Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Weingut Schäfer: Zum Jubiläum erstmals Bioweine

Anke und Frank Schäfer probieren einen Schluck des Jubiläumsweins: ein trockener Gewürztraminer.
Anke und Frank Schäfer probieren einen Schluck des Jubiläumsweins: ein trockener Gewürztraminer.

Das Mußbacher Weingut Schäfer feiert 75. Geburtstag. Warum die Familie sich nun komplett dem Bioanbau verschrieben hat, zum Jubiläum einen Gewürztraminer präsentiert und ganz neue Seiten Neustadts entdeckt.

75 Jahre sind für ein Weingut ja eigentlich kein Alter. Und dennoch: Die Schäfers in Mußbach wollen das Jubiläum feiern – von Freitag bis Sonntag mit einem Hoffest. Und sie blicken eigentlich auch auf „ein paar Jahrhunderte Weinbau“ zurück, wie Frank Schäfer betont. „Allerdings wurden die Trauben immer verkauft, ehe mein Opa Edgar Schäfer 1948 zum ersten Mal seinen eigenen Jahrgang verkauft hat.“

Inzwischen leitet Frank Schäfer (34) gemeinsam mit seinem Vater Axel (62) das Weingut. Der Generationenwechsel wird vorbereitet. Die Eltern seien immer noch mitten im Geschehen. Am Tag des RHEINPFALZ-Besuchs war der Vater zu Weinproben in Oberfranken. Daher standen Frank und seine Schwester Anke Schäfer (32) Rede und Antwort. Er hat in Keller und Weinberg das Sagen, die Schwester kümmert sich um Verkauf, die Buchhaltung und das Marketing.

Platz für Wohnmobile

Rund 26 Hektar werden inzwischen bewirtschaftet. Das macht ebenso viel Arbeit wie der Hof an sich, mit großer Vinothek und Gutsausschank sowie den Wohnmobilstellplätzen. Daher ist die ganze Familie gefordert. Von Anfang an habe das Weingut auf nachhaltiges Wirtschaften geachtet, sagt Frank Schäfer: „Unser Opa hat bereits Unkraut ohne Chemie bekämpft.“ Sein Vater habe daran angeknüpft und über Jahre „kontrolliert umweltschonend“ gearbeitet. Dennoch habe man nun auch den nächsten Schritt hin zur Umstellung auf biologischen Anbau gemacht. 2023 ist daher für die Familie aus doppelter Hinsicht bedeutend: Es wird nicht nur Jubiläum gefeiert, sondern der Jahrgang wird auch der erste mit biozertifizierten Weinen sein. „Die Kunden achten verstärkt auf Bio und sehen das als Qualitätskriterium an“, sagt Anke Schäfer.

Seit 2002 ist das Weingut am Mußbacher Ortsrand zu finden. Derzeit wird schon weiter geplant, wie Frank Schäfer verrät. Bis Herbst 2024 soll die neue Produktionshalle fertig sein. Alle bisherigen Entscheidungen hätten sich als richtig erwiesen. Anke Schäfer erinnert sich an die 90er-Jahre, als der Wohnmobilstellplatz neu war: „Da hatten wir ein bis drei Wohnwagen im Monat hier. Inzwischen können wir uns vor Anfragen kaum noch retten.“ Den Gutsausschank gibt es als Straußwirtschaft in vier Monaten im Jahr – das Hoffest am Wochenende bildet den Auftakt für die Öffnung im September und Oktober. „Meine Frau Olga hat Gastronomie-Erfahrung und wollte den Gutsausschank starten. Sie kocht dort selbst und sehr gut. Eine Spezialität sind Pirogi aus ihrer polnischen Heimat“, so Frank Schäfer.

Lagen am Sonnenweg

Für den 75. Geburtstag haben die Schäfers auch einen Jubiläumswein abgefüllt. Dass es sich um einen trockenen Gewürztraminer handelt, hat einen Grund: „Gewürztraminer war neben Riesling, Silvaner und Portugieser die Rebsorte, mit der Edgar Schäfer 1948 das Weingut gründete.“

Als Besonderheit bewirtschaften die Schäfers am Sonnenweg auch ein paar Wingerte in Steillagen. Dort werden unter anderem Sauvignac, Satin noir und Riesling angebaut. Das Arbeiten dort sei spannend. „Vor allem wegen des Blicks über Neustadt und die ganz anderen Perspektiven, das ist spektakulär“, sagt Frank Schäfer. Die Bewirtschaftung sei aber extrem aufwendig. Rechne er sonst pro Hektar mit 220 Stunden Arbeitszeit im Jahr, seien es in der Steillage über 600 Stunden. Man müsse eben vieles per Hand und zu Fuß erledigen und könne nicht einfach Maschinen einsetzen, so Anke Schäfer. Um auch Gäste von diesen Lagen zu begeistern, wird es im September und Oktober dort zusammen mit den Kultur- und Weinbotschaftern dreimal ein Picknick im Weinberg geben. „Wir sind gespannt, wie das angenommen wird“, meint Anke Schäfer.

Abschied von klassischen Sorten

Frank Schäfer verspricht sich durch die Umstellung auf die Biobewirtschaftung „weiteren frischen Wind“. Das mache sich auch beim Anbau bemerkbar. Von klassischen Sorten wie Portugieser, Silvaner und Kerner habe man sich verabschiedet. Angesichts der wärmeren Sommer „sind da keine aromatischen Weine mehr rauszubekommen“, sagt Frank Schäfer. Er setzt stattdessen immer mehr auf pilzwiderstandsfähige Sorten (Piwis) wie Sauvignac und Satin noir. „Die sind so resistent, da passiert nichts mehr. Da können wir uns viel ersparen, was ja auch bei ökologischen Pflanzenschutzmitteln und Fahrten in den Weinberg wichtig ist“, so Frank Schäfer. Ansonsten lege er mit den Weinlinien Wert darauf, dass die Kunden die Lagen schmecken können. Dafür werde viel per Hand gearbeitet. Und mit Riesling sowie den Burgundersorten habe er in Lagen mit alten Reben keine Probleme: „Durch die alten Stöcke haben wir sehr gute Qualitäten.“

Wichtig ist den Schäfers, dass Wein bewusst genossen wird. Daher gehört das Weingut der Initiative „Wine in Moderation“ an. „Mit Alkohol muss man verantwortungsvoll umgehen“, sagt Anke Schäfer. Ihr Bruder ergänzt: „Deshalb mache ich viel Sport und habe im Juni meinen ersten Triathlon gemeistert.“

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