Neustadter Strassennamen RHEINPFALZ Plus Artikel Goyastraße: Verbindungen bis an den Rio Paraná

Ruhig und gut angebunden: die Goyastraße in Neustadt.
Ruhig und gut angebunden: die Goyastraße in Neustadt.

Faktisch eine Sackgasse, zweigt die Goyastraße von der Böhlstraße ab und verzweigt sich dann zu einem Ringelkreis, der als Spielstraße gestaltet wurde. Mehrfamilienhäuser wechseln sich ab mit Reihenhäusern – eine reine Wohnstraße mit wenig Autoverkehr.

Inge Lehnert wohnt seit 14 Jahren in der Goyastraße und fühlt sich sehr wohl. „Es ist eine angenehme Wohnlage, sehr ruhig und doch gut angebunden und mit guter Nahversorgung“, sagt die 81-Jährige. Bei der Namensherkunft ihrer Straße ist sie sich recht sicher: „Goya war ein berühmter spanischer Maler – ich meine sogar, gelesen zu haben, dass er mit einem anderen bekannten Maler aus Hamburg befreundet war“, erklärt Lehnert nachdenklich. Diese Annahme muss die RHEINPFALZ leider erschüttern.

Mit einer Recherche im Internet nach der Goyastraße ist der Herkunft des Straßennamens leider nicht auf die Spur zu kommen. Zwar finden sich viele Einträge unter Goya. Doch die meisten betreffen den spanischen Maler Francisco de Goya, der als Hofmaler Karls des IV. im 18. Jahrhundert zu erstem Ruhm kam. Der ist allerdings nicht der Namensgeber dieser ruhigen Wohnstraße im Bezirk Böbig. Stattdessen ist tatsächlich die Stadt Goya, im Nordosten Argentiniens am Rio Paraná, der Ursprung. Wie es wohl dazu kam?

Handwerker zu Besuch

Neustadts früherer Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Brix (CDU) lernte bei einem privaten Aufenthalt in Goya in den 1970er-Jahren den dortigen Bürgermeister Villareal kennen. Anscheinend „funkte“ es bei den beiden sofort und es entwickelte sich eine Städtefreundschaft, die zahlreiche Aktivitäten mit sich brachte. Es gab Stipendien für argentinische Junghandwerker, die nach einem Sprachkurs zunächst eine praktische Betriebsausbildung in Neustadter Betrieben wie IBAG, Rheinelektra, Schlosserei Kalker und Firma Falter machten. Anschließend besuchten sie noch für zwei Semester die Meisterschule in Kaiserslautern.

Das war der Beginn einer langjährigen Verbindung, die auch durch Besuche von Goyas Bürgermeister Villareal in Neustadt gepflegt wurde. So pflanzte dieser beispielsweise 1978 eine Eiche im Hambacher Schwimmbad.

Hilfen aus Neustadt

Der damalige Oberbürgermeister Brix verstand es, für alle Notwendigkeiten, für die Goya Hilfe von außen benötigte, Mitstreiter und Geldgeber zu finden. Ob es dabei um das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit bei den Stipendien ging oder um Sportfördermittel des Bundes für Entwicklungsländer, die bei der Errichtung eines Sportzentrums in der Partnerstadt hilfreich waren.

Bei einer verheerenden Flutkatastrophe im Jahr 1983 wurde durch eine große Sachspendenaktion des Neustadter Einzelhandels und der Neustadter Ärzteschaft geholfen. Zur Einweihung eines neuen Sportzentrums wurde die Neustadter Stadtfahne nach Goya geschickt. Und wie es in Neustadt die Goyastraße gibt, so wurde in Goya die Straße, an der dieses neue Sportzentrum lag, nach dem Herzen der Weinstraße benannt, nämlich „Avenida Ciudad de Neustadt“ (zu deutsch: Neustadter Straße).

 

Die Serie

Neustadt zählt 650 Straßen. 150 davon sind nach Persönlichkeiten benannt, andere nach Gewannen, historischen Begriffen, Partnerstädten, Orten oder ganz allgemeinen Dingen. In unserer kleinen Sommerserie sollen einige dieser Straßennamen und die Geschichte dahinter vorgestellt werden.

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