Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Neustadt Kita-Erzieherinnen für sich gewinnt

Neustadt will Kita-Personal halten, indem es den Beruf attraktiver macht.
Neustadt will Kita-Personal halten, indem es den Beruf attraktiver macht.

Neustadt baut Kitas aus. Doch dafür muss die Stadt auf einem umkämpften Markt erst einmal Personal finden. Eine Umfrage zeigt, wo es aus Sicht der Erzieherinnen hakt.

Die Ausgangslage ist schwierig. Das machte Alf Bettinger, der Fachbereichsleiter Familie, Jugend und Soziales, am Dienstagabend im Hauptausschuss klar. Allein schon neue gesetzliche Vorgaben führten zu einem höheren Personalbedarf in Kindertagesstätten – und das bei einem andauernden Fachkräftemangel. Hinzu komme, dass Neustadt bei der Suche nach Erzieherinnen und Erziehern mit den anderen Kita-Trägern in der Region in Konkurrenz stehe. Und überall würden die Fachkräfte gebraucht.

Bettinger berichtete dem Ausschuss in Vertretung von Nastasja Datzer, der Abteilungsleiterin Kinderbetreuung, über die Lage in den Kitas. Hintergrund war ein Antrag von FWG, CDU und FDP im Dezember für eine bessere Personalgewinnung, wobei die Verwaltung seinerzeit schon mit einer Neuausrichtung ihrer Strategie begonnen hatte.

Zum Stichtag 30. Juni 2022 gab es beim pädagogischen Personal in den städtischen Kitas 153,5 Vollzeitstellen, von denen damals 145 tatsächlich besetzt waren. Eine Stelle ist hier eine rechnerische Größe, Teilzeitkräfte gibt es auch. Zum Stichtag 1. September 2025 sieht der Personalplan 180,5 Stellen vor, besetzt sind davon dann voraussichtlich 170.

Werbung mit Imagefilmen

Auch wenn die Lücke etwas größer geworden ist, sieht es Bettinger als Erfolg, dass in gut zwei Jahren 25 zusätzliche Stellen besetzt werden konnten. Auf Nachfrage von Hans-Christoph Stolleis (CDU) sagte er zudem, dass man davon ausgehe, die Lücke auf Sicht schließen zu können. Denn die Neuausrichtung der Personalgewinnung trage erste Früchte. So sei das Verfahren zur Stellenbesetzung optimiert worden. Früher habe man immer gewartet, bis mehrere Bewerbungen eingegangen seien, bis man die Interessenten gesammelt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen habe. Die Folge: So manche Fachkraft fand in der Zwischenzeit eine andere Stelle. Mittlerweile sei es so, dass in der Regel drei, vier Werktage nach der Bewerbung die Einladung erfolge. „Das ist aufwendiger, aber uns gehen auch weniger Leute von der Fahne“, bilanzierte der Fachbereichsleiter.

In den sozialen Medien wurde zudem eine Kampagne mit dem Slogan „ZusammeNWirken“ gestartet. Dazu gehören drei Imagefilme, Plakate und eine Karriereseite im Netz. Die Fachabteilung nimmt auch an Karrieremessen und Fachveranstaltungen teil und besucht Fachschulen, „mit dem Ziel, uns dort zu präsentieren“, erklärte Bettinger.

Deutlich mehr Azubis

Um dem Personalmangel zu begegnen, will die Stadt nicht nur Leute einstellen, sondern die bereits beschäftigten Erzieherinnen und Erzieher auch halten. Deshalb wurden im ersten Quartal des Jahres die Kita-Teams befragt, was gut laufe, was belaste und welche Verbesserungen gewünscht werden.

Als positiv wurden das Klima in den Teams, die Kommunikation und die pädagogische Freiheit wahrgenommen – und die digitale Zeiterfassung, die derzeit eingeführt wird. Als belastend wurden der Personalmangel, zusätzliche Aufgaben sowie technische und räumliche Engpässe genannt. Letzteres beschränke sich in der Regel auf ältere Kitas, sagte Bettinger. Gewünscht wurden eine bessere Ausstattung, Gesundheitsförderung und mehr Urlaub. Da der Urlaub von den Tarifpartnern entschieden wird, habe die Stadt hier keine Handlungsmöglichkeit, sagte Bettinger.

Um die Personalbindung zu stärken, hat die Stadt Qualifizierungsangebote für Kita-Leitungen und die Teams eingeführt. Auch das Azubi-Konzept wurde überarbeitet. Ab September wird Neustadt übrigens 37 Auszubildende für die Kitas beschäftigen, 2022 waren es noch 21.

Verwaltung will halbe Stelle zusätzlich

Um für Entlastung zu sorgen, will die Stadt zudem ein Netzwerk von Springerkräften aufbauen, die im Krankheitsfall Vertretungen übernehmen. Die Stellen sollen laut Bettinger auch explizit dafür ausgeschrieben werden, aber erst wenn die Sollstärke des Kita-Personals erreicht ist.

Für Bürgermeister Stefan Ulrich zeigte der Vortrag, dass „in den letzten sechs Monaten nachdrücklich etwas passiert ist“. Bettinger wiederum betonte, dass die Verwaltung die Verbesserungen mit dem bestehenden Personal erreicht habe. Für die Verstetigung und den Ausbau sei aber mehr Unterstützung nötig. Deshalb werde man für den Stellenplan 2026 eine zusätzliche halbe Stelle beantragen. In den Haushaltsberatungen wird der Rat dann entscheiden müssen, ob er dem Wunsch nachkommt.

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