Pirmasens
Pirmasens setzt auf Integrationsmanager: So will die Stadt Integration weiter fördern
Rüdiger Dahl berichtet gemeinsam mit Gustav Rothhaar, dem Leiter des Sozialamts, über die Arbeit als Kim (Kommunaler Integrationsmanager).
Was macht ein Kim?
„Ein kommunaler Integrationsmanager knüpft und erweitert Netzwerke, die es geflüchteten Menschen ermöglichen, Teil der Stadtgesellschaft zu werden“, fasst Dahl seine Aufgaben zusammen. Ziel sei es, nachhaltige Strukturen zu schaffen, die auf den ersten Schritten der Integration aufbauen, ergänzt Rothhaar. Der Kim ergänze und verstärke dabei die bereits bestehende Integrationsarbeit der Stadt.
Wann wird der Kim aktiv?
Gemäß dem Pirmasenser Weg, dem Integrationskonzept der Stadt, werden zugewiesene Asylbewerber bei ihrer Ankunft dezentral in Wohnungen untergebracht und direkt in einen Basis-Integrationskurs eingebunden. Parallel zum Kurs üben sie sogenannte Ein-Euro-Jobs, beispielsweise als Stadtgärtner, aus. Läuft das gut und liegt eine Arbeitserlaubnis vor, werden die Geflüchteten zeitnah in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt. Damit komme für viele auch eine neue Wohnung einher, womit sie aus dem Blickfeld des Sozialamts verschwinden, so Rothhaar – „doch die Integration soll hier nicht aufhören.“ Da komme der Kim ins Spiel.
Wobei unterstützt der Kim konkret?
Ein Hauptproblem bei der Integration seien oft fehlende Sprachkenntnisse: „Die Sprache ist der Schlüssel zu allem“, sagt Dahl. Der Basis-Integrationskurs sei kein Ersatz für umfassenden Sprachunterricht. Viele Geflüchtete wollten zudem eine Ausbildung beginnen oder den Führerschein machen, berichtet Rothhaar weiter. Hier unterstütze der Kim und vermittle über sein Netzwerk passende Angebote. Geflüchtete Familien sollen auch weiterführend begleitet werden: Sind die Kinder in der Kita oder der Schule? Gibt es familiäre Schwierigkeiten? Der Kim organisiere zudem Treffen, etwa mit dem Stadtsportverband oder dem Beirat für Integration und Migration, um sein Netzwerk zu stärken und Vorschläge zur Verbesserung anzunehmen, ergänzt Dahl.
Wie erreicht man den Kim?
Der Kontakt läuft in der Regel über das Sozialamt. In den meisten Fällen sei es jedoch umgekehrt, sagt Rothhaar: „Durch eine frühe und enge Betreuung der Geflüchteten treten wir meist proaktiv an Einzelpersonen oder Familien heran, die Unterstützung benötigen könnten.“
Was erleichtert die Integration in Pirmasens?
Der Wohnungsmarkt in Pirmasens sei ein Vorteil: „Wohnungen für Geflüchtete können hier schneller gefunden werden“, sagt Dahl. Die dezentrale Unterbringung fördere den Kontakt zu Nachbarn und schaffe erste Anknüpfungspunkte in der Gesellschaft. Zudem helfe die enge soziale Struktur der Stadt – „hier kennt jeder jeden.“
Welche Herausforderungen und Grenzen gibt es?
In Pirmasens gebe es viele sozial schwache Menschen, die häufig eine geringere Bereitschaft zeigten, Geflüchtete zu akzeptieren, so Dahl. Grenzen seien erreicht, wenn Asylbewerber trotz wiederholter Angebote keine Unterstützung annehmen wollen, so der Kim. „Solche Fälle kommen in Pirmasens jedoch vergleichsweise selten vor“, ergänzt Rothhaar.
Welche Qualifikationen braucht ein Kim?
„Ein kommunaler Integrationsmanager wird nicht ausgebildet – die Person muss bereits über die notwendigen Kompetenzen verfügen“, sagt der Leiter des Sozialamts. Gefordert seien umfassende Erfahrung im sozialen Bereich sowie ein weit verzweigtes Netzwerk in der Stadt. Diese Eigenschaften lassen sich laut Rothhaar nicht durch eine Ausbildung erlernen. Rüdiger Dahl ist seit 2013 im sozialen Bereich der Stadt tätig und kenne die Akteure und Strukturen in Pirmasens sehr gut. „Man muss die Arbeit mögen, sonst wird das nichts“, sagt er.
Wie wird die Stelle finanziert?
Die Finanzierung der Stelle wird größtenteils vom Land getragen: Anteilig für das Jahr 2025 erhielt die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 10.500 Euro. Für 2026 stellt das Integrationsministerium laut Staatssekretär Janosch Littig (Grüne) 63.000 Euro in Aussicht.
Wie wird der Erfolg gemessen?
Da Pirmasens zu den Vorreitern des Programms gehöre, gebe es noch keine landesweiten Standards zur Erfolgsmessung, so Dahl. Es werde aber regelmäßig berichtet und sich mit anderen Integrationsmanagern ausgetauscht.
Förderprogramm „Kommunales Integrationsmanagement“:
Das Land Rheinland-Pfalz hat das Programm „Kommunales Integrationsmanagement“ gestartet, damit Integration vor Ort einfacher und besser abgestimmt ist. Die Idee: Es soll feste Ansprechpartner geben, die sich auskennen, vermitteln und dabei helfen, dass Behörden und Hilfsangebote gut zusammenarbeiten – nach ähnlichen Standards im ganzen Land. Nach Angaben des Lands macht rund ein Drittel aller Städte und Landkreise in Rheinland-Pfalz mit und hat einen Kim im Einsatz.
