Schifferstadt / Neustadt
Mehrere Bluttaten: Wie zwei Pfälzerinnen an einem Abend starben
Dröhnend kreist in der Nacht auf Donnerstag ein Hubschrauber über Schifferstadt. Denn die Polizei sucht in der 20.000-Einwohner-Stadt im Rhein-Pfalz-Kreis einen Mann, der seine Tante umgebracht und seine Mutter schwer verletzt haben soll. Den offiziellen Angaben der Ermittler zufolge ist diese 60-Jährige nach dem Angriff in ihrer Wohnung mit mehreren Stichverletzungen zu den Nachbarn geflohen, sie wird sofort zu einer Notoperation gebracht und ist danach außer Lebensgefahr.
Ihre Zwillingsschwester hingegen ist tot in dem Haus zurückgeblieben, in dem die Verletzte und ihr Sohn bislang wohnen. Diesen 31-Jährigen jagt die Polizei in den folgenden Stunden als den mutmaßlichen Täter, und dafür bietet sie nicht nur den Hubschrauber auf. Auch die für besonders gefährliche Kriminelle zuständigen Spezialkräfte rücken an. Denn was die Ermittler am Tatort gesehen haben, lässt sie vermuten: Hier geht es nicht um einen tragischen Unfall oder um ein Handgemenge, in dem jemand seine Opfer nur aus Versehen lebensgefährlich verletzt hat.
Nur 30 Minuten später
Stattdessen unterstellen sie, dass sie es mit einem Totschlags- oder Mordfall zu tun haben. Und es bleibt nicht das einzige derartige Verbrechen, das die Polizei an diesem Abend beschäftigt: Etwa 30 Minuten nach dem Alarm in Schifferstadt rufen Menschen in Neustadt die Einsatzkräfte, weil sich ein Ehepaar in seiner Wohnung streitet. Daraufhin finden die Beamten dort eine schwer verletzte 72-Jährige, die noch vor Ort stirbt. Nach RHEINPFALZ-Informationen gehen sie davon aus, dass ihr 81-jähriger Mann sie im Streit um eine geplante Trennung erschlagen hat.
Es ist das zweite derartige Verbrechen, das sich innerhalb weniger Tage in Neustadt ereignet hat: Erst am Sonntagabend war die Leiche einer 50-Jährigen im Keller eines Mehrfamilienhauses im zur Stadt gehörenden Weindorf Mußbach entdeckt worden. Als mutmaßlicher Täter sitzt ein 49-Jähriger in Haft, der die Tote gekannt haben soll. Womit es für eine Verbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Neustadter Fall ebenso wenig Anhaltspunkte gibt wie für einen Zusammenhang zwischen dem zweiten Neustadter und dem Schifferstadter Fall.
Von Anwohner erspäht
In dem blieb die Suche nach dem mutmaßlichen Täter trotz des massiven Polizeiaufgebots zunächst erfolglos. Am Donnerstagvormittag ist der 31-Jährige dann aber doch noch festgenommen worden. Wo und unter welchen Umständen ihn die Einsatzkräfte aufgespürt haben, behalten die Behörden für sich. RHEINPFALZ-Informationen zufolge scheint er aber an den Tatort zurückgekehrt zu sein. Jedenfalls hat ihn ein Anwohner erspäht, der die Beamten alarmierte. Und die haben den 31-Jährigen dann geschnappt, obwohl er über eine Hecke entkommen wollte.
Zum Haftrichter gebracht haben ihn die Strafverfolger dann aber noch nicht: Sein Zustand ließ sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft daran zweifeln, dass er sich einer offiziellen Vernehmung stellen kann. Also wird wohl erst am Freitag entschieden, ob er in Untersuchungshaft muss. Im Fall des Neustadters ist diese Frage hingegen bereits geklärt: Er bleibt wegen Totschlagsverdacht vorerst im Gefängnis.
