Wochenspiegel
Wenn Werbeprofis kleinlaut werden
Manchmal soll es im Stadtrat ja ganz bewusst um Erfreuliches gehen. Daher fand sich auf der Tagesordnung für die Sitzung am Dienstagabend der Punkt „Rückblicke, Einblicke, Ausblicke – Die Einheit Stadtmarketing“. Das klang stark nach Eigenlob.
Die Doppelspitze Martin Franck und Andrea Doll erläuterte, wie die bisherigen Teams von Tourist, Kongress und Saalbau (TKS) GmbH und Stadtmarketing (also Verwaltung) in den vergangenen Monaten zusammengewachsen sind, um aus ihrer Sicht als „schlagkräftige Einheit“ Werbung in und für Neustadt zu machen.
Knackig klingen reicht nicht
Es klang alles ziemlich rosig, was die beiden da erläuterten und wie gut es ihrer Meinung nach geklappt hat, die Mitarbeiter einer städtischen GmbH und der Verwaltung zusammenzuführen. Da durften schöne Folien mit Organigrammen ebenso wenig fehlen wie knackig klingende Begriffe – von Veranstaltungsmanagement bis Corporate Identity.
Franck und Doll malten zwar keine rosaroten Wölkchen an die Decke des Ratssaals. Aber es wurde schon deutlich: Sie sind stolz auf ihr Team und auf das, was da rund um die Organisation von Veranstaltungen und in Sachen Öffentlichkeitsarbeit so alles geleistet wird. Es war im Prinzip einer jener Vorträge aus der Kiste: Man hört sich das an und hakt es relativ schnell wieder ab.
Überraschung am Marktplatz
So ganz klappte das aber nicht. Denn Claudia Albrecht (CDU) und Andreas Böhringer (SPD) hatten sehr wohl ein paar Punkte, mit denen sie so gar nicht einverstanden sind. Albrecht verwies auf den Tag der Kulturvereine am 8. Oktober. Sie wisse ja, dass Stadtmarketing/TKS mit Weinlesefest, Weinkönigin-Wahl und Winzerfestumzug sehr viel um die Ohren hatte. Aber so ein bisschen Werbung wäre doch wohl möglich gewesen, ergänzte Albrecht leicht süffisant.
In die gleiche Kerbe schlug Böhringer. Er denke eigentlich, dass er es immer mitbekomme, wenn in der Stadt was los sei, setzte der SPD-Mann an. Umso mehr habe er sich vergangenen Samstag über eine auftretende Gruppe am Marktplatz und sonstige Aktionen dort gewundert. Man habe im Vorfeld leider nichts Offizielles von den städtisches Werbeprofis gehört. Das saß. Und Böhringer ergänzte noch: „Das war nicht das erste Mal.“ Es werde überlegt, geplant, veranstaltet – aber halt nicht kommuniziert. Da müsse man ansetzen.
Ein Volltreffer
Unbequeme Worte. Sie trafen aber ins Schwarze. Denn Doll und Franck räumten nun kleinlaut ein: Ganz so weit wie auf den präsentierten Folien sei man noch nicht. Man habe mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen gehabt und müsse sich Fehler ankreiden lassen. Bürgermeister Stefan Ulrich bemühte sich um einen versöhnlichen Abschluss: Man sei noch nicht am Ziel, es sei ja auch nur um einen Zwischenstand gegangen. Das klangt schon deutlich realistischer.