Lambrecht
Streit um Schulhof-Schließung: So geht es in Lambrecht jetzt weiter
Bereits in mehreren politischen Gremien war diskutiert worden, ob die Stadt Lambrecht, der das Gelände des Hofs der Grundschule gehört, ihren Besitz an die Verbandsgemeinde Lambrecht abgeben soll. Die Fronten im Stadtrat waren weitgehend die gleichen wie schon zuvor: Auf der einen Seite die Grünen, die von CDU-Ratsmitglied Robert Westerberger und Bürgermeister Andreas Ohler (CDU) teilweise unterstützt wurden. Auf der anderen Seite alle anderen.
Als bei der Gründung der Verbandsgemeinde die Zuständigkeit für die Grundschulen von den bis dahin selbstständigen Gemeinden an die VG überging, wollten die Verantwortlichen der Stadt Lambrecht den Schulhof behalten. Denn er wird als Durchgangsweg und für Veranstaltungen genutzt. Der Durchgang ist seit einigen Jahren nur noch eingeschränkt möglich. Denn zu Unterrichtszeiten ist der Schulhof von Montag bis Donnerstag ab Unterrichtsbeginn bis 16 Uhr, freitags bis 13 Uhr abgeschlossen.
„Stadt entzieht sich ihrer Verantwortung für Kinder“
Da der Schulhof außerhalb der Schulzeiten immer wieder stark verschmutzt wird, es Beschädigungen gibt und er sich zu einem Treffpunkt Jugendlicher und junger Erwachsener in den Abendstunden entwickelt hat, entstanden immer wieder Diskussionen zwischen Stadt und Verbandsgemeinde. Angebote der Verbandsgemeinde den Schulhof zu übernehmen, lehnte die Stadt bisher ab. Dies hat die Verbandsgemeinde nun erneut angeboten. Die Tore zum Schulhof sollen dann durchgehend abgeschlossen sein.
Cinja Heraucourt (Grüne) warf der Verbandsgemeinde sowie der Stadt vor, seit Jahren „die Verantwortung hin- und herzuschieben“. Der Verbandsgemeinde falle nichts Besseres ein, als „alles dicht zu machen“ und sie beschäftige sich nicht mit anderen Möglichkeiten, wie selbstschließenden Toren und Kontrollen, damit dort weiter Kinder spielen könnten. „Die Stadt entzieht sich ihrer Verantwortung für die Kinder der Anwohner“, so die Grüne. „Wo sollen diese Kinder hin?“, fragte Heraucourt ebenso wie Eva Ockenfuß-Boese (Grüne). „Das sind Kinder von sozial schwachen Familien“, ergänzte Ockenfuß-Boese. Wenn der Schulhof abgeschlossen sei, werde an anderen Stellen Müll weggeworfen. Ockenfuß-Boese forderte, dass sich das Jugendzentrum mehr um Jugendliche kümmert und ein Gesamtkonzept für Schulgebäude, Schulhof und Haus der Vereine erstellt wird.
Bürgermeister lehnt geschlossene Tore ab
Zahlreiche Ratsmitglieder argumentierten dagegen. „Wir sollten das Angebot der Verbandsgemeinde dankbar annehmen“, sagte Silvia Zillich (CDU). Der Schulhof solle „ein Schutzraum für Schulkinder“ sein. Wenn der Schulhof abgeschlossen sei, könne er zudem mehr als bisher vom Jugendzentrum genutzt werden. FWG-Fraktionsvorsitzende Christine Klein sagte, dass die Anzahl der Schüler weitaus größer sei als die der wenigen Kinder, die sich nachmittags auf dem Schulhof aufhalten. Für diese gebe es Alternativen. Die Schüler hätten das Recht auf einen ordentlichen Schulhof. „Der Schulhof ist für die Schüler“, stimmte Dirk Hedtke (BSW) zu. Er und Daniel Wiegner (CDU) plädierten dafür, dass Kindern ein anderer Ort zum Spielen angeboten werden soll.
Hanne Hartmann (SWG) sprach sich dafür aus, auch den kleinen Spielplatz auf dem Schulhof an die Verbandsgemeinde zu übergeben. Dann sei alles in einer Hand. Ohler erklärte, er habe nichts dagegen, dass der Schulhof an die Verbandsgemeinde übergeht. Doch lehne er ab, dass die Tore abgeschlossen werden und auch der Spielplatz an die Verbandsgemeinde geht. Wie die Beigeordnete Tanja Bundenthal-Beck (FWG) sagte, besteht der Spielplatz aus einer Rutsche, die der Tüv wegen Sicherheitsmängeln gesperrt hat. Auch die Benutzung des von Eltern angelegten „Grünen Klassenzimmers“ habe der Tüv aus Sicherheitsgründen verboten.
Neuregelung gilt vom kommenden Schuljahr an
Robert Westerberger (CDU) regte an, dass Eltern Schlüssel für die Tore bekommen, auf- und zuschließen und Aufsicht führen sollten. Zu einer solchen Vereinbarung sei die Verbandsgemeinde aus Sicherheits- und Haftungsgründen nicht bereit, erwiderte Verbandsbürgermeister Gernot Kuhn (CDU). „Das Kriminalitätsproblem wird sich verlagern, die Kriminalität in Lambrecht ist schlimm“, zeigte sich Wersterberger überzeugt.
Bei vier Gegenstimmen entschieden die Ratsmitglieder schließlich, dass die Verbandsgemeinde den Schulhof kostenlos bekommt. Das soll zu Beginn des Schuljahres 2026/2027 geschehen. Die Verbandsgemeinde wird für die Pflege und Instandhaltung des Geländes zuständig sein und kann für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, wie höhere Zäune, sorgen. Der Zugang zum Haus der Vereine wird möglich bleiben und die Veranstaltungen der Stadt können weiter auf dem Schulhof stattfinden.