Fussgönheim
100 Tage im Amt: Viel Arbeit für Bürgermeisterin Heike Seifert-Leschhorn
Im Vergleich zu 30 Jahren sind 100 Tage wahrlich nicht viel. Aber diese relativ kleine Zeitspanne ist in diesem Fall doch eine Erwähnung wert. Denn die ersten 100 Tage als Bürgermeisterin der Heimatgemeinde, da darf man schon etwas genauer hinschauen. Da kommen auch die 30 Jahre ins Spiel. Denn so lange ist Heike Seifert-Leschhorn schon in der Region zu Hause. Und seit Juli ist die Christdemokratin, die aus dem nordhessischen Eschwege stammt, eben auch die Chefin im Ort.
Im Gegensatz zu ihrem Amts- und Parteikollegen im benachbarten Birkenheide, Gary Kuhn, seien ihr die Sommerferien direkt nach der Übernahme der Amtsgeschäfte gerade recht gekommen, meint die 58-Jährige. „Das hat mir die Gelegenheit gegeben, die Themen aus dem Gemeinderat, die schon beschlossen waren, aufzuarbeiten.“ Dazu sei noch das Tagesgeschäft gekommen – die Grundreinigung der Schule, der Grünschnitt ... Über mangelnde Beschäftigung habe sie sich trotz der Ferien nicht beklagen können.
Zwei große Themen
Zusätzlich seien dann auch noch gleich zwei große Themen bei ihr aufgeschlagen. Eltern und Lehrer seien mit dem Wunsch an sie herangetreten, einen zusätzlichen Klassenraum für die Grundschule zu schaffen. „Das haben wir leider nicht hinbekommen“, sagt sie. Allerdings ist der Nachfolgerin von Jochen Schubert (FWG) ein Umstand zugute gekommen, über den man sich als Bürgermeisterin normalerweise nicht freut. Denn die Anzahl der Kinder sei auf einmal auch deutlich geringer gewesen, meint Heike Seifert-Leschhorn. Denn die Familien von drei Kindern seien aus Fußgönheim weggezogen, was per se selbstverständlich nicht schön sei. Aber in diesem Fall hat es eben geholfen. „Das hat die Stimmung in Sachen zusätzlicher Klassensaal entlastet“, sagt sie diplomatisch.
Wobei sich Abhilfe ohnehin nicht von jetzt auf gleich hätte schaffen lassen können. „Es ist ja nicht einfach damit getan, Container zu bestellen und hinzustellen. Im Prinzip reden wir dabei darüber, dass ein kleines Fertighaus zu bauen ist“, erläutert Seifert-Leschhorn. Sie verweist in dem Zusammenhang darauf, dass bei solch einem Projekt ja alle möglichen Anschlüsse zu den Containern gelegt werden müssten. Mit ein, zwei Jahren Fertigungszeit müsse man da schon rechnen.
Dauerthema Brücken
Das zweite Thema kannte sie noch gut aus ihrer Zeit als Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat: die maroden Brücken bei den Feldwegen. „Gleich zu Beginn der Amtszeit ist die erste gebröckelt“, erinnert sie sich und lacht. Nicht lustig ist dagegen, dass das Thema die Gemeinde sowie deren politische Gremien wohl noch länger beschäftigt.
Nachdem die ersten beiden Brücken schon abgerissen worden sind, hatten die Freien Wähler in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats beantragt, den Abriss der anderen beiden Brücken, die der ursprüngliche Auftrag einschloss, zu stoppen, um einen möglichen Erhalt noch mal zu prüfen. Dem Antrag, habe der Rat auch stattgegeben, berichtet Seifert-Leschhorn. Jetzt müsse man den alten Beschluss anpassen und auch entsprechend die Verträge mit den beteiligten Firmen. Sie befürchtet, dass da auf die Gemeinde noch Kosten zukommen werden.
