Neustadt
Vom Bier zum Wein: Besondere Praktikantin beim Weingut Schäfer
Zwickau, München, Weihenstephan, Mußbach – das sind die Stationen von Anna Krauß. Die 27-Jährige aus Sachsen hat sich für ihre Berufsausbildung auf eine kleine Deutschlandreise begeben. Dabei ging es zuerst in die bayerische Hauptstadt, doch schon bald wechselte sie fürs Studium nach Weihenstephan. Brau- und Getränketechnologie heißt ihr Fach. Dabei geht es natürlich ums Bierbrauen, „aber auch um die Technik sowie die Abläufe dahinter“, erklärt Krauß. Sieben Semester dauert das Bachelorstudium – ein Semester ist für die Praxis gedacht. „Die Betriebe können wir uns aussuchen“, sagt Krauß. Einzige Bedingung: „Sie müssen etwas mit Getränken zu tun haben.“
Das ist beim Weingut Schäfer in Mußbach natürlich der Fall. Ein Freund von ihr stamme aus Mußbach. „Ich war schon zu Besuch hier, und so entstand die Idee, dass ich mir im Praxissemester doch mal ein Weingut ansehen könnte. Dann habe ich bei Frank angefragt“, erzählt Krauß. Winzer Frank Schäfer musste nicht lange überlegen: „Sympathie war sofort da.“ Seit Ende August freue er sich über die Verstärkung. 20 Wochen lang wird Anna Krauß insgesamt im Weingut mitarbeiten, ehe das Studium in Weihenstephan weitergeht.
Beeindruckt vom Vollernter
Von der Zeit in der Pfalz ist die 27-Jährige hellauf begeistert. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel machen darf.“ Sie habe die anstrengenden Woche der Weinlese miterlebt. Von der Handlese im Weinberg über die ersten Schritte im Keller. „Ich bin schon Traktor und Stapler gefahren, das macht viel Spaß.“ Und sie durfte schon den Maischewagen selbst steuern: mit 5000 Kilo Merlot-Trauben „bin ich quer durch den Ort gedüst“, sagt Krauß lachend. Ein Gefährt hat es ihr besonders angetan: „So etwas wie einen Vollernter hatte ich vorher nie erlebt, das war absolut beeindruckend.“
Frank Schäfer ist froh über die Unterstützung: „Sie sieht die Arbeit und packt einfach immer mit an. Am liebsten würden wir sie im nächsten Jahr wieder für den Herbst zu uns holen.“ Doch für Anna Krauß steht das in den Sternen. Ihr helfe das Praktikum auf alle Fälle bei der Berufswahl. Jobs seien für sie in Brauereien ebenso möglich wie in auf Verfahrenstechnik im Brauwesen spezialisierte Unternehmen. Aber auch der Weinbau habe es ihr angetan.
Chardonnay als Projektarbeit
Fürs Studium wird sie sogar zur Winzerin. Ihre Projektarbeit dreht sich um Chardonnay. Krauß hat zwei jeweils 20 Liter fassende Gefäße angesetzt. „Einmal mit Spontangärung, einmal mit der Zugabe von Hefe. Ich vergleiche, wie das funktioniert und wie die Weine werden“, beschreibt Krauß. Schäfer geht davon aus, dass sie am Ende 30, 40 Flaschen Chardonnay haben wird: „Das sind ihre, die darf sie mitnehmen.“ Und er sich sicher: „Das wird ein guter Wein.“ Denn die Praktikantin habe auch schon Bier gemacht, „das auch super schmeckt“, lobt Schäfer. Fürs Brauen habe sie sich in Weihenstephan für ein Kellerbier entschieden. Nach den ersten Semestern hätten die Studenten eigene Rezepte entwickelt. „Die Zutaten bekamen wir von der Uni. Und als der Professor unsere Rezepte abgesegnet hatte, konnten wir loslegen.“
Sie liebe vor allem die Arbeit in den Weinbergen und die Aussicht von der Steillage über Neustadt oder aber bei einer Pause auf einer Radtour. Der Blick über die Rheinebene fasziniere sie: „Eine Riesenfläche nur mit Wein, das ist beeindruckend.“ Begeistert ist sie auch von den Pfälzern – „gastfreundlich, herzlich, schöne Lebensart“. Beim Mußbacher Turnverein trainiere sie zweimal die Woche. „Die perfekte Ablenkung vom Arbeitsalltag.“
Winzerfestumzug ist Pflicht
Sie sieht viele Parallelen zwischen Brauern und Winzern: „Es wird vergoren, Hefe dazu gegeben, filtriert.“ Aber sie finde, dass die Aufgaben im Weinbau noch komplexer sind.
Auch die Weinfeste hat Anna Krauß schon besucht, der Abstecher zu den Haiselscher beim Deutschen Weinlesefest habe ihr ebenso gefallen wie die Stimmung beim Winzer in Mußbach. Und von ihren Turnfreunden sowie den Schäfers hat sie noch eine Aufgabe bekommen: „Alle sagen: Der große Winzerfestumzug am Sonntag ist Pflicht.“



