Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Winzer vom Sonnenstrom profitieren sollen

Mit einem lustigen Bild verdeutlichte Robert Richter, wie viele Aspekte beim Agri-PV-Projekt beleuchtet werden sollen.
Mit einem lustigen Bild verdeutlichte Robert Richter, wie viele Aspekte beim Agri-PV-Projekt beleuchtet werden sollen.

Winzer stehen unter Druck: Die Kosten steigen, der Absatz sinkt. Sie müssen daher schauen, was sie in ihren Betrieben verändern. In Mußbach arbeitet man an einem Masterplan.

Eine muntere Runde hat sich am späten Montagvormittag in den Räumen des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Mußbach zusammengefunden. Die meisten kennen sich gut. Schnell bilden sich Grüppchen, um Neuigkeiten auszutauschen. Dass gute Laune herrscht, liegt nicht nur an den milden Temperaturen und den Sonnenstrahlen, sondern am Besuch aus Mainz. Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) mischt sich gerne in die Gespräche ein. Die Weinbauszene ist hier gewissermaßen unter sich. Die Ministerin ist aber nicht zum Plaudern nach Mußbach gekommen, sondern sie bringt Geld mit. Es sind genau 1,2 Millionen Euro. Diese Summe erklärt die gute Laune. Denn mit dem Geld soll in den kommenden drei Jahren intensiv geforscht werden. Konkret geht es um Agri-PV im Weinbau, also Photovoltaikanlagen in den Weinbergen.

Das DLR hat dabei in Person von Robert Richter den Hut auf. Eine der Pilotanlagen wird auch in Mußbach entstehen. Eingebettet ist das ganze Vorhaben in die grenzüberschreitende europäische Interreg-Initiative und wird über diese auch gefördert. Den Rednerinnen und Rednern war ein gewisser Stolz schon anzumerken, dass die Pfalz die Federführung bei diesem Projekt hat, das „innovative Lösungen im Bereich Landwirtschaft und erneuerbare Energien“ bringen und somit zur „nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung des Weinbaus“ beitragen soll, so DLR-Leiter Andreas Kortekamp. Er betonte, dass die Weinbau-Betriebe die „Bereitschaft und Fähigkeit zu Veränderung“ bräuchten, um die aktuelle Krise, die aus „Kostensteigerung, rückläufiger Kundenzahl und fallenden Umsätzen“ bestehe, meistern zu können.

30 Partner beteiligt

Dies bekräftigte auch Ministerin Schmitt: „Veränderungen sind notwendig.“ Die 1,2 Millionen Euro seien ein „stattlicher Betrag“, aber angesichts der Herausforderungen für die Winzer „gut angelegtes Geld“. Ziel sei, im Projekt Erkenntnisse und Lösungsansätze zu gewinnen, von denen die Betriebe später konkret profitieren könnten und deren Umsetzung ihre Situation verbessere. Schmitt sieht dabei zwei zentrale Motivationsstränge: Zum einen brauche der Weinbau eine bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung, und zum anderen gehe es um ressourcenschonende Flächennutzung. Agri-PV, bei der man Weinbau und Stromerzeugung verbinde, sei insofern optimal. Schmitt betonte: „Wir brauchen wirtschaftlich starke Betriebe, um nachhaltige Ziele umsetzen zu können.“

Mit einer kleinen Bastelei zeigten die DLR-Mitarbeiter, wie die PV-Module in die Weinberge integriert werden können.
Mit einer kleinen Bastelei zeigten die DLR-Mitarbeiter, wie die PV-Module in die Weinberge integriert werden können.

Genau darum gehe es auch, wie Robert Richter verdeutlichte. Insgesamt seien 30 Partner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz in das Projekt eingebunden. „Wir wollen die wissenschaftliche Basis liefern und bei der Umsetzung in der Branche unterstützen“, so Richter. Entsprechend umfassend sei der Untersuchungsansatz. Es werden drei Pilotanlagen betrieben: eine in Mußbach, eine bei Freiburg und eine in der Schweiz. Dabei kommen unterschiedliche Varianten von Photovoltaikanlagen zum Einsatz. In Mußbach werden die PV-Module vertikal in die Wingerte eingebettet – die Module stehen dann parallel zu den Rebzeilen. Eine weitere Anlage untersucht aufgeständerte PV-Module, die quasi ein Dach über den Reben bilden. Die dritte Variante wird in einer Hanglage ausprobiert. Dort werden einzelne PV-Module oben an den Reben befestigt.

Ziel: Ein Leitfaden für die Betriebe

Im Projekt wird es nun um ganz viele Faktoren gehen, wie Richter erläuterte: Wie viel Strom wird über die Module produziert, wie kann der Solarstrom genutzt oder eingespeist werden, wie wirken sich die Anlagen aufs Landschaftsbild aus, welchen Einfluss haben sie auf die Weinproduktion, die Verhältnisse und Arbeitsweisen im Weinberg? Richter verwies dazu kurz auf eine frühere Studie, laut der sich durch das Aufstellen der PV-Module die Temperaturen im Weinberg direkt verändert. Ganz verschiedene Fachrichtungen – nicht nur Pflanzen- und Weinexperten – werden die Daten auswerten und ihre Einschätzungen abgeben. Ferner würden auch die Kosten der unterschiedlichen Systeme genau beleuchtet. Und auch die Bürokratie kommt mit ins Boot: „Wir schauen uns auch die jeweils nötigen Genehmigungsverfahren an und planen eine Akzeptanzstudie bei der Bevölkerung und den Entscheidern.“

Läuft alles nach Plan, liegt am Ende des Projekt in rund drei Jahren dann ein Leitfaden vor: Mit dem könnten die Betriebe dann selbst schauen, wie sie PV-Anlagen in ihren Weinbergen errichten können und was sie auf dem Weg zur Genehmigung und rund um den Weinbau-Alltag beachten müssen. Reinhold Hörner, Pfälzer Weinbaupräsident, betonte, dass sich solche Investitionen für die Betriebe rechnen müssen. Er freute sich aber auf dieses Projekt: „Wir machen das in der Pfalz, wir sind Vorreiter.“ Ähnlich sah das die Pfälzische Weinkönigin Anna Antonia Cölsch aus Deidesheim: Sie verwies vor allem auf die Chance für die Winzer, Teil der Energiewende zu werden und zudem über solche Anlagen auch eine weitere Einkommensmöglichkeit zu bekommen. Die Pfalz könne zeigen, dass sie für „gute Weine und innovative Ideen“ stehe.

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