Die Bürgermeisterin sagt aber auch ganz klar, dass sie nicht dafür haften möchte, wenn jemandem durch marode Brücken etwas passiere. Und so ist zum Beispiel die Brücke über den Schwabenbach gesperrt. Auch hier wird es für die Gemeindekasse nicht billig. „Die Einrichtung der Sperrung hat 2500 Euro gekostet. Dazu kommt die tägliche Kontrolle“, sagt Seifert-Leschhorn. Über 3000 Euro seien so schon an Kosten entstanden, rechnet sie vor.
Leichter Perspektivwechsel
Dass sie jetzt vorne an der Stirnseite sitze und nicht mehr bei der Fraktion, sei kein Problem, meint die Bürgermeisterin. „Für mich persönlich ist es leichter, wenn ich von vorne etwas steuern kann. Und die Themen bleiben ja gleich. Von daher ändert sich auch nicht viel an der Perspektive“, sagt sie. Allerdings sei es spannend, zu sehen, wie sich in den kommenden Jahren Mehrheiten für die Themen finden. Die FWG ist mit neun Sitzen stärkste Fraktion im Rat nach der Kommunalwahl im Sommer. Die CDU hat sechs und die SPD fünf Sitze.
Nach der ersten Ratssitzung, in der sie vereidigt wurde, habe sie das Glas Sekt hernach genossen, betont sie. Und das, obwohl sich der Gemeinderat in dieser Sitzung außerstande sah, sowohl eine Geschäftsordnung als auch eine Hauptsatzung zu verabschieden. Das kam erst nach den Sommerferien. „Eine Stunde vor der ersten Sitzung war eine Tagesordnung im Umlauf, auf der auch die Vereidigung der neuen Bürgermeisterin nicht drauf stand“, verrät sie. Nun gut, dieser Super-Gau ist zum Glück nicht eingetreten.
Zwei Vorgänger im Rat
Dass mit Jochen Schubert und Marie-Luise Klein (SPD) gleich zwei ihrer Vorgänger im Amt des Bürgermeisters im Gemeinderat sitzen, sehe sie relativ gelassen. „Ich habe früher im Projektmanagement gearbeitet. Da habe ich gelernt, dass das Umfeld nun mal so ist, wie es ist.“ Die Erfahrungen der beiden wolle sie gerne mitnehmen.
Ein weiterer Gegensatz zu Gary Kuhn in Birkenheide: Heike Seifert-Leschhorn hat sich schon dran gewöhnt, dass die Leute sie als „Frau Bürgermeisterin“ ansprechen. Na ja, viele würden sie auch einfach „Heike“ rufen.
Worüber sie sich freut, ist, dass sie die Bürger der Gemeinde offen auf die Probleme im Ort ansprechen. Das passiere schon mal, wenn sie unterwegs sei, Brötchen zu holen. „Es kann passieren, dass ich mir die Probleme merke, aber dann vergesse, die Brötchen zu holen“, sagt sie und lacht.
Unerledigt ist unbefriedigend
Es sei ein arbeitsreiches Ehrenamt, sagt Heike Seifert-Leschhorn. Über 40 Stunden kämen pro Woche schon zusammen. „Mehr Zeit, als ich gerade pro Woche in das Amt stecke, geht nicht“, sagt sie. Ja, manches bleibe dann unerledigt, was für sie nicht befriedigend sei. Da habe sie sich schon vorgestellt, dass sie besser mit der Arbeit rumkomme.
Diese wird ihr in den kommenden Jahren nicht ausgehen. „Weniger diskutieren, mehr machen“, gibt sie als Devise für die künftige Arbeit in den politischen Gremien aus. Und genauer arbeiten. Denn Beschlüsse seien teilweise zum einen schlecht weitergegeben oder ungenau gewesen. Das Gute-Kita-Gesetz müsse umgesetzt werden, die Arztpraxis in der Mehrzweckhalle muss fertig werden, Radwege sollen ausgebaut werden, neue Impulse für die Kerwe wolle sie setzen. Und dann müsse man den Schilderwald in den Straßen der Gemeinde in den Griff bekommen. Ja, über Langeweile wird sie sich auch in der kommenden Zeit nicht beklagen können.