Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Geocaching: Eine Weinprobe als Schnitzeljagd

Michaela Wenz, Simone Trieb, Celina Baumann, Monika Ellinger und Elke Wehr (von links) von der TKS begaben sich mit Frohnatouren
Michaela Wenz, Simone Trieb, Celina Baumann, Monika Ellinger und Elke Wehr (von links) von der TKS begaben sich mit Frohnatouren-Gründer Lars Müller auf eine Probetour.

Winzer müssen kreativ werden. Warum ein Mußbacher Weingut nun mit einem Jungunternehmer auf Geocaching setzt und die Neustadter Tourist-Info ebenfalls mit im Boot ist.

Wein ist ein zentrales Thema im Herz der Weinstraße und soll bei touristischen Angeboten in Neustadt eine große Rolle spielen. Es ist Aufgabe der Tourist, Kongreß und Saalbau GmbH (TKS), Interessierten, die in Neustadt etwas unternehmen und dabei auch etwas mit Weinbezug erleben möchten, auf entsprechende Angebote hinzuweisen, dabei als Vermittler aufzutreten und natürlich auch Empfehlungen auszusprechen. „Wir haben auf unserer Webseite immer mehr Angebote von Winzern“, freut sich Simone Trieb, Abteilungsleiterin Tourist-Information. Ihr Team schaue dabei immer, „ob etwas hervorsticht“. Daher waren sie und ihre Kolleginnen Katharina Gliesche (Tourismusmarketing) und Celina Baumann (Gästeservice) sofort neugierig, als sie vom Mußbacher Weingut Hellmer erfuhren, dass man dort nun Geocaching-Weinproben anbietet.

Das TKS-Team wagte den Selbstversuch und ging auf die rund vierstündige Tour. Die Strecke ist etwa sechs Kilometer lang. Geocaching ist das moderne Wort für Schnitzeljagd. Ziel ist es, die fünf Weinverstecke sowie die zum Ziel führende Strecke zu finden. Auf diese Art und Weise kann eine Gruppe ganz selbstständig die Gegend erkunden und lernt auf dieser Tour zudem die Weine des Weinguts kennen. Der große Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Weinproben: Der Aufwand für den Winzer ist deutlich geringer. Er muss seine Gäste nicht mehr über mehrere Stunden unterhalten, weil die Weinfans ja auf eigene Faust via App unterwegs sind. Damit aber trotzdem der Charakter einer Weinprobe erhalten bleibt, können die Teilnehmer an den Weinverstecken via App ein Video aufrufen und erfahren vom Winzer dann vieles über den zu verkostenden Wein, die Lage und die Arbeit im Weinberg. Und um den Zuhör-Anreiz zu erhöhen, gibt es ein Quiz: Nur wer alle Aufgaben löst, bekommt am Ende noch einen Preis.

„Spontan und flexibel“

Trieb ist von dem neuen Konzept begeistert. Da es speziell auf Gruppen bis 30 Personen ausgelegt sei (pro Kopf ab 24 Euro), „können wir das gut in die Konzepte der Gruppenreisen der Stadt einbinden“. Baumann erkennt im neuen Angebot einen großen Vorteil : „Das ist spontan und flexibel buchbar.“ Oft scheitere eine klassische Weinprobe daran, dass Besucher freitags anfragten und Winzer direkt am Wochenende dann keine Zeit hätten. Gliesche ist vom Geocaching und dem digitalen Format angetan: „So können wir unser Kulturgut Wein ganz modern vermitteln und das Erlebnis mit Spaß und Bewegung verbinden.“

 Sind überzeugt vom neuen Konzep für eine Weinprobe: (von links) Lars Müller, Hendrik Nees, Tim Hellmer und Oliver Schäfer.
Sind überzeugt vom neuen Konzep für eine Weinprobe: (von links) Lars Müller, Hendrik Nees, Tim Hellmer und Oliver Schäfer.

Hinter dem Angebot, das seit Frühjahr in Neustadt verfügbar ist, steckt Lars Müller. Der Karlsruher hatte die Idee 2020 während der Corona-Pandemie und gründete die Eventagentur Frohnatouren und bietet über diese die Geocaching-Weinproben an. Er kannte das Thema Wein früher vor allem so: Die Familie fuhr zum Stammwinzer, kaufte mehrere Kisten und fuhr wieder nach Hause. „Doch meine Generation tickt so nicht mehr. Wir wollen beim Ausflug aufs Weingut mehr Event, es geht weniger ums Kaufen.“ Seit 2021 bietet er nun seine Geocaching-Weinproben mit inzwischen 20 Winzern in Süddeutschland an. Bei Erzeugern stoße er mit seinem Konzept auf offene Ohren, sagt Müller. Denn bei klassischen Weinproben müssten sie für Besprechungen bis zu vier Stunden Zeit aufbringen. Beim Geocaching laufen nur die Begrüßung und der Abschluss beim Weingut. Für den Rest der Zeit ist die Gruppe auf sich allein gestellt und in den Weinbergen unterwegs. „Für viele Gäste ist das auch ein Vorteil, weil sie dann gemeinsam etwas erleben und Gelegenheit zum Reden haben“, sagt Müller. Via App würden die Gruppen zu den Verstecken geführt. Den genauen Weg müssen sie sich selbst erschließen.

Anstrengend, aber kurzweilig

Lars Müller hat vor einigen Monaten den Mußbacher Winzer Tim Hellmer angeschrieben – und der war sofort begeistert. „Die Leute sind draußen im Feld und nicht nur am Hof“, nennt er einen Vorteil. Tim Hellmer hat gemeinsam mit Müller eine Tour entwickelt und die Standorte für die Weine festgelegt. Die Besuchergruppe probiert auf ihrer Wanderrunde fünf Hellmer-Weine. Er habe dafür fünf Videos aufgenommen, in denen er alles rund um den jeweiligen Wein erläutere, sagt Hellmer. Außer dem Wein gibt’s an jedem Versteck auch Wasser. Am Weingut werden die Gäste zuvor mit einem Glas und einem Glashalter ausgestattet. Die bisherigen Gruppen seien von dem Angebot begeistert gewesen, freut sich Hellmer. Er ist angetan, weil er bei einer Buchung nur noch die Flaschen in den Verstecken deponieren und Zeit für die Begrüßung haben müsse. Er finde es wichtig, dass Winzer neue Wege bei der Vermarktung gehen – zumal er im Weingut ja auch noch ein Restaurant habe, in dem die Gruppen noch einkehren könnten.

Triebs Fazit nach der Proberunde mit der TKS: „Ein bisschen anstrengend, aber es hat Spaß gemacht und war dank der Videos sehr kurzweilig. Wegen des Quiz ist man ehrgeizig und hört auch zu.“

Info

Außer dem Weingut Hellmer setzt das Weingut Stachel aus Maikammer auf die Zusammenarbeit mit Frohnatouren und bietet Geocaching-Weinproben an. Auch hier dauert eine Tour rund vier Stunden. Probiert werden fünf Stachel-Weine. In der Pfalz gibt es noch einen dritten Geocaching-Partner: das Edesheimer Weingut Oberhofer. Weitere Informationen unter www.frohnatouren.de oder zum Neustadter Angebot auf den Seiten der Tourist-Info unter www.neustadt.eu.

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