Neustadter Straßennamen Fuchsfarmstraße: Erinnerung an die Pelztierzucht

Einfamilienhäuser prägen das Bild der Fuchsfarmstraße.
Einfamilienhäuser prägen das Bild der Fuchsfarmstraße.

Von der Freiherr-vom-Stein-Straße abzweigend führt die Fuchsfarmstraße im südlichen Bereich von Mußbach zur Rosenstraße, die sie mit einem kleinen Schlenker überquert und danach in ihrer Fortsetzung als Sackgasse endet.

Karl Wiedemann, der als Kind in der Straße lebte, erzählt, dass das Gelände damals weitestgehend unbebaut und Brachland war. „Da gab es den Kolonialwarenhändler Heinrich Schäfer, der an der Eselshaut ein Geschäft hatte, wo früher die Papierschatulle war“, erinnert sich der gebürtige Mußbacher. Dieser sei wohl schon von jeher an Veterinär-Themen interessiert gewesen. „Der hatte dann die Idee, eine Pelztierzucht zu beginnen und konzentrierte sich von Anfang an auf Silberfüchse“, erzählt Wiedemann. Zur damaligen Zeit war es nicht so verpönt wie heute, echten Pelz zu tragen. Wiedemann erinnert sich gut, dass viele Damen, wenn sie sonntags zur Kirche gingen, zumindest den Pelzkragen umlegten, wenn nicht sogar einen Pelzmantel trugen.

Ab in den Fleischwolf

Da er damals oft mit dem Sohn der Schäfers spielte, weiß er noch viele Details aus der Zeit: „Im Hof standen riesige Käfige und Gehege, in denen sich die Füchse aufhielten. Nachdem sich ab und zu Füchse einen Weg in die Freiheit gegraben hatten, errichtete der Pelztierzüchter einen festen Anbau, in dem dann die wertvolleren Pelztiere umgesiedelt wurden. Auch ein Kühlhaus wurde gebaut. Das sollte das Fleisch der Tiere aufnehmen, die Schäfer aufkaufte, um sie als Tierfutter an die Füchse zu verfüttern. Für uns als Kinder war das natürlich eine Sensation, jeden Morgen dabei zuzusehen, wie das Fleisch durch einen Riesen-Fleischwolf gedreht und dann an die Füchse verfüttert wurde.“

Wann es mit der Pelztierzucht zu Ende ging, weiß der Mußbacher nicht mehr. Er meint, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wäre die Parole aufgekommen „Die deutsche Frau trägt keinen Pelz“. In den 50er-Jahren sei der Fellhandel zurückgegangen, die Silberfuchs-Pelzzucht wurde eingestellt. Der Züchter habe auf Landwirtschaft umgestellt. Später wurde das gesamte Gelände von seinen Söhnen verkauft. In Erinnerung an die ursprüngliche Nutzung wurde bei der Bebauung mit Einfamilienhäusern die das Baugebiet erschließende Straße Fuchsfarmstraße genannt.

 

Die Serie

Neustadt zählt 650 Straßen. 150 davon sind nach Persönlichkeiten benannt, andere nach Gewannen, historischen Begriffen, Partnerstädten, Orten oder ganz allgemeinen Dingen. In unserer kleinen Serie sollen einige dieser Straßennamen und die Geschichte dahinter vorgestellt werden.

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