Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Plakaten und Filmen: So sucht die Stadt Personal für die Kitas

Silke Hauenstein, Marie-Christin Schmieder, Nastasja Datzer, Christine Stortz und Stefan Ulrich präsentieren eines der Großfläch
Silke Hauenstein, Marie-Christin Schmieder, Nastasja Datzer, Christine Stortz und Stefan Ulrich präsentieren eines der Großflächenplakate, mit denen die Stadt auf Personalsuche geht.

Die Stadt Neustadt investiert Millionen in neue Kita-Plätze. Doch die bringen nur etwas, wenn sich jemand um die Kinder kümmert. Daher startet nun eine große Kita-Kampagne.

Direkte Ansprache, pfiffige Farben – und das in Filmen auf den sozialen Netzwerken oder auf großen Plakaten im Stadtgebiet: Die Stadt Neustadt verstärkt gerade ihre Bemühungen um Personal für ihre Kindertagesstätten (Kitas). Die Anstrengungen seien groß – und wichtig, betont Bürgermeister Stefan Ulrich. Denn alle Kommunen müssten in Kitas investieren, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. „Entsprechend groß ist der Wettbewerb ums Personal“, so Ulrich. Die Stadt habe sich auf den Weg gemacht und ihre internen Abläufe für die Fachkräftegewinnung und -weiterbildung geändert. Denn nur so werde man als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.

Aktuell liegt der Fokus auf Jobs in städtischen Kitas. Laut Silke Hauenstein, Leiterin Marketing und Kommunikation bei der Tourist, Kongreß und Saalbau GmbH, knüpft man an eine Kampagne vom vergangenen Jahr an und entwickelt sie weiter. Ende Dezember wurden im Auftrag der Stadt kleine Werbefilme auf Social-Media-Kanälen und auch im Cineplex-Kino ausgestrahlt, die Lust auf eine Erziehertätigkeit in einer Neustadter Kita machen sollten. „Wir haben das bewusst auch rund um Weihnachten gemacht, wo viele Leute Zeit haben, und wollen mit solchen Aktionen die Sichtbarkeit für uns und unsere Jobs erhöhen“, sagt Hauenstein. Der Versuch habe sich gelohnt: „Wir hatten gleich im Januar die ersten Bewerbungen.“

Abläufe bei Bewerbungen vereinfacht

Nun beginnt die nächste Etappe: Mit großflächigen Plakaten sowie Werbefolien auf dem Postauto der städtischen Kanzlei wird rund um Neustadt auf Kita-Jobs hingewiesen – samt der Ansprache: „Wir suchen Dich!“. Man hoffe auf einen Nachhaltigkeitseffekt, „wenn die Menschen diese Werbung beim Fahren und beim Einkaufen sehen, etwa beim Globus-Markt“. Zudem wird aktuell auch wieder ein kleiner Film auf Social Media ausgespielt, um die gewünschte Zielgruppe direkt anzusprechen. „Das Video wurde in den ersten Tagen bereits 10.000-mal angeschaut“, freut sich Hauenstein.

Auch das Postauto der städtischen Kanzlei dient als Werbefläche.
Auch das Postauto der städtischen Kanzlei dient als Werbefläche.

Eingebettet sind diese Bemühungen in allgemeine Überlegungen der Stadt, wie sie sich beim Thema Fachkräfte positionieren wolle. Denn in vielen Bereichen müsse man neue Mitarbeiter gewinnen und dann auch möglichst dauerhaft halten, sagt Marie-Christin Schmieder, Sachgebietsleiterin Personalentwicklung. Bei Anzeigen setze man daher auf die Dachmarke „Zusammenwirken“ als Wiederkennungseffekt. Um bei Jobsuchenden punkten zu können, habe die Stadt die Bewerbungsabgabe vereinfacht und interne Abläufe so geändert, dass Interessenten schnelle Rückmeldungen bekommen. „Das ist mittlerweile extrem wichtig, weil es ja überall Fachkräftebedarf gibt“, sagt Schmieder. Zudem gebe es für Neue ein „Willkommensprogramm“ mit Informationen und Stadtführungen. So solle von Anfang an ein Teamgedanke entstehen und die Arbeit im Kreis einer großen Gemeinschaft empfunden werden.

Deutliche mehr Bewerbungsgespräche

Stefan Ulrich ist davon überzeugt, mit diesen Konzepten auf dem richtigen Weg zu sein. Er habe neue Kolleginnen aus dem Kitabereich jüngst gefragt, warum sie sich für die Stadt entschieden hätten: „Die Antwort war: Neustadt war am schnellsten.“ Die Bedeutung des Themas Personalgewinnung unterstreicht er mit Blick auf die Investitionen: Rund 25 Millionen Euro investiere die Stadt in Kitas und schaffe damit 300 neue Plätze. „Doch was nutzen diese Gebäude, wenn wir niemanden haben, der die Kinder betreut?“

Nastasja Datzer, Abteilungsleiterin Kinderbetreuung, stimmt dieser Betrachtung zu und sieht ebenfalls Erfolge in den jüngsten Bemühungen. Durch die vereinfachten Abläufe bei Bewerbungen und die verstärkte Präsenz durch Werbekampagnen und Auftritte bei Messen, sei es gelungen, die Anzahl der Bewerbungsgespräche zu verdoppeln. In diesem Jahr habe sie schon 85 solcher Gespräche geführt und weitere seien terminiert. Im Vorjahr seien es insgesamt nur knapp über 40 gewesen. Diese Resonanz sei wichtig, da im Schnitt jedes vierte Gespräch in eine Einstellung münde. 168 Vollzeitstellen (280 Mitarbeiter) gibt es in den städtischen Kitas. Außerdem wurden dieses Jahr 23 Auszubildende eingestellt. Datzer hofft auf weitere Erfolge durch die neue Kampagne, denn aktuell seien noch elf Stellen zu besetzen. Offene Stellen gebe es durch die reguläre Fluktuation wegen Schwangerschaften und Erkrankungen eigentlich immer, so Datzer. Und mit Abschluss der von Ulrich beschrieben Neubauprojekte kämen weitere 23 zu besetzende Stellen hinzu. Man müsse also am Ball bleiben.

100.000 Euro hat der Stadtrat für den Bereich Kita-Personal bewilligt. Aus diesem Topf werden in diesem und im nächsten Jahr die Werbeaktivitäten, die Personalsuche sowie Projekte zur Mitarbeiterbindung finanziert. Christine Stortz, Leitung und Koordination Kita-Sozialarbeit, betont, dass das schon vorhandene Personal zudem kontinuierlich weitergebildet werde und man niemanden allein lasse mit den Herausforderungen im Kita-Alltag. Das sei wichtig, damit Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlten und gerne im Job bleiben.

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