Hassloch / Deidesheim
Zwischen Weinfesten und Plopsaland: Was den neuen Polizeichef erwartet
Ein Amtswechsel erzählt manchmal schon durch seinen Ort, worum es geht. Bei der Verabschiedung von Frank Hoffmann und der Einführung von Jens Völlinger an der Spitze der Polizeiinspektion (PI) Haßloch war dieser Ort nicht etwa die Dienststelle in Haßloch, sondern das Feuerwehrhaus in Deidesheim. Der Grund war zunächst ein praktischer: Die vielen Gäste, die gekommen waren, hätten in der PI Haßloch wohl kaum Platz gefunden. Familie, Weggefährten sowie Vertreter aus Justiz, Polizei und Kommunalpolitik füllten den Saal bis auf den letzten Platz.
Deidesheim hatte aber noch einen weiteren Vorteil. Durch die große Glasfront fiel der Blick auf das Rebenmeer und gab damit schon einmal einen Ausblick auf das, was den gebürtigen St. Martiner Jens Völlinger künftig erwartet. Denn im 97 Quadratkilometer großen Einsatzgebiet der PI Haßloch, zu dem neben dem Großdorf auch die komplette Verbandsgemeinde Deidesheim mit ihren fünf Gemeinden gehört, wird gern gefeiert: von der Weinkerwe in Deidesheim über den „Hansel-Fingerhut“ in Forst bis zum Andechser Bierfest in Haßloch.
Kleine Dienststelle, große Herausforderungen
Die Absicherung der vielen Volks- und Weinfeste sei nur eine der Besonderheiten des Einsatzgebiets, wie Andreas Sarter, Präsident des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, in seiner Ansprache hervorhob. Hinzu komme das Plopsaland, das besonders in den Sommermonaten viele Touristen in die Region bringe. „Haßloch ist zwar eine kleine und ländliche Stelle, die aber besondere Herausforderungen und Belastungen für die Kollegen bereithält“, sagte Sarter.
Daran, dass Völlinger dieser Aufgabe gewachsen sei, ließ Sarter keinen Zweifel, als er den 44-jährigen Südpfälzer rückwirkend zum 1. Mai offiziell zum neuen Leiter der PI Haßloch ernannte. Für die neue Aufgabe habe der Erste Polizeihauptkommissar während seiner bisherigen Laufbahn „die idealen Voraussetzungen geschaffen“.
Seit 2001 ist Völlinger Teil der Polizei und war anschließend in verschiedenen Funktionen bei der Bereitschaftspolizei sowie bei den Polizeiinspektionen Speyer und Germersheim tätig. Nach Stationen in der Leitung der Kriminalinspektion Neustadt, der Zentralen Bußgeldstelle und im Führungsstab im Polizeipräsidium Rheinpfalz war der 44-Jährige ab 2020 in verschiedenen Leitungsfunktionen innerhalb des Führungsstabs tätig. Mit Völlinger habe man „einen perfekten Nachfolger gefunden, der das polizeihandwerkliche und führungstechnische Geschäft von der Pike auf gelernt hat“, sagte der Präsident.
Ein stabiles Fundament
Dass Völlinger auf ein stabiles Fundament bauen kann, sei vor allem Frank Hoffmann zu verdanken, der vor seinem Wechsel an die Spitze der PI Germersheim sechs Jahre lang die PI Haßloch leitete. Er hinterlasse, sagte Sarter, eine Dienststelle, die durch „klare Führung, Engagement, Orientierung und Loyalität“ geprägt sei, und „einen Ort, an dem jeder gerne zur Arbeit kommt“. Wo Mitarbeitende gerne zur Arbeit kämen, werde auch gute Arbeit geleistet, so der Polizeipräsident.
Auch Personalrat Thorsten Mees hob Hoffmanns Führungsstil hervor. An „Hoffi“ gerichtet betonte er, dass es ihm gelungen sei, eine Stimmung und einen Teamgeist zu formen, geprägt von klaren Vorgaben, Disziplin und Rückhalt. Bei Problemen habe der gebürtige Saarländer sich immer vor die Mannschaft gestellt. „Du hast große Fußstapfen hinterlassen“, so Mees. An Völlinger gewandt fügte er hinzu: „Ich habe keinen Zweifel, dass du die Fußstapfen kompetent und empathisch ausfüllen wirst.“
Zurück an die Basis
Völlinger machte in seiner Ansprache deutlich, wie er diese Aufgabe angehen will. „Meine Tür steht immer offen“, sagte er in Richtung der neuen Kollegen. Pfälzer zu sein bedeute für ihn auch eine unkomplizierte, kommunikative Art und auf Augenhöhe zu handeln. Für sein neues Amt nannte er zwei Schwerpunkte: die gute Qualität der Arbeit sichern und die Personalentwicklung in den Mittelpunkt rücken. „Polizeiarbeit geht nur im Team“, betonte der Südpfälzer.
Sein Wechsel aus dem Führungsstab in Ludwigshafen in eine kleinere Dienststelle auf dem Land sei keine Entscheidung gegen den Führungsstab gewesen, betonte er. „Es war eine Entscheidung für die Basis, nah am Bürger. Dort ist das Herz des Berufs, und dort gehöre ich hin.“ Aus seinen bisherigen Stationen bringe er strategische wie handwerkliche Erfahrung für die neue Aufgabe mit. Mit Hoffmann verbinde ihn ein langer gemeinsamer Weg seit Speyerer Zeiten. Er sei für ihn „einer der wichtigsten Sparringspartner“ bei dienstlichen Fragen, geprägt von offenem Austausch und ehrlichem Feedback.
Abschied nach sechs Jahren
Auch Hoffmann sagte, er freue sich, die Dienststelle an Völlinger zu übergeben. „Vor 20 Jahren haben wir uns in Speyer kennengelernt, und es hat gleich gepasst. Du bist mir ein echter Freund geworden“, sagte er an seinen Nachfolger gerichtet und erinnerte an seine Einführung vor sechs Jahren. Die Welt sei damals noch eine andere gewesen, mitten in der Corona-Pandemie. Er und sein Stellvertreter Markus Sicius seien damals in der Leitung einer Dienststelle noch „grün hinter den Ohren“ gewesen. Mit Bauchgefühl, Instinkt und gesundem Menschenverstand hätten sie sich die Aufgabe erarbeitet. „Ich bin stolz darauf, was wir geschaffen haben“, sagte Hoffmann über die „familiäre Atmosphäre“ im Team. Wie eng die Verbindung dort ist, zeigte sich auch an der musikalischen Begleitung: Zwei Mitglieder des Trios Olivia, Joe & Matthias stammen selbst aus den Reihen der Polizei. Der 53-Jährige dankte auch den kommunalen Partnern, ganz besonders dem Haßlocher Beigeordneten Carsten Borck (parteilos), der „sein Ohr im Rathaus“ und ein verlässlicher Berater gewesen sei. Auch Bürgermeister Tobias Meyer (CDU) und der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Deidesheim, Herbert Latz-Weber (Grüne), waren gekommen.
Stellvertretend für den Kreis Bad Dürkheim und die kommunalen Vertreter dankte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld Hoffmann für sechs Jahre „sehr erfolgreiche und geräuschlose“ Zusammenarbeit. Zugleich erinnerte Ihlenfeld daran, dass sich die Rolle der Polizei verändert habe. Das Bedürfnis der Bürger nach Sicherheit und sichtbarer Präsenz sei gestiegen. In Zeiten von Verunsicherung, Kriegen und Orientierungslosigkeit sei die Polizei als stabilisierender Faktor, der für die Bevölkerung greifbar sei, besonders wichtig.
