Ruppertsberg
Wie eine pfälzische Winzergenossenschaft auf die Absatzrückgänge reagiert
Den Umsatz bezifferte die Genossenschaft mit 19,66 Millionen Euro, im Vorjahr hatte er bei 20,27 Millionen Euro gelegen. Entscheidender Erfolgsfaktor sei die konsequente Ausrichtung auf den Export und den ökologischen Weinbau, heißt es in einer Pressemitteilung im Nachgang der Generalversammlung. Im heimischen Markt dagegen hat das Unternehmen zu kämpfen. So sei im Großhandel ein Umsatzdefizit von zehn Prozent zu verzeichnen, im Direktvertrieb seien es fünf Prozent. Bereits im vergangenen Jahr war der Export als Wachstumstreiber bezeichnet worden, der Direktvertrieb war damals aber noch stabil.
Inzwischen präge das Überangebot an deutschem Wein den heimischen Markt. Dieses wird auf den demographischen Wandel, veränderte Konsumgewohnheiten sowie hohe Lagerbestände zurückgeführt. Deutschlandweit sank die Menge des eingekauften Weins 2025 nach Angaben des Deutschen Weinstituts um vier Prozent, der damit erzielte Umsatz um fünf Prozent.
Laut Gerhard Brauer, dem Vorstandsvorsitzenden des Ruppertsberger Weinkellers, ist eine Marktverbesserung erst bei einem neuen Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu erwarten. „Wir müssen auf absehbare Zeit mit Absatzrückgängen und den damit verbundenen Anpassungen leben“, wird Brauer in der Mitteilung zitiert. Von nicht kostendeckenden Geschäften im Inland müsse das Unternehmen sich trennen.
Low-Alcohol-Weine im Sortiment
Der Export bleibe weiter der zentrale Wettbewerbsvorteil. Dabei reagiere die Genossenschaft auf die globalen Markttrends und habe beispielsweise „Low Alcohol“-Weine neu im Sortiment. Dabei handelt es sich um Weine mit einem Alkoholgehalt von lediglich acht Prozent Alkohol – beispielsweise Rieslinge oder Rosé. „Wir reagieren damit auf die internationale Nachfrage nach leichteren Weinen“, so Brauer.
Der Ruppertsberger Winzerverein verzeichnet nach eigenen Angaben ein hohes Interesse an Mitgliedschaften. Gezielte Neuaufnahmen sowie die Ausweitung bestehender Rebflächen der Mitglieder hätten im Geschäftsjahr 2024/2025 zu einem Flächenwachstum von über 16 Prozent auf nunmehr 440 Hektar Ertragsrebfläche geführt. 191 Hektar seien 2024/2025 bereits bio-zertifiziert gewesen, 143 Hektar befanden sich in der Umstellung auf ökologischen Anbau. Dies entspreche einem Anteil von über 75 Prozent der Ertragsrebfläche. Der hohe Bio-Anteil sei essenziell, um die starke Nachfrage in Skandinavien und im Baltikum bedienen zu können, heißt es in der Pressemitteilung.
Auszahlung stabil
Die Auszahlung pro Kilogramm an die Mitglieder sei mit 1,10 Euro stabil auf Vorjahresniveau. Für den Jahrgang 2024 sei eine Brutto-Auszahlung in Höhe von 13.779 Euro pro Hektar erwirtschaftet worden (Vorjahr: 13.100 Euro). Angesichts der rückläufigen Absatzzahlen im Inland liege der Fokus weiterhin auf einer strikten Kostendisziplin sowie der Verbesserung der Effizienz. Als ein erfolgreiches Konzept im Inland erweist sich laut dem Unternehmen der „erlebnisorientierte Direktvertrieb“, also die Verknüpfung von Wein, Gastronomie und Events, wie sie mit Weinbar und Weincafé unique in Königsbach umgesetzt sei.
Die Ruppertsberger Weinkeller Hoheburg eG ist eine der führenden Weinbaubetriebe in der Pfalz. Den Mitgliedern gehören Weinberge in Ruppertsberg, Königsbach, Mußbach, Meckenheim und Deidesheim. Die Genossenschaft ist in ihrer heutigen Form durch mehrfache Fusionen entstanden, unter anderem 2004 mit der Winzergenossenschaft Königsbach-Neustadt und 2010 mit Meckenheim. Die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit führte 2022 zur Auszeichnung mit dem Fair’n Green-Siegel.

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