrat habe er schnell die Leistungszulage für seine Mitarbeiter eingeführt und immer wieder Gespräche geführt.

Die Stimmung wahrnehmen – das sei für ihn ein wichtiger Teil seiner Arbeit in vielen Bereichen. Bis heute gehe er zu seinem Handballer-Stammtisch. Dort werde Tacheles geredet von einer Truppe, die den Schnitt der Mutterstadter gut widerspiegele. „So manches Mal bekam ich da eine Idee davon, mit welchen Kompromissen die Leute leben könnten“, sagt er. Kompromissbereitschaft und Diplomatie bestimmten seinen Führungsstil, er fügt noch „verbindlich“ an. Es war ihm immer wichtig, alle Fraktionen einzubinden, das Positive aus den Vorschlägen mitzunehmen und einen für alle tragbaren Mittelweg zu finden. Jemanden vor den Kopf stoßen – „das ist nicht meins“, sagt er.

Wonach Hans-Dieter Schneider immer strebte, war, sich bei allen Themen akribisch einzulesen und zu informieren. „Nie wollte ich in die Situation kommen, dass mich ein Bürger etwas zu einem Projekt fragt und ich nicht weiß, um was es geht.“ Er gibt zu, er habe gern die Kontrolle gehabt, aber vor allem, weil er den Job gern machte. Dabei verschwamm mitunter die Grenze zum Workaholic, da habe er aufpassen müssen. „Als Bürgermeister ist man ja immer im Dienst.“ Rückblickend sagt er auch: „Ab und zu ist die zeitliche Belastung für die Familie grenzwertig gewesen – darum bin ich sehr dankbar, dass meine Familie das immer mitgetragen hat.“ Und Tochter Isabel Schneider ist sogar früh in seine Fußstapfen getreten und selbst Kommunalpolitikerin geworden.

Die Zeit mit der Familie war es auch, in der er auch mal abschalten konnte. „Zum Glück kann ich in sehr geringer Zeit gut abschalten.“ Viel Energie holte er aus lobenden Rückmeldungen. „Dann wird die Arbeit positiver Stress.“ Aber klar gab es auch Kritik, die er sich zu Herzen nahm. Als Ortschef kann man es nicht jedem recht machen, denn man muss das Allgemeinwohl im Blick haben. „Wichtig ist aber eine positive Grundstimmung. Die Bürger müssen wissen, dass sie mit einem reden können.“

Kein abruptes Ende

Dass ihm das alles unterm Strich gut gelungen ist, zeigten ihm die Mutterstadter bei seiner Wiederwahl 2015. „Das Traumergebnis von 94,9 Prozent der Stimmen war für mich ein toller Augenblick.“ Und Rückenwind. Brennende Themen in seiner Amtszeit waren die Anliegen der Vereine und der Verkehr – und dieser in allen Facetten: Verkehrs-, Schul- und Radwege, aber auch der ÖPNV. Ein weiteres, anhaltendes Thema ist die Kinderbetreuung, für das der Kindercampus an der Pestalozzi-Grundschule der große Wurf sein soll. Die landesweite prekäre Lage bei den Kita-Plätzen und dem Personal betrifft auch Mutterstadt – ein Arbeitsauftrag, den er seinem Nachfolger Thorsten Leva (SPD) weitergibt, ebenso wie das Südspangen-Projekt und die Fertigstellung der Renovierung der neuen Pforte mit Bibliothek und Jugendtreff. Mit dem neuen Bürgermeister verbindet ihn nicht nur die Partei, sondern auch der Handball. „Wir beide sind Teamplayer“, sagt er. Selbstredend, dass Hans-Dieter Schneider mit der Wahl der Mutterstadter mehr als zufrieden ist.

Ein abruptes Ende wird es für ihn ab kommendem Montag nicht geben. Die Ämter im Kreistag, bei der Metropolregion oder der Sparkasse möchte er weiterführen. „Die Metropolregion ist mein Hobby geworden, dort entscheidet sich vieles, was in unserer Region gemacht wird“, sagt er. In den Mutterstadter Gremien werde man ihn aber nicht sehen. Doch: „Wenn mein Rat gebraucht wird, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.“ Nun möchte er mehr Zeit mit der Familie verbringen, mit seiner Frau verreisen und sich noch mehr um die Enkeltochter kümmern, die nun in die Schule kommt. Sie habe ihn schon für ein neues Amt verpflichtet: „Sie erzählt überall herum, dass der Opa mit ihr die Hausaufgaben macht.“

Termin

Am Freitag, 30. Juni, um 19 Uhr findet im Palatinum die Ernennung, Vereidigung und Einführung des designierten Bürgermeisters Thorsten Leva und die Verabschiedung von Bürgermeister Hans-Dieter Schneider statt.

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