Neustadter Straßennamen
Martha-Rumpf-Straße: Kunstschaffende Pädagogin
Allzu häufig wird es wohl nicht vorkommen, dass man Begegnungen mit Menschen erleben darf, nach denen eine Straße benannt wurde. An Martha Rumpf können sich sicher zumindest noch zahlreiche ehemalige Schülerinnen des früheren Mädchengymnasiums erinnern. Die grau melierten Locken am Hinterkopf locker zusammengefasst, in einen dunkelfarbigen Poncho gehüllt, eher zierlich von Statur, so betrat Martha Rumpf meist den Zeichensaal des heutigen Käthe-Kollwitz-Gymnasiums zum Kunstunterricht. Der Poncho, oder war es eher ein Cape, war sozusagen das Erkennungszeichen für ihre Schülerinnen. Den legte sie ab, bevor sie begann, den Mädchen Kunst in Theorie und Praxis näherzubringen. Dass ihre Lehrerin selbst eine veritable Künstlerin war, war ihnen zur damaligen Zeit sicher nicht bewusst.
Als Tochter eines Landwirts wurde Martha Jung 1910 in Lachen geboren. Ihren Vater verlor sie sehr früh, er fiel 1914 im ersten Weltkrieg. Um der Tochter ihren Traum vom Beruf der Kunsterzieherin erfüllen zu können, verkaufte ihre Mutter sogar Äcker. Mit dem Erlös wurde das Studium in München finanziert. „Für die damalige Zeit war es schon sehr außergewöhnlich, dass ein junges Mädchen zum Studium in eine Großstadt ging, und dann noch nach München“, erzählt Schwiegertochter Barbara Rumpf. Nach Abschluss des Studiums 1935 zurück in ihrem Heimatort, gelang es ihr allerdings nicht gleich, eine Anstellung als Pädagogin zu finden.
Künsterlisch ausleben
So griff die junge Frau auf das Angebot eines Freundes zurück, der ihr einen befristeten Arbeitsplatz an der Kaiserslauterer Gewerbeanstalt in der Abteilung Volkskunst vermittelte. Das gab ihr die Möglichkeit, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Während sie Ausstellungen mit aufbaute, archivierte und katalogisierte, konnte sie ihre Fantasie beim Batiken und Weben ausleben. Ihr späterer Mann, Otto Rumpf, Ausbilder und Bildhauer an der Gewerbeschule, motivierte sie, sich auch mit dem für sie neuen Werkstoff Stein zu beschäftigen.
Erst mit 45 Jahren gelang es Rumpf, als Kunsterzieherin am Neustadter Mädchen-Lyzeum anzufangen. Ihren Traumberuf übte sie bis zu ihrer Pensionierung aus. Ihr künstlerisches Werk besteht aus faszinierenden Wandteppichen und Gobelins, die sie nach eigenen Entwürfen und Farbkompositionen schuf. Die Schwiegertochter erzählt, dass Rumpf für ihre frühen Gobelins sogar die Wolle selbst gesponnen und eingefärbt habe. Ihre bis ins Detail ausgetüftelten Batiken, die figürliche Darstellungen wie Porträts und Szenen zeigen, bilden eine weitere Spielart ihres Schaffens.
Familienausstellung gelant
Aber auch in zahlreichen Aquarellen brachte sie ihre Ideen aufs Papier. „Ihr war immer sehr wichtig, selbst und eigenständig künstlerisch freischaffend tätig zu sein“, erzählt Barbara Rumpf. Derzeit sind ihre Werke aufgerollt und eingelagert. Leider sind viele ihrer Batiken mittlerweile dem Zahn der Zeit anheim gefallen, das Trägermaterial Stoff hat die Jahre nicht unbeschadet überdauert.
Doch im Laufe des Jahres soll eine kleine Rumpf’sche Familienausstellung einige ihrer Werke wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zusammen mit Werken ihres Mannes Otto, von Sohn Gernot und ihrer Schwiegertochter Barbara Rumpf.
Die Serie
Neustadt zählt 650 Straßen. 150 davon sind nach Persönlichkeiten benannt, andere nach Gewannen, historischen Begriffen, Partnerstädten, Orten oder allgemeinen Dingen. Die Serie soll einige dieser Namen und die Geschichte dahinter vorstellen.
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