Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Selbst getüvt“: Der Königsbacher Beitrag zum Winzerfestumzug

Martina Poschmann (links) und Alexandra Schaupp beim Probeziehen – am Sonntag werden den Job ein paar starke Königsbacher überne
Martina Poschmann (links) und Alexandra Schaupp beim Probeziehen – am Sonntag werden den Job ein paar starke Königsbacher übernehmen.

Ohne prächtige Festwagen ist der Winzerfestumzug nur halb so schön. Doch nicht alle Teilnehmer können die immer strenger werdenden Auflagen stemmen. Was tun? Die Königsbacher haben eine pfiffige Idee.

Festwagen für den Winzerfestumzug brauchen in diesem Jahr ein gültiges Tüv-Gutachten. Für den Königsbacher Förderverein „Die Kinschbacher“ war das eine Auflage zu viel. Daher nahmen die Winzerfestumzug-Fans aus dem Weindorf nach vielen Jahren Abschied von ihrem Festwagen. „Wir hatten immer einen Ackerwagen entsprechend umgebaut. Das geht jetzt aber nicht mehr, da der Wagen keine Betriebserlaubnis hat“, sagt Martina Poschmann. Sie ist im Förderverein engagiert und stellvertretende Ortsvorsteherin. Eine Erlaubnis zu bekommen, „wäre zu viel Aufwand gewesen“. Zumal die Königsbacher alles hätten fertig machen müssen, um es wenige Tage vor dem Umzug dem Tüv zu präsentieren: „Doch was wäre gewesen, wenn wir neue Auflagen bekommen hätten? Das hätten wir alles schon rein zeitlich nicht geschafft“, sagt Poschmann.

2019 waren die Königsbacher noch mit Festwagen und großer Weinwippe beim Umzug dabei.
2019 waren die Königsbacher noch mit Festwagen und großer Weinwippe beim Umzug dabei.

Daher war die Kinschbacher-Runde schnell einer Meinung: „Ein Wagen fällt für uns flach.“ Das ist schon ein Einschnitt, weil die Königsbacher jedes Jahr zig Stunden in ihre Motive investiert hatten. Poschmann und Ortsvorsteherin Alexandra Schaupp, die ebenfalls im Förderverein engagiert ist, erinnern sich an die Weinwippe, einen Märchenwagen oder eine Romeo-Julia-Szene. „Das war immer sehr viel Handwerksarbeit“, so Poschmann.

Mit Kittel und Klemmbrett

Aber: So traurig die Königsbacher über das Festwagen-Aus waren, sich deswegen ganz vom Winzerfestumzug zurückzuziehen, kam nicht infrage. „Wir wollen ja zeigen, dass wir zu Neustadt gehören“, betont Schaupp. Die Kinschbacher-Runde grübelte ein bisschen und hatte dann einen neuen Ansatz gefunden. Königsbach wird im Jahr 2023 als Fußgruppe mit Bollerwagen sowie einer historischen Pferdekutsche (Gig) vertreten sein. Die Tage bis Sonntag werden nun noch eifrig fürs Dekorieren genutzt.

Bei der genauen Gestaltung der Fußgruppe sprudelten die Königsbacher nur so vor Ideen: „Was wir haben, hat alles Tüv“, meint Schaupp lachend. Die muntere Runde greift also genau das Thema auf, das die Festvorbereitung eigentlich erschwert hatte. Für die Bollerwagen wurden eigene Tüv-Siegel entworfen. 20 Leute werden in der Gruppe mitlaufen – sie tragen „Tüv-T-Shirts“. Schaupp und Poschmann tragen Kittel und schlüpfen in die Rollen der Tüv-Oberaufseher und werden „ganz streng“ mit Klemmbrett rund um ihre Mitstreiter unterwegs sein. Das Motto wurde entsprechend gewählt: „Königsbach – selbst getüvt und gut gelaunt!“

Hemd, Zylinder, Fliege

Schaupp ist froh, dass alle den Spaß mitmachen. Es bringe ja nichts, sich nun zu Hause zu vergraben und gar nichts zu machen. Daher wurde auch der Festwagengedanke mit ins neue Konzept aufgenommen. Nur eben an die neuen Auflagen angepasst. Daher wird die historische Pferdekutsche nicht von einem Traktor bewegt. Sondern die Königsbacher Weinprinzessin wird im geschmückten Wagen Platz nehmen, und von vier starken Königsbachern durch die Neustadter Innenstadt gezogen. „In königlichem Aufzug natürlich – mit Hemd, Zylinder und Fliege.“ Ein Traktor soll auch nicht fehlen: „Wir haben einen Traktor-Umhang aus Karton gebastelt, den einer von uns trägt.“

Selbstgemachte Tüv-Plakette für den Bollerwagen.
Selbstgemachte Tüv-Plakette für den Bollerwagen.

Poschmann und Schaupp sind gespannt, wie der Umzug von einer Fußgruppe aus sein wird – man sei ja nun eine Etage tiefer unterwegs. „Wichtig ist, dass wir alle eifrig und munter sind und keiner traurig ist“, sagt Poschmann, die schon seit gut 20 Jahren mit dabei ist, wenn der Königsbacher Beitrag gestaltet wird. Sie stellt auch die Gig zur Verfügung. Da sie früher Pferde hatte, war der Wagen mal ein Geburtstagsgeschenk ihres Vaters. Seither stand das historische Stück, das um 1900 gebaut wurde, daheim im Hof. Und wurde nun mit Blick auf den Umzug zu neuem Leben erweckt.

Ein Thema für den Tierarzt

Die Gig war schon einmal beim Winzerfestumzug dabei. „Wir hatten sie extra auf unseren Ackerwagen montiert.“ Poschmann muss lachen, denn damals machten die Kinschbacher erstmals Bekanntschaft mit der Bürokratie. Sie meldeten nämlich, dass der Wagen von sechs Hengsten gezogen werde. „Daraufhin meldete sich der Veterinär, dass er vorher untersuchen müsse, ob es den Tieren gut gehe“, so Poschmann. Das mit den Hengsten war aber nicht wörtlich gemeint, sondern nur eine lustig gemeinte Umschreibung für sechs junge und kräftige Königsbacher ...

Immerhin: Die Anekdote sorgt noch heute für Lacher. Poschmann und Schaupp sind gespannt, wie ihre Gruppe und die Tüv-Spielerei am Sonntag ankommen werden. Falls es etwas zu klären geben sollte, lässt sich das bestimmt beim Freiwein regeln, den die Königsbacher auch wieder im Gepäck haben ...

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