Auf ein Wort am Lieblingsort
Aus Heimatverbundenheit ist Andrea Franz Erste Beigeordnete geworden
Den Charme eines Parks hat er schon – der Alte Friedhof, der einer von Andrea Franz’ Lieblingsorten in Mutterstadt ist. An einem sommerlichen Tag lädt die Erste Beigeordnete dorthin zum RHEINPFALZ-Gespräch ein. Das grüne Fleckchen unweit der Ortsmitte ist in der warmen Jahreszeit besonders schön – hier und da vereinzelte alte Gräber, ein paar etwas üppiger angelegt, historische Grabmale, viel Grün, schattenspendende Bäume und Bänke zum Verweilen. Wer weiß, ob es Andrea Franz noch erleben wird, dass der Alte Friedhof ein Park wird. Und das liegt mitnichten an ihrem Alter von gerade einmal 57 Jahren. Es ist ein Projekt, das wohl noch auf etliche Jahre angelegt ist, denn die Umsetzung ist nicht planbar. Noch gibt es hier „aktive“ Familiengräber.
Ein schönes Fleckchen ist es schon jetzt, auch weil die Gemeinde, und damit auch sie als zuständige Beigeordnete, öfter hier nach dem Rechten schaut. Etwa, wenn eine Bank aufgestellt wird oder ein Bereich freigelegt und neu bepflanzt wird. Friedhöfe waren von Anfang an ihr Ressort als Erste Beigeordnete. „Das klingt jetzt ein bisschen komisch“, sagt sie und lacht, „aber ich habe schon eine besondere Beziehung dazu, wahrscheinlich weil meine Eltern so früh verstorben sind.“ Andrea Franz’ Offenherzigkeit ist mit Sicherheit ein Grund für ihre große Beliebtheit im Ort.
Der Spaß kam mit der Arbeit
Und sie kann sehr gut mit Menschen, schon von Berufs wegen. Die Bankkauffrau arbeitet im Kundenservice der VR Bank Rhein-Neckar in Mutterstadt. Da muss sie nicht nur ein Faible für Zahlen haben, sondern vor allem kommunikativ sein. „Und das bin ich wirklich“, sagt sie frei raus. Das bedeute aber auch, dass sie auch „mal meckert“, wenn ihr was nicht passt. Das wiederum weckte vor etwa 20 Jahren die Aufmerksamkeit von Hans-Dieter Schneider (SPD), mittlerweile Altbürgermeister. Auf einer Geburtstagsfeier habe er sie angesprochen, ob sie sich für die SPD im Gemeinderat engagieren möchte. „Ich dachte, warum nicht, man kann ja nicht nur meckern.“ Mit Listenplatz zehn bei der Kommunalwahl malte sie sich allerdings wenige Chancen aus. Doch viele Mutterstadter wählten sie direkt. Und so habe sie am Wahlabend ganz verblüfft auf der Couch gesessen und ihrem Mann offenbart: „Ich bin jetzt im Gemeinderat!“
Am Anfang habe sie Respekt vor der Herausforderung gehabt: „Ich hatte ja keine Ahnung von Ratsarbeit“, sagt sie. Also ging Andrea Franz in jede Ausschusssitzung, erst als Zuhörerin, dann als Mitglied in einigen Gremien. Die Ratsarbeit machte ihr immer mehr Spaß. „Man kann so viel erreichen, und es erweitert den Horizont“, sagt sie. Als 2014 ihr Vorgänger Klaus Leicht nicht mehr für das Amt der Ersten Beigeordneten kandidierte, fragte man sie, ob sie sich das Amt für sich vorstellen könnte. Sie konnte. Auch weil ihr Mann sowie ihr Arbeitgeber hinter ihr standen.
Weniger Zeit für Hobbys
Andrea Franz ist in Mutterstadt aufgewachsen – „und ich möchte auch nie wegziehen“, gesteht sie. Ihr Verein im Ort ist die TSG Mutterstadt. Lange Jahre war sie in der Gymnastikgruppe aktiv. Und sie hat viele Jahre in Bands gesungen: „Erst bei den Feedbacks und dann bei der Kerwe-Band Mutown“, erzählt sie. Theoretisch kann sie also den Jubilaren, die sie an deren Ehrentagen besucht, ein Ständchen trällern. „Die Zeiten sind vorbei“, winkt sie ab.
Heute sind die Hobbys ruhiger und weniger geworden, die Zeit fehle einfach. Sie reist und radelt gern mit ihrem Mann Stefan Franz. Niederlande, die Normandie und Mutterstadts Partnergemeinde Naturns in Südtirol sind ihre Lieblingsziele, an denen sie zusammen ausspannen, meist in Ferienwohnungen: „Im Urlaub möchte ich mal keinen Termin und keine Kleiderordnung haben“, sagt sie. Verständlich, ist ihr Terminkalender doch meist voll: Drei Tage arbeitet die Beigeordnete in der Bank, an den anderen Wochentagen widmet sie sich dem Amt, oft auch am Wochenende.
Respektvolles Miteinander
„Es sind zwei Welten“, sagt sie. In der Welt der Beigeordneten, in der sie seit zehn Jahren ist und noch mindestens fünf Jahre bleiben möchte, habe sie sich oft in ihr fremde Themen eingearbeitet. „Dabei wurde ich immer unterstützt – von der Verwaltung und von den Kollegen.“ Darüber sei sie dankbar und froh. Auch, dass im Gemeinderat respektvoll diskutiert werde und oft einvernehmlich Kompromisse gefunden werden. „Wäre es anders, würde ich das Ehrenamt wohl auch nicht weiter machen.“
Ihr erstes Ressort war „Umwelt, Land- und Forstwirtschaft“, dann kam unter anderem „Soziale Infrastruktur“ dazu. Für die Spielplätze ist sie zuständig. In ihrer Amtszeit wurde unter anderem der Spiel- und Bolzplatz am Speyerer Weg umgestaltet und renoviert. Der Jugendtreff war lange ihr Sorgenkind. Dieser wurde vor mehr als vier Jahren geschlossen. Die Umstände der Renovierung haben sich immer wieder negativ verändert. „Wie oft mussten wir die Eröffnung verschieben“, hadert sie. Doch noch vor den Herbstferien soll es endlich so weit sein. Mit dem neuen Leitungsteam ist sie zufrieden. „Wir konnten ihnen guten Gewissens bei der neuen Einrichtung freie Hand lassen“, erzählt sie. Obwohl sie eigentlich „ein kleiner Kontrollfreak“ sei. Und manchmal ungeduldig. Auch das habe sie im Amt gelernt. „Die Dinge brauchen oft Zeit, wenn man sie richtig und gut machen möchte.“ So wie der Kindercampus oder eben die stetige Verwandlung des Alten Friedhof zu einer Stadtpark-Oase.
Die Serie
Sie sind Spezialisten für ihre Fachbereiche und halten den Bürgermeistern oft den Rücken frei: die Beigeordneten. In der Serie „Auf ein Wort am Lieblingsort“ treffen wir sie abseits von Sitzungssaal, Paragrafen und Vorschriften